Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
die letzte Ausgabe des Jahres möchten wir nicht nur dazu benutzen, ihnen meinen Dank für ihr entgegengebrachtes Vertrauen auszusprechen. Wir hätten dieses Vertrauen nicht verdient, wenn wir nicht auch einmal begangene Fehler offen eingestehen könnten.
Daher möchten wir hier auf ein Leserfeedback antworten, welches uns vor kurzem bezüglich der Ausgabe vom 05.12.11. Dort schreiben wir:
„Als die Notenbanken der Eurozone, der USA, Japan, Großbritannien, der Schweiz und Kanada ankündigten, dass sie die Märkte mit zusätzlicher Liquidität versorgen würden, war dies nicht das gesamte Ausmaß der Überraschungsaktion. Viel wichtiger ist, dass die Banken nun zum ersten Mal in der Geschichte Kredite in Fremdwährung gewähren werden. D.h. ein Schuldiger kann einen Kredit z.B. in US-Dollar aufnehmen, aber die Sicherheit dafür – also die sogenannte Kundeneinlage - z.B. in Euro absichern. Zuvor war dies so nicht möglich. Dieses Verfahren macht es für Unternehmen und Investoren viel einfacher, international Kredite aufzunehmen und Gelder zu investieren.“
Hierzu erreichte uns folgendes Leserfeedback:
„Da ist einiges unklar und irreführend: Ein Schuldner (Kreditnehmer) (Schuldiger ?) kann doch immer schon bei (s)einer Bank Fremdwährungskredite aufnehmen. Die Besicherung (nicht Sicherheit) ist Gegenstand des Kreditvertrages und kann in vielen Varianten erfolgen (Hypothek, Lombard, Verpfändung, Zession etc.). Was ist eine sogenannte „Kundeneinlage“? Ich kann nicht erkennen, was „zum ersten Mal in der Geschichte“ zuvor so nicht möglich war. Vielleicht sollten Sie da noch etwas erklären.“
Dies will ich hiermit tun:
Natürlich kann ein Kunde schon immer zur Bank gehen und sich eine Fremdwährungskredit besorgen. Die „Sicherheit“, oder die „Besicherung des Kredites“, die ein Kunde seiner Bank dafür bietet, ist die sogenannte „Kundeneinlage“ die der Kunde bei seiner Bank hinterlegt. Diese hinterlegte Sicherheit oder Besicherung kann vieler Gestallt sein.
„Neu“ ist also nicht, dass ein Kunde bei seiner Bank einen Kredit in einer anderen Währung als der seinen bzw. der von ihm hinterlegten Sicherheit abschließen kann. Vielmehr bezieht sich unser Newsletter auf das Bankensystem. Hier ist neu, dass sich die sechs obengenannten Notenbanken untereinander verpflichtet haben, ihren Banken praktisch unbegrenzt „Fremdwährungskredite“ in allen sechs Währungen zu einem niedrigen Zinssatz zu gewähren und somit die Liquidität der Großbanken in bestimmten Fremdwährungen zu garantieren. Mit anderen Worten hat sich z.B. die EZB dazu verpflichtet, den europäischen Banken unbegrenzte Liquidität in den Währungen aller an der Absprache beteiligten Zentralbanken zu gewähren.
Dies wurde deshalb nötig, weil wie zu Zeiten der ersten Finanzkrise die Banken anfangen, sich selbst zu misstrauen und daher das Geld nicht mehr richtig zirkuliert. Zusätzlich setzte in letzter Zeit eine „Kapitalflucht“ aus dem Euro ein. Europäische und vor allem internationale Investoren ziehen ihr Geld aus dem Euro-Raum ab und deponieren es in anderen Währungen – z.B. dem US-Dollar. Als Folge davon hatten z.B. europäische Banken immer mehr Schwierigkeiten, sich ausreichend US-Dollar zu besorgen – und diese an Kunden weiterzureichen. Konkret haben die Zentralbanken vereinbart, europäische Großbanken deutlich besser mit US-Dollars zu versorgen.
In unserem Newsletter sprachen wir also nicht vom „Kundengeschäft“ oder gar „Interbankengeschäft“, sondern wir meinten damit, dass Zentralbanken den Großbanken unbegrenzte Liquidität in fremder Währung (also sozusagen Fremdwährungskredite) gewähren – was so zuvor nicht der Fall war.
Das Problem bei einem Newsletter ist immer dann, wenn man solche Themen anspricht, dass das Format und der begrenzte Rahmen eigentlich nicht dafür ausreichen, um tiefgreifende Zusammenhänge auch nur ansatzweise zu erklären. Der Versuch, solche Sachlagen weitestgehend zu vereinfachen und zu komprimieren, sodass man diese in einem kurzen Newsletter erwähnen kann, kann wie in diesem Fall dazu führen, dass wichtig Informationen auf der Strecke bleiben.
Richtig hätte es also heißen müssen: „Viel wichtiger ist, dass die Notenbanken nun zum ersten Mal in der Geschichte unbegrenzt Kredite in Fremdwährung an Großbanken gewähren und somit deren Liquidität in verschiedenen Währungen garantieren werden. Bei einem Fremdwährungskredit kann der Schuldner einen Kredit z.B. in US-Dollar aufnehmen, diesen aber z.B. in Euro absichern. Zuvor war dies so nicht möglich. Dieses Verfahren macht es für Unternehmen und Investoren viel einfacher, international Kredite aufzunehmen und Gelder zu investieren, denn zuletzt zirkulierte das Geld zwischen den Banken nicht mehr so wie gewünscht, da es für europäische Banken immer schwieriger wurde, sich mit der nötigen Menge US-Dollars einzudecken. Die Folge davon war, dass Banken immer weniger Kredite gewährten.“
In diesem Falle ist wohl zu viel Information der Kürzungswut zum Opfer gefallen. Hierfür wollen wir uns entschuldigen und werden versuchen, uns in Zukunft trotz des beschränkten Rahmens deutlich und vor allem akkurat auszudrücken.
Nun noch ein kurzer Blick auf die Märkte, bevor wir uns ins neue Jahr verabschieden:
Der Euro scheint sich zum Jahresausklang sowohl gegenüber dem japanischen Yen (EUR/JPY) als auch dem US-Dollar (EUR/USD) oberhalb der momentanen Widerstandszonen stabilisiert zu haben. Die Verschnaufpause der vergangenen Woche lässt die Charts nahezu unverändert.


Im Gegensatz hierzu könnte sich das britische Pfund deutlich gegen die Einheitswährung behaupten. Der durchbrach und re-testete den Widerstand der vorherigen Ausgabe und hat sich nun bis zur 0,8300-Marke hin getastet. Damit haben wir uns fast bis zum Jahrestief bei 0,8275 von Anfang Januar hingearbeitet.

Ebenso übrigens auch der EUR/USD, welcher sich bis auf ein paar Pips dem Januar-Jahrestief von 1,2873 genähert hat. Trotz der negativen Jahresendstimmung und des gefühlten Freifalls des Euros über die letzten Wochen schließen wir das Jahr insgesamt also recht neutral ab – fast genau dort nämlich, wo wir vor nicht ganz 12 Monaten angefangen haben. Lediglich der japanische Yen hat gegenüber dem Euro deutlich zugelegt.
So gesehen bleibt also alles offen für 2012, und wir dürfen uns auf ein spannendes wenn auch hoffentlich etwas weniger „ereignisreiches“ 2012 freuen. Für den Rest des Jahres ist die Liquidität sehr dünn und es kann immer wieder zu unangenehmen Kurs-Überraschungen kommen. Daher empfehlen wir Ihnen genau das, was wir auch machen. Genießen Sie die Zeit und breiten Sie sich in Ruhe auf das kommende Jahr und die kommenden Herausforderungen vor!
In diesem Sinne, Ihnen allen Danke für Ihr Vertrauen und Ihnen und Ihren Familien ein gesundes und erfolgreiches, aber vor allem glückliches 2012!
Happy New Year!
Ihr
Sven Brand