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Die Entwicklung der Financial-Futures

Die weltweite Inflation und der Übergang zu flexiblen Wechselkursen nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Anfang der siebziger Jahre führten zu einer großen Unsicherheit im internationalen Finanzsystem. Die Volatilität der Zinssätze und Wechselkurse stieg rapide an, und damit auch das Bedürfnis, sich gegen das Risiko von Preisveränderungen bei Finanzinstrumenten abzusichern. Es dauerte deshalb nicht lange, bis ein neuer und aufstrebender Markt für das Hedging von Finanzinstrumenten entstand. Denn die Risiken, denen sich Banken, Versicherer, Pensionskassen, Schuldner und Verleiher in immer größerem Masse gegenüber sahen, waren praktisch die gleichen wie die Risiken, die z.B. ein Getreideimporteur oder ein Baumwollpflanzer zu tragen hat.

Die Devisen- und Zins-Futures als Bahnbrecher

Am 16. Mai 1972 öffnete die erste Terminbörse ihre Pforten für den Handel mit Financial-Futures. Es war der eigens dafür gegründete "International Monetary Market" (IMM) in Chicago. Vorläufig wurden an dieser Börse jedoch nur die wichtigsten Devisen gehandelt. Diese Devisen-Terminkontrakte bedeuteten für die Finanzwelt noch keine Revolution. Termingeschäfte mit Devisen wurden schon dazumal im hocheffizienten Interbank-Markt abgewickelt.

Für den Terminhandel waren es trotzdem die Devisen-Terminkontrakte, welche die Ära der Financial-Futures einläuteten. Zum erstenmal handelte es sich nämlich beim gehandelten Produkt nicht um eine Ware, sondern um ein Finanzinstrument.

Im Oktober 1975 war es dann die älteste und bedeutendste US-Terminbörse, die Chicago Board of Trade (CBoT), die den ersten Zins-Terminkontrakt zur Marktreife brachte. Beim zugrundeliegenden Finanzinstrument handelte es sich um GNMAs, wobei GNMA für "Gouvernment National Mortgage Association" steht (im Fachjargon liebevoll "Ginnie Maes" genannt). Dieses Papier spiegelt die Hypothekenzinsen wider. Es kann mit Coupon-Obligationen verglichen werden, wobei der Staat die monatliche Teilrückzahlung von Kapital und Zinsen garantiert.

Der alle Erwartungen übertreffende Anfangserfolg dieses Kontraktes - schon während der ersten 3 Monate wurden 20.000 Kontrakte gehandelt - bewies, dass für Zins-Futures ein enormer potentieller Markt vorhanden war. Es dauerte dann auch nur wenige Wochen, bis der "International Monetary Market" seinerseits den Terminhandel mit einem Kreditinstrument lancierte. Es handelte sich um "90-Days-US-Trennbar Bills" (US-Schatzwechsel mit einer Laufzeit von 90 Tagen). Während GNMAs die mittel- bis langfristigen Hypothekenzinsen (8 bis 10 Jahre) reflektieren, werden Treasury-Bills mit Laufzeiten von 3 bis 12 Monaten als Barometer für die kurzfristigen Zinsen betrachtet. Der GNMA- und der Treasury-Bill-Terminkontrakt richteten sich also als Hedge-Instrument an sehr unterschiedliche Anlegergruppen mit verschiedenen Zielen. Es wurde auch bald klar, dass es noch mehr Zins-Terminkontrakte brauchte, um den vielfältigen Wünschen der Hedger besser entgegenzukommen. Und die Anlegerschaft musste sich nicht lange gedulden, denn für die Terminbörsen handelte es sich darum, sich rechtzeitig einen möglichst großen Teil des zukunftsträchtigen Marktes zu sichern. In der Folge wurden diverse Kreditinstrumente als Terminkontrakte eingeführt. Einige dieser Instrumente stellten tatsächliche Neuerungen dar, andere waren Variationen von schon bestehenden Zins-Terminkontrakten; einige Börsen wiederum führten ganz einfach den Terminhandel mit Kontrakten ein, die in identischer Form anderswo bereits existierten.

Das feinste Gespür in diesem erbitterten Kampf um Marktanteile bewies die Chicago Board of Trade, als sie im Oktober 1977 den Terminhandel mit US-Treasury-Bonds (langfristige US-Schatzanweisungen) aufnahm. Der Anfangserfolg dieses Instrumentes übertraf sogar denjenigen des GNMA-Kontraktes.

Es war wiederum die Chicago Board of Trade, die kurz darauf den Terminhandel mit Commercial Papers (mit einer Laufzeit von 90 Tagen) einführte. Ähnlich wie die Treasury Bills sind Commercial Papers abdiskontierte, kurzfristige Kreditinstrumente, mit dem Unterschied, dass sie nicht vom Schatzamt, sondern von privaten Unternehmungen ausgegeben werden.

In den folgenden Jahren wurden an verschiedenen Börsen noch weitere neue Zins-Terminkontrakte eingeführt, so z. B. die US-Treasury Notes (US-Schatzscheine mit Laufzeiten von 2 bis 10 Jahren), "Domestic Certificates of Deposit" (90 Tage) und "Eurodollar Time Deposits" (90 Tage Eurodollareinlagen).

Bald wurde auch in Finanzzentren außerhalb der USA der Handel mit Financial-Futures vorangetrieben. So wurde im September 1982 die "London International Financial Futures Exchange" (LIFFE) eröffnet, an der seit dem 27.09.1988 auch der deutsche BUND-Future auf dem Kurszettel, steht, noch bevor 1990 der Handel mit BUND-Futures an der DTB aufgenommen wurde. Heute verfügen praktisch alle renommierten Finanzplätze der Welt über einen Financial-Futures-Markt (bzw. ist ein solcher geplant).

Die Aktienindex-Futures als Senkrechtstarter

Der spektakulärste Boom in der Geschichte des Terminhandels wurde jedoch durch die Einführung der "Stock-Index-Futures" (Aktien-Index-Terminkontrakte) ausgelöst. Im Februar 1982 bot die "Kansas City Board of Trade" als erste Börse einen Aktienindex-Terminkontrakt zum Handel an. Dem Kontrakt lag der "Value Line Average Stock Index" zugrunde, ein seit Jahrzehnten publizierter Index.

Damit wurde der Abstraktionsgrad des Terminhandels nochmals um eine Spur hinaufgeschraubt. Ausgehend vom Geschäft mit Rohstoffen und Metallen, waren die Finanzingenieure über die Devisen- und Kreditinstrumente nun beim Terminhandel mit Aktien-Indizes angelangt.

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Grundwissen zu Optionen und Futures