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Welche Möglichkeiten bieten ETCs?

ETCs gibt es auf eine Reihe von Rohstoffen. Um kostengünstig und flexibel in den Rohstoffmarkt zu investieren, sind sie besonders geeignet. Inzwischen stehen Ihnen auf alle Rohstoffkategorien ETCs zur Auswahl, wenngleich einige Rohstoffe, die weniger im Mittelpunkt des Interesses stehen, noch nicht durch ETCs verfügbar sind. Das sind seltene Metalle wie Rhodium oder Agrarrohstoffe, die bei den Investoren weniger eingesetzt werden wie Reis, Holz, Milch und Hafer.
 

Für die gängigen Rohstoffe werden aber verschiedene ETCs angeboten. Ähnlich wie bei den ETFs unterscheidet man hier ETCs mit einem Hebel und Short-ETCs, mit deren Hilfe man auf fallende Rohstoffpreise setzen kann.
 

Spot-Preise

 

Der Preis für Rohstoffe kann auf zwei verschiedene Art festgelegt werden. Einige weit verbreitete und stark nachgefragte Rohstoffe wie Erdöl oder Gold haben einen so genannten Spot-Preis. Der Spot-Preis ist eine Art Standardpreis, der von der Börse im Fixing einheitlich festgelegt wird. Man spricht auch vom Kassakurs. Dieser Preis wird nur einmal oder mehrmals am Tag festgelegt; es gibt jedoch keine kontinuierliche Kursfeststellung. Für die meisten Aktien beispielsweise gibt eine fortlaufende Kursnotierung, die in Sekundenabständen aktualisiert wird.

 

Der Goldpreis beispielsweise wird seit 1919 durch das Fixing an der Börse festgelegt. Er wird zweimal täglich (vormittags und nachmittags) in London von fünf Banken ermittelt, die mit Gold handeln. Dieses Gremium heißt London Bullion Market Association (LBMA). Auch für andere Edelmetalle wie Silber, Platin und Palladium werden Spot-Preise berechnet. Beim Erdöl bezieht sich der Spot-Preis auf das Erdöl, das innerhalb der nächsten zwei Wochen ge- oder verkauft wird.
 

Die Terminbörse Eurex

 

Es gibt jedoch noch eine zweite Möglichkeit, den Preis von Rohstoffen zu ermitteln und zwar mit Hilfe der Terminbörse. An der Terminbörse, in Deutschland heißt sie Eurex, werden Terminkontrakte gehandelt, die man als Futures bezeichnet. Stellen Sie sich vor, Sie wollen Heizöl nicht sofort, sondern erst in 6 Monaten kaufen. Mit Hilfe eines Futures kann man den Preis, der zur Zeit für Heizöl in 6 Monaten verlangt wird, »festschreiben«, d.h. wenn Sie in einem halben Jahr tatsächlich das Heizöl benötigen, wird der Preis zugrunde gelegt, den Sie vorher dafür vereinbart haben, auch wenn er vielleicht inzwischen drastisch gestiegen ist.

 

Oder nehmen wir ein Beispiel aus dem Alltag. Sie kaufen ein Auto bei einem Autohändler. Der Händler sagt Ihnen, dass er aufgrund der hohen Nachfrage leider erst in drei Monaten liefern kann. Sie möchten aber gerne auf jeden Fall das Auto jetzt kaufen und sind bereit, drei Monate zu warten. Der Händler sichert Ihnen einen festen Preis von 30.000 Euro zu und verlangt von Ihnen eine Anzahlung in Höhe von 5 Prozent. Nach drei Monaten bekommen Sie das Auto zu dem zugesagten Preis, auch wenn der Hersteller vielleicht inzwischen 40.000 Euro für das Auto verlangt. Sie müssen das Auto auch für 30.000 Euro abnehmen, wenn inzwischen das Fahrzeug auf dem Markt schon für 25.000 Euro zu haben ist. Genau nach diesem Beispiel funktioniert auch die Terminbörse.

 

Preissicherheit durch Terminbörsen

 

Die Terminbörse ist eigentlich aus der Landwirtschaft hervorgegangen; die Landwirte wollten sich absichern, dass ihre Ernte zu einem festgelegten Preis abgenommen wird. So konnte ein Bauer für seinen Weizen schon einen Preis im Winter fest vereinbaren, zu dem er die Ernte dann im darauf folgenden Herbst verkaufte. An sich sind Terminbörsen eine sinnvolle Angelegenheit, da sie für Unternehmen Sicherheit und kalkulierbare Preise schaffen. Doch inzwischen haben natürlich spekulative Investoren die Börse für sich entdeckt und nutzen die Preisschwankungen für Anlagestrategien. Unternehmen, die ihre Geschäfte über Terminmärkte absichern, sind heute eine kleine Minderheit.

 

Für Rohstoffe, die keine Spot-Preise haben, muss der Wert über Futures – also die Terminmärkte – bestimmt werden. Hieraus ergibt sich ein gewisses Problem. Bei einem Spot-Preis wissen Sie immer, was der Rohstoff zurzeit kostet. Er ist wie ein Preisschild im Supermarkt. Bei Futures hingegen fließen die Erwartungen der Teilnehmer mit ein. Der Preis für Erdöl in 12 Monaten wird anders eingestuft als der Preis für das schwarze Gold in 3 Monaten oder einem halben Jahr.

 

Nehmen wir wieder das Beispiel des Autoverkäufers: Wenn er Ihnen das Fahrzeug erst in 12 Monaten liefert, werden Sie einen höheren Rabatt verlangen. Wenn er das Auto schon in einer Woche bereitstellt, werden Sie gewillt sein, einen viel höheren Preis zu zahlen.

 

Bei Rohstoffen ist es vergleichbar. Die Anleger denken: Wird das Erdöl in 12 Monaten viel teurer oder billiger sein als heute? Diese Vermutungen und Ungewissheiten bestimmen den Preis des Futures. Hierzu muss man wissen, dass jeder Terminkontrakt nur eine begrenzte Laufzeit hat – er ist nur für wenige Monate gültig. Um einen Rohstoffpreis abzubilden, muss man gleichsam von Future zu Future springen, d.h. sobald ein Future ausgelaufen ist, wird der nächste verwendet. In der Zwischenzeit kann sich der Preis für den nächsten Future aber deutlich unterscheiden.

 

Nun gibt es zwei Konstellationen:

  • Die Anleger erwarten steigende Preise für die Rohstoffe. Deshalb sind die nächsten Futures teurer als die bisherigen. Eine solche Situation nennt man im Fachjargon Contango. Der ETC muss daher, wenn er den Rohstoffpreis abbilden will, für den nächsten Future deutlich mehr zahlen. Durch diesen Mechanismus kann es geschehen, dass die Future-Preise nicht den »wahren« Preis des Rohstoffs abbilden, sondern verzerren. Das sind so genannte Rollverluste, da man immer wieder die Futures nach Ablauf neu abschließen muss.
  • Die gegenteilige Konstellation ergibt sich, wenn die nächsten Futures billiger sind als die bisherigen. Die Marktteilnehmer erwarten demnach sinkende Rohstoffpreise. Eine solche Situation nennen Fachleute Backwardation.

Ärgerliche Rollverluste

 

Solche Rollverluste sind sehr ärgerlich für Anleger. In ungünstigen Situationen kann Folgendes geschehen: Während der Goldpreis ständig steigt und von Hoch zu Hoch stürmt, kommt der ETC, den Sie gewählt haben, nicht von der Stelle. Im schlimmsten Fall sinkt er sogar. Für viele Anleger ist dieses Phänomen unbegreiflich, da sie erwarten, dass der ETC den Goldpreis exakt abbildet. Doch diese Abweichungen lassen sich nicht vermeiden, wenn Rollverluste entstehen. Sind die zukünftigen Futures teurer als bisher, entstehen unweigerlich solche Verluste. Bei einigen Rohstoffen, die ein ausgeprägtes Contango hatten, waren die Ergebnisse der ETCs für die Anleger eher enttäuschend.

 

Wie können Sie diese Situation vermeiden? Wenn Sie sicher gehen wollen, dass der ETC möglichst exakt die Wertentwicklung des Rohstoffs wiedergibt, sollten Sie Spotpreise bevorzugen. Leider gibt es nur für die gängigen Rohstoffe Spotpreise – bei den Agrarrohstoffen stehen praktisch nur Futures zur Preisermittlung zur Verfügung. In solch einem Fall sollten Sie sich vorher die Entwicklung der Futures ansehen und herausfinden, ob die Futures für die Termine in der Zukunft ansteigen oder fallen und welche Rollverluste sich daraus ergeben. Bei einigen Rohstoffen können sehr deutliche Rollverluste entstehen; ein Investment ist dann nicht sinnvoll, selbst wenn der Rohstoff zu den Gewinnern gehört und zu einer Rallye ansetzt.

 

ETCs gibt es für folgende Rohstoffklassen und Indizes:

  • Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium)
  • Industriemetalle (Kupfer, Aluminium, Blei, Nickel, Zinn, Zink)
  • Energierohstoffe (Erdöl, Heizöl, Erdgas, Benzin)
  • Agrarrohstoffe (Baumwolle, Kaffee, Getreide, Kakao, Mais, Sojabohnen, Sojabohnenöl, Zucker, Weizen)
  • Nutzvieh (Rinder, Schweine)
  • Rohstoffindizes

ETC-Grundlagen

Rohstoff-ETCs

Anlage in ETCs