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Der Langfrist-Anleger (Buy-and-Hold-Strategie)

Buy-and-Hold-Strategie bewährt sich kaum

 

In der Vergangenheit galt die Langfristanlage als der beste Weg, um das Geld sicher zu mehren. Insbesondere die Wissenschaft verwies gerne darauf hin, dass nur Anleger mit genügend Ausdauer eine sinnvolle Rendite erzielen. Begründet wurde dies mit dem Argument, die Kurse an der Börse seien dem Zufall unterworfen und könnten daher nicht vorhergesagt werden. Die Random-Walk-Theorie verglich die Börse mit einem Hund, den man Gassi führt. Bald läuft er in diese Richtung, bald in die andere und zieht das Herrchen an der Leine mit sich.
 

Doch nach der Jahrtausendwende setzte eine Ernüchterung ein: Auch das lange Halten von Positionen (die Buy-and-Hold-Strategie) führt nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Immerhin zeigte dieses Jahrzehnt mit mehreren schweren Krisen (dem Platzen der Internetblase, dem 11. September, der Wirtschaftskrise nach 2007), dass auch austarierte Depots nach 20 oder 30 Jahren nur eine dürftige Rendite aufweisen, wenn man die Wertpapiere einmal kauft und dann Jahrzehnte lang hält.
 

Als Beispiel sollen verschiedene Indizes dienen. Wenn man dem Rat der Wissenschaft gefolgt wäre, hätte man über mehrere Jahrzehnte ein breit gestreutes Portfolio gehalten. Vor 30 Jahren gab es noch keine ETFs, deshalb wäre eine solch breite Diversifikation nur mit einem herkömmlichen Investmentfonds realisierbar gewesen. Wir können aber die Entwicklung verschiedener Indizes vergleichen, da die Indizes den Marktdurchschnitt wiedergeben.
 

 

Wertentwicklung der wichtigsten Indizes

  

Index  5 Jahre (p.a.) 10 Jahre (p.a.) 20 Jahre (p.a.) 30 Jahre (p.a.)
MSCI World  -2,4 % -3,5 % 3,8 % 8,8 %
MSCI Europe -0,2 % -1,4 % 6,3 % 9,8 %
MSCI Germany 2,7 % -1,3 % 6,2 % 8,6 %
MSCI USA -4,9 % -5,5 % 6,1 % 9,6 %
Deutsche Staatsanleihen 4,6 % 5,0 % 6,4 % 7,0 %

 Stand: Juni 2009

 

Betrachtet man diese Tabelle, stellt man ziemlich ernüchtert und enttäuscht fest, dass die Buy-and-Hold-Strategie sich kaum bewährt hat. In einem Zeitraum von 5 oder 10 Jahren wurden mit Aktien nur Verluste eingefahren. In den USA verlor man damit 5,5 Prozent jährlich im letzten Jahrzehnt. Erst ab einem Zeitraum von über 30 Jahren wird mit einer Aktienanlage eine akzeptable Rendite erreicht. Selbst im Zeitraum von 20 Jahren schnitten die äußerst sicheren deutschen Staatsanleihen besser ab. Wenn Sie bedenken, welche Risiken und Schwankungen Sie mit einer Aktienanlage auf sich nehmen, dann liefern Anleihen hier ein hervorragendes Ergebnis.

 

Kostolanys Weisheiten

 

Kostolanys Weisheit, Aktien kaufen und liegen lassen, hat sich angesichts immer schwankungsanfälligerer Finanzmärkte überlebt. Die Zeiten haben sich geändert. Heute haben schon Privatanleger die Möglichkeit, im Sekundentakt an den Börsen zu kaufen und zu verkaufen. Die Informationstechnik und die Flut an Derivaten haben die Finanzmärkte vollständig revolutioniert und verändert. Wissenschaftliche Ansätze aus den fünfziger Jahre sind heute veraltet und werden den veränderten Rahmenbedingungen an den internationalen Finanzmärkten nicht mehr gerecht.

 

In Zukunft sollten Sie als Anleger Ihre Wertpapiere kritisch beobachten und auch die Regeln des bereits vorgestellten Moneymanagements und der Risikobegrenzung konsequent befolgen. Berücksichtigen Sie bei jedem Investment das Chancen-Risiko-Verhältnis (CRV). Überlegen Sie, bevor Sie Geld investieren, welche Rendite Ihnen dieses Investment voraussichtlich bescheren wird und wie hoch das eingegangene Risiko ist. Sie sollten stets ein Stop Loss setzen und Ihre Exit-Strategie schriftlich festhalten. Überlassen Sie ein Investment nicht Ihrer momentanen Stimmung. Nur durch konsequentes Einhalten solcher Regeln können Sie Verluste sinnvoll begrenzen und Gewinne realisieren.