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Kolumne17:13 01.06.15

Börsenexperte und Autor Prof. Dr. Max Otte

Was ist mit Öl los?

Sehr geehrte Privatanleger,

seit nunmehr vier Jahren treten die Kurse der großen Ölkonzerne auf der Stelle. Statoil (WKN: 675213), BP (WKN: 850517) und Total (WKN: 850727) Die Performance in den nach meiner Strategie geführten Fonds und unseren Musterdepots kam von anderen Stellen. Der Ölpreis für Brent, der für Europa wichtigsten Rohölsorte, sackte von 110 Dollar im Jahr 2014 auf 50 Dollar Anfang 2015 ab. Fracking in den USA, die unsichere Weltlage und alternative Energien – alles sprach gegen Öl. Dennoch sollten Sie die Ölkonzerne nicht abschreiben

Die Weltwirtschaft läuft mit Öl – daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Der Hunger der Emerging Markets nach dem „schwarzen Gold“ ist ungebrochen, auch wenn es in der Finanzkrise vielleicht eine kleine Delle gab. Und es gibt Anzeichen dafür, dass es sich beim Fracking zum Teil auch um einen amerikanischen Marketing-Hype handelte: die Reserven könnten weitaus geringer sein als angenommen. Dann würde das Fracking dennoch zehn Jahre und mehr massiv zur globalen Ölproduktion beitragen, aber irgendwann in absehbarer Zeit wäre Schluss.

Das Problem: Fracking ist erst ab ca. 70 Dollar je Barrel kostendeckend. Manche Vorkommen sind sogar noch teurer. Derzeit machen also viele Fracking-Unternehmen Verlust oder müssen sogar Kapazitäten stilllegen. Ähnliches findet bei den großen Ölkonzernen statt, die ihre Investitionen massiv zusammenstreichen. Auch in Russland dürfte aufgrund des vom Westen geführten Wirt-schaftskrieges die Förderung sinken.

Irgendwann wird sich das auf das Angebot auswiken. Und das wiederum wird zu schnell steigenden Preisen führen.

In der jetzigen schwierigen Phase für die Branche wir es wohl auch vermehrt zu Konsolidierungstendenzen kommen. Mit einer 70-Milliarden-Dollar-Übernahme hat Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S) das Explorationsunternehmen BG Group (WKN: 931283) übernommen.

Die Niedrigzinsen helfen: Royal Dutch Shell nimmt zwar Finanzverbindlichkeiten auf, aber diese kosten kaum etwas. Und bekommt dafür Öl.

Kein schlechter Deal, auch bei einem anscheinend hohen Preis.

Und schließlich: 5,8 Prozent Dividende bei Royal Dutch Shell, 5,2 Prozent bei Total, 4,9 bei Statoil und 4,8 bei OMV (WKN: 874341) – selbst wenn es noch einige Zeit dauert, bis die Kurse wieder nach oben gehen, bekommen Sie locker das Zehnfache dessen an laufender Rendite, was Sie bei mittelfristigen Termingeldern hätten. Und Sie sind im Fall von inflationsgeschützten Aktien noch dazu direkt an Ölquellen beteiligt.

Auf gute Investments,
Ihr

Prof. Dr. Max Otte
maxotte.de

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