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Grundlagenwissen über Oszilatoren

Im Gegensatz zu den Trendfolgern beschäftigen sich die Oszillatoren nicht mit der Frage, ob ein Trend vorherrscht, wie dynamisch dieser ist, oder ob eine Trendumkehr erfolgt. Die Oszillatoren sind deutlich kurzfristiger ausgelegt und zeigen an, wie stark ein Kurs momentan steigt oder fällt, und ob er nicht bereits zu stark gestiegen oder gefallen ist. Der Darstellungssystematik der meisten Oszillatoren ist daher eines gemein: Sie schwanken (oszillieren) um eine neutrale Zone, die von einer oberen und einer unteren Überhitzungszone umgeben wird.

Das Momentum

Die Dynamik einer Kursbewegung wird oft auch als "Momentum" bezeichnet. Dieser Ausdruck verweist auf die sogenannte "Mutter" aller Oszillatoren, den Momentums-Indikator. Basierend auf einer recht einfachen Berechnungsmethode zeigt das Momentum an, wie viel "Schwung" eine Kursveränderung besitzt. Basis dieser Idee ist die Beobachtung, dass sich zum Ende einer Kursbewegung zuerst diese Schwungkraft vermindert, bevor die Notierungen eine Gegenbewegung starten.

Die Berechnung ist wie gesagt sehr einfach: Um das aktuelle Momentum zu erhalten, wird vom heutigen Schlusskurs der Schlusskurs von vor x Tagen subtrahiert. Das Ergebnis wird in aller Regel als prozentuale Veränderung abgebildet, in welcher der neutrale Bereich durch einen Mittelwert von 100 dargestellt wird.

Liegt der heutige Schlusskurs über demjenigen von vor x Tagen, ist der Wert positiv. Liegt er darunter, hat das Momentum ein negatives Vorzeichen.

Zur Verdeutlichung der Aussage des Momentums:

In einer Phase steigender Kurse ziehen sowohl die DAX-Notierungen als auch das Momentum an. Erreicht das Momentum beispielsweise einen Wert von 105, so bedeutet dies, dass der DAX 5% höher als x Tage zuvor notiert.

Steigt jedoch der DAX weiter an, während das Momentum zurückgeht, kann dies als Warnzeichen für eine möglicherweise bevorstehende Kurskorrektur gedeutet werden. Ein derartiges Phänomen heißt Divergenz. Eine Divergenz beim Momentum ist zwar nicht gerade hoch zu bewerten, aber eben diese Divergenzen sind bei den beiden im folgenden beschriebenen Oszillatoren von um so höherer Bedeutung.

Mit dem Fall des Momentums unter die Mittelpunktslinie (100) wird nach dem ersten Warnzeichen rückläufiger Momentumswerte formal ein Verkaufssignal ausgelöst, das aber über ein evtl. Kursziel der Abwärtsbewegung keinerlei Aussage treffen kann. Daraus wird klar, welche Vor- und Nachteile die Betrachtung des Momentums hat:

Der Oszillator kann Ihnen nicht zeigen, ob es sich bei der aktuellen Bewegung nur um eine Kursreaktion oder aber um einen Trendwechsel handelt. Denn seine Kursausschläge können - je nach Einstellung - ungemein hektisch sein. In jedem Falle aber können mit dem Momentum krasss überkaufte bzw. überverkaufte Marktsituationen erkennbar gemacht werden. Ein weiterer Schwachpunkt jedoch:

Das Momentum kann nicht klar herausstellen, ob ein Wert von 105 nun bereits einen Extremwert darstellt oder nicht. Die Kurse könnten ja durchaus noch bis 107 steigen - oder eben nicht.

Problematisch auch: Der Einstellungszeitraum, also der Zeitpunkt des Schlusskurses, der vom aktuellen Schlusskurs abgezogen wird, ist frei wählbar. Damit kann dieser Indikator ganz unterschiedliche Werte anzeigen, je nachdem, ob der Investoreinen 8-, 12- oder 25-Tage-Maßstab angelegt hat. Und zuletzt der größte Nachteil:

Durch die simple Berechnung ist das Momentum extrem anfällig für kurzfristige Verzerrungen. Doch hierbei muss es sich nicht um einen Ausreißer beim heutigen Kurs handeln. Wenn Sie z.B. ein 12-Tage-Momentum anwenden, kann ein kurzfristiger Kurssturz, der eben genau 12 Tage zurückliegt und somit aus der Berechnung herausfällt, ein für den heutigen Tag steigendes, positives Momentum anzeigen, obwohl der aktuelle Kurs sogar niedriger liegt als die Schlusskurse vor 13 Tagen!

Um derartige Verzerrungen zu minimieren und auch um klarzustellen, ab welchem Niveau die Kurse tatsächlich zu schnell zu hoch gestiegen (überkauft) oder zu schnell zu tief gefallen sind (überverkauft), wurden verfeinerte Indikatoren entwickelt, die jedoch zumeist die Grundidee des Momentums beibehalten haben. Diese Oszillatoren zeichnen sich durch eine etwas umfassendere Berechnungsmethode und das Vorhandensein einer oberen und unteren Extremzone (Überhitzungszone) aus.

Der RSI

Der RSI (Relative Stärke-Index) stellt eine Weiterentwicklung des Momentums dar, wobei gerade die oben genannten Schwachpunkte dieses Oszillators beim RSI teilweise beseitigt werden konnten.

Gemessen wird die relative Stärke eines Wertes zu seinem Kurs vor x Tagen. Dabei ist der Ansatz aber deutlich diffiziler als beim Momentum. Der Schöpfer des RSI, Welles Wilder, stellte bei seinen Beobachtungen fest, dass die Kurse tendenziell weiter steigen werden, wenn der Schlusskurs höher als der Vortagesschluss liegt (was Wilder als Aufwärts-Schlusskurse bezeichnete). Umgekehrt neigen die Kurse auch in den kommenden Tagen eher zur Schwäche, wenn ein Wert unter dem Schlusskurs des Vortages schließt (Abwärts-Schlusskurse).

Bei der Berechnung des RSI addiert man die Differenzen der Aufwärtsschlusskurse eines zurückliegenden Zeitraumes (Standardeinstellung 14 Tage oder Wochen), und teilt diese Summe durch die Zahl der beobachteten Tage minus 1 (in der Regel also 13). Das Ergebnis könnte man als die "durchschnittliche Aufwärtskraft" eines Wertes in den letzten 14 Tagen bezeichnen.

Mit den Abwärts-Schlusskursen wird danach genauso verfahren. Die hier ermittelte Zahl repräsentiert die "durchschnittliche Abwärtskraft" der Kurse in den letzten 14 Tagen.

Die "Relative Stärke" ergibt sich, wenn man den Durchschnitt der Aufwärts-Schlusskurse durch den Durchschnitt der Abwärts-Schlusskurse dividiert. Auch wenn die Rechenschritte ein wenig verwirrend wirken, unter dem Strich wird klar:

Die "Relative Stärke" (RS) zeigt an, ob und um wieviel die Kurse einer Aktie, Devise o.ä. in den letzten 14 Tagen mehr gestiegen als gefallen sind.

Durch folgende Formel wird die RS zum RSI, und damit in einem Chart darstellbar:

RSI = 100 - ( 100 / ( 1 + RS ) )

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