Kolumne12:00 15.06.11
Zurückhaltung im DAX, Griechenland verunsichert erneut
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
der deutsche Aktienmarkt präsentiert sich nach den Vortagesgewinnen wieder mit Zurückhaltung. Der DAX eröffnete deutlich unter der 7.200er Marke, konnte sich jedoch im Handelsverlauf immer wieder an diese Marke herantasten. Sollte sich der deutsche Leitindex heute über der Widerstandszone bei 7.180/7.185 etablieren, rückt die charttechnische Hürde zwischen 7.243 und 7.254 Zählern in den Fokus. Fällt der DAX dagegen weiter ab, würde die Unterstützung bei 7.135 Punkten greifen.
Hauptbelastungsthema an den europäischen Märkten ist wieder einmal Griechenland. Während die Finanzminister der Eurozone gestern in Brüssel keine Einigung über weitere Rettungsmaßnahmen erzielt haben, steigt der Druck seitens der griechischen Bevölkerung weiter an. Massendemonstrationen und Generalstreiks scheinen allmählich zum Dauerzustand zu werden. Unterdessen gibt es in der ökonomischen Fachwelt eine Diskussion darüber, ob auf Seiten der EZB bereits eine großangelegte Rettung stattfand. Konkret geht es dabei um die sogenannten Target-Salden der nationalen Zentralbanken, die bei den Krisenstaaten wie Griechenland Verbindlichkeiten gegenüber dem EZB-System aufweisen. Ohne näher ins Detail zu gehen, bedeutet dies, dass abseits der Parlamente bereits Milliarden in die Rettung der jeweiligen Länder geflossen sind. Über den Bundesbank-Anteil an der EZB von 27 Prozent, sind die Deutschen dabei direkt beteiligt. Geht es nach dem ifo-Chef Hans-Werner Sinn kommt die Kreditersatzpolitik der EZB faktisch bereits einer Vergabe von Eurobonds nahe. Insofern ist eine rasche politische Lösung dringender denn je, denn eine Fortsetzung dieser Kreditersatzpolitik belastet das Euro-System zusehends.
Schaut man auf den DAX, fallen vor allem die Aktien des Sportartikelherstellers
Adidas ins Auge. Die
HSBC stufte den Titel von zuvor „Neutral“ auf „Overweight“ herauf und erhöhte zudem das Kursziel von 50 auf nun 65 Euro. Ebenfalls im Fokus der Analysten stehen die Versorger.
E.ON wurde dabei seitens der Citigroup von „Sell“ auf „Neutral“ heraufgestuft. Die Analysten der
Société Générale stehen dem Titel ebenfalls positiv gegenüber und haben ihn als Kauf in die Premium-List aufgenommen.
RWE wird dagegen nach Berichten um eine Fondslösung für das Hochspannungsnetz Amprion vorsichtig beäugt.
Ansonsten ist die Nachrichtenlage im DAX sehr dünn. Von Interesse sind da schon eher die Verkehrszahlen des MDAX-Titels Fraport. Erstmals in der Geschichte des Frankfurter Flughafens ist im Monat Mai bei den Fluggastzahlen mit 5,04 Millionen Passagieren die Fünf-Millionen-Grenze überschritten worden. Bei den Konzernflughäfen mit Fraport-Mehrheitsbeteiligung setzte sich das solide Verkehrswachstum fort. Alle Flughäfen der Gruppe verzeichneten im Mai zusammen eine Steigerung um 8,1 Prozent auf rund 8,9 Millionen Fluggäste.
Auch in dieser Woche finden wieder zahlreiche Hauptversammlungen statt. So treffen sich heute u.a. die Aktionäre von
BayWa,
Jungheinrich,
Krones und
Ströer. Im Bereich der Quartalszahlen bleibt es indes weiter ruhig. Von Interesse waren hier bereits die gestern veröffentlichten Zahlen des Modekonzerns
Gerry Weber. Der SDAX-Titel hat im ersten Halbjahr Bestmarken bei Umsatz und Gewinn erzielt. Für das Gesamtjahr 2010/11 peilt Gerry Weber einen Umsatz von etwa 700 Mio. Euro sowie eine EBIT-Marge von über 14 Prozent an. Doch nicht nur fundamental gibt die Aktie einiges her. Auch ein Blick auf das Chartbild ist lohnenswert.
Schaut man auf den weiteren Tagesverlauf richtet sich der Blick wieder einmal über den Atlantik zur Wall Street. Hier werden um 14.30 Uhr die Verbraucherpreise (Mai) veröffentlicht. Dabei wird mit einem leichten Anstieg der Inflationsentwicklung auf 3,3 Prozent gerechnet. Daneben stehen die Mai-Daten zum Realeinkommen, zur Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung der Industrie sowie der Empire State Manufacturing Index (Juni) auf der Agenda. Informationen über die Zustände im Immobiliensektor liefert dann um 16.30 Uhr der NAHB/Wells Fargo Hausmarktindex (Juni).
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