Nach den vorangegangenen Abschnitten könnte man sich fragen, was nun noch fehlen könnte, um den "Werkzeugkoffer" des Anlegers zu vervollständigen. Die Antwort umfasst zwei Bereiche. Zum einen Bestätigung der aufgrund fundamentaler oder charttechnischer Analysen vorgenommenen Dispositionen; zum anderen die Möglichkeit, auch kleinere Kursfluktuationen gewinnbringend ausnutzen zu können. Die Vielfalt der markttechnischen Indikatoren bietet zu beidem das geeignete Instrument.
Während sich der Charttechniker ausschließlich mit dem Kurs und seiner absoluten Veränderung befasst, geht die Markttechnik einen etwas anderen Weg. Abgetrennt vom eigentlichen Chart der Aktie arbeitet die Markttechnik mit vom Kursverlauf abgeleiteten Indikatoren, die mittels komplizierter Berechnungen messen,
auf welche Art und Weise sich die Kurse aktuell verändern.
Diese teilweise zeitaufwendigen Berechnungen sind der Grund, warum die Markttechnik eine noch sehr junge Disziplin innerhalb der Analyse der Finanzmärkte darstellt. Obgleich einige Indikatoren bereits in den fünfziger Jahren entwickelt wurden, hat sich die flächendeckende Anwendung dieser Instrumente erst Ende der siebziger Jahre durchsetzen können, als die Investoren den Bleistift und den Rechenschieber gegen einen Computer eintauschen konnten.
Innerhalb der Markttechnik lassen sich verschiedene Gruppen von technischen Indikatoren unterscheiden, die jeweils Antwort auf ganz unterschiedliche Fragen geben sollen. Die zwei wichtigsten Gruppen werden wir mit den jeweils bekanntesten Indikatoren auf den nächsten Seiten besprechen.
1. Die Trendfolge-Indikatoren
2. Die Oszillatoren
Das Feld der Markttechnik ist weit und facettenreich. Auf jede Frage gibt heutzutage ein markttechnischer Indikator eine Antwort - außer darauf, wie man ohne Arbeit in wenigen Tagen Millionär wird. Doch wir werden uns hier aufgrund des begrenzten Raumes auf die Grundlagen beschränken.
Einen weit detaillierteren Blick auf weitere Indikatoren ebenso wie auf die Disziplinen der Advance/Decline- und Sentimentindikatoren bietet Ihnen das
"Grosse Buch der Technischen Indikatoren".
Vorab sei noch gesagt, dass wir Ihnen die manchmal extrem umfangreichen Formeln zur Berechnung einzelner Indikatoren hier ersparen werden. Sofern Sie über einen Computer und entsprechende Software verfügen, erledigt die Maschine die Berechnungen für Sie. Sollten Sie jedoch versuchen, derartige Rechenkunststücke per Hand oder nur mit einem Taschenrechner bewaffnet durchzuführen, sind in nur wenigen Stunden
Sie erledigt, die Berechnungen aber sicherlich noch lange nicht.
Die Erklärung der Funktionsweise kommt auch ohne Formeln aus. Dafür werden wir auf die viel wichtigeren Fragen nach der Aussage und der korrekten Anwendung der Indikatoren anhand von Beispielen um so ausführlicher eingehen.
Trendfolgeindikatoren
Die trendfolgenden Indikatoren vermögen die erste der im Vorfeld gestellten Fragen zu beantworten: Liege ich mit meinen Analysen richtig?
Wie erreichen diese Indikatoren dies? Nun, der Name sagt es bereits: Diese Indikatoren
folgen dem Trend. Sie gehen ihm nicht voraus,
können also nicht im Vorfeld befragt werden, ob und wann sich ein Trend etablieren wird. Aber sie zeigen ganz klar an, ob ein Trend noch intakt, gefährdet oder bereits gebrochen ist. Oder kurz formuliert:
Solange trendfolgende Indikatoren grünes Licht geben, kann ein Anleger seine in diese Richtung ausgerichtete Position im Markt beruhigt und unbeirrt halten.
Der
erste Blick vor einer Kauf- oder Verkaufsentscheidung muss aber dem Umfeld, danach der Suche nach der besten Aktie und deren charttechnischer Situation gelten. Wenn die Charttechnik - beispielsweise nach Überwinden eines wichtigen Widerstandes - ein Kaufsignal generiert, gilt es zu handeln, selbst wenn die Trendfolge-Indikatoren aufgrund ihrer "Trägheit" noch kein entsprechendes Signal generiert haben.
Die Trendfolger kommen, wie die Kavallerie, immer zu spät. Sie dienen daher weder als Einstiegs- noch als Ausstiegssignal sondern ausschließlich der Bestätigung, ob sich nach einer Kursbewegung tatsächlich ein Trend etabliert hat, den es zu verfolgen gilt.
Der MACD
Der von G. Appel entwickelte MACD gehört zu den weltweit am meisten genutzten technischen Indikatoren. Die Berechnung dieses Indikators ist mindestens ebenso kompliziert wie dessen voll ausgesprochener Name: Moving Average Convergence/Divergence-Indikator. Der Gedanke, auf dem dieser Trendfolger basiert, ist jedoch recht leicht zu erfassen:
In einem früheren Abschnitt wurden die gleitenden Durchschnitte angesprochen. Diese GD's liefern für sich alleine betrachtet nur eine recht dürftige Hilfestellung für die Dispositionen der Anleger.