boerse.de - Europas erstes Finanzportal
Dax6.372,000,88%Dow Jones12.529,750,26%EUR-USD1,25800,39%
MDax10.265,000,74%Nasdaq2.531,35-0,61%Rohöl (WTI)91,170,19%
TecDax756,250,90%EuroStoxx2.168,970,57%Gold1.563,680,22%

Kolumne09:11 17.01.12

Börsenexperte, Experte und Author Sven Brand
...und Deutschland profitiert doch vom Euro...
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

gleich zu Beginn der vergangenen Woche hat sich wieder einmal gezeigt, dass Deutschland von der Krise und dem Euro profitiert:

Bei der am Montag stattgefundenen Auktion der Bundesbank waren die angebotenen Staatsanleihen nicht nur 1,8-fach überzeichnet. Erstmals war die Rendite mit -0,0122 Prozent sogar negativ! Mit anderen Worten:

Während Staaten wie Griechenland und Italien fast unbezahlbare Renditen in Kauf nehmen müssen, wird Deutschland von den Anlegern fürs Schuldenmachen sogar bezahlt. Das kommt nicht von ungefähr:

Trotz aller Hiobs-Botschaften von rechts, links, aus der Mitte, von vorne und hinten haben die deutschen Exporte im Jahr 2011 trotz Wirtschafts- und Schuldenkrise wohl erstmals die Billionen-Marke geknackt und somit ein neues Rekordhoch erreicht. Die Zahlen für Dezember sind zwar noch nicht offiziell, doch von Januar bis November wurden bereits Waren im Wert von rund 970 Mrd. € ins Ausland verschifft.

So profitiert die BRD doppelt von der Krise. Der schwache Euro kurbelt die Exporte an und die Schuldenkrise sorgt dafür, dass der Wirtschaftsmotor Europas negative Renditen für seine Staatsanleihen erzielt. Würde der Euro zusammenbrechen und die D-Mark wieder eingeführt, würde diese mit Sicherheit ein neuer Zufluchtsort für Investoren werden. Deutschland hätte dann das gleiche Problem wie die Schweiz — eine Währung, die in ihrem Wert wie eine Rakete in den Himmel schießt. Dies würde deutsche Waren verteuern und somit dem Wirtschaftsaufschwung hierzulande ein abruptes Ende verleihen.

Der Spaß mag uns teuer zu stehen kommen, aber Deutschland brauch den Euro. Eine Rückkehr zur D-Mark könnte uns auf lange Sicht wesentlich mehr kosten. Das wissen auch die Politiker. Mit etwas Glück werden die Eurokraten in den nächsten Monaten einen konstruktiven Weg finden, den Euro aus der Krise zu führen. Dann wäre die ganze Schuldenkrise vom Tisch und die Märkte würden sich dem nächsten „Flavor of the Day“ widmen. Und der Verfall des Euro würde wohl der Vergangenheit angehören.

Noch ist es jedoch nicht so weit:

Obwohl am Donnerstag die Banken wider erwarten massenhaft Staatsanleihen von Italien und Spanien kauften, kam Ende der Woche dann doch noch eine neue Hiobsbotschaft:

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) stufte in einem Rundumschlag acht Euroländer herab – darunter auch Frankreich. Obwohl der Konkurrent Moody‘s sich dieser Einschätzung nicht anschloss, sorgt dies für neue Unsicherheit. So geht es für den Euro wohl weiter bergab. Trotzdem:


Nach dem Brechen des Jahrestiefes 2011 bei 1,2900 Anfang des Monats gönnte sich die Einheitswährung in der vergangenen Woche eine kleine Verschnaufpause. Der EUR/USD schloss am Freitag mit 1,2676 nur wenige Pips unter dem Wochen-Open bei 1,2690. Somit hat sich charttechnisch im Verglich zur Vorwoche praktisch nichts verändert. Die Abwärts-Trendlinie wurde als unmittelbarer beweglicher Widerstand zum Ende der Woche hin respektiert – auch das nächste größere Bären-Ziel bleibt mit der nächsten runden Marke 1,2000 und dem Jahrestief von 2010 bei 1,1900 weiter bestehen. Spätestens in diesem Bereich ist mit neuen Bullen zu rechnen, welche den Euro wieder ein paar Punkte nach oben hiefen sollten. Widerstand und Limit nach oben sind auch diese Woche wieder 1,3000 und der Gleitende Durchschnitt (GD) 50 bei momentan 1,3150. Bärisch gesehen wäre 1,2500 wieder das erstes Wochen–Kursziel.



Im Vergleich zur britischen Währung konnte der Euro in den letzten Tagen sogar etwas zulegen. Das etablierte Tief im EUR/GBP bei 0,8220 markiert ein 12-Monats-Tiefststand und gilt für die kommende Woche als erstes Kursziel gen Süden. 0,8300 gilt nach wie vor als Widerstand. Hier ist es durchaus möglich, dass wir uns in den kommenden Tagen in einer Trading-Range zwischen 0,3700 und 0,8220 aufhalten werden. Wird dies nicht der Fall sein, gilt nach wie vor die nächste Unterstützungszone bei 0,8064 bis 0,8139 vom Juli 2007.



Vorausgesetzt, dass sich in der kommenden Woche charttechnisch wenig ereignet, werden wir die nächste Ausgabe dazu benutzten, eine kleine Technik vorzustellen, mit welcher in einem etablierten Trend Einstiegspunkte ermittelt werden können.

Bis dahin

Happy Trading!
Ihr

Sven Brand


P.S.: Im wöchentlich erscheinenden Newsletter „Devisen-Ausblick” erhalten Sie einen Überblick über die aktuelle Lage an den Devisenmärkten und wie Sie von den aktuellen Währungsschwankungen profitieren. Hier geht´s zur kostenlosen Anmeldung!