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Die Marktteilnehmer – Hedger und Spekulanten

Absicherung von Preissschwankungen


Bisher haben wir für die Marktteilnehmer die neutralen Begriffe Investor oder Anleger gebraucht. Wer aber sind diese Leute, die an den Terminmärkten investieren?

Grundsätzlich werden die Marktteilnehmer in zwei Hauptgruppen unterteilt, in Hedger und Spekulanten. Beide Gruppen sehen sich den gleichen Preisschwankungen gegenübergestellt. Die sich daraus ergebende Situation ist jedoch für beide diametral verschieden.

  • Die Kardinalfrage des Hedgers lautet: Wie kann ich mich vor Preisschwankungen absichern?
  • Der Spekulant hingegen fragt: Wie kann ich aus dem ständigen Auf und Ab der Preise Profite erzielen?

Im folgenden werden beide Gruppen und ihre Rolle im Terminhandel beschrieben.


Die Hedger und der Terminhandel

Zahlenmäßig stellen sie die kleinere Gruppe der Marktteilnehmer an den Terminmärkten. "Pro Kopf" aber bewegen sie ein weitaus größeres Volumen als die zahlenmäßig überlegenen Spekulanten, die oft nur mit kleinen Positionen im Markt sind.

"Hedge" bedeutet wörtlich übersetzt "Schutz". Das trifft auch genau die Intention dieser Marktteilnehmer, die sich gegen das Risiko unerwarteter Preisschwankungen absichern wollen. Derartige Risiken gibt es in einem Aktien-Index natürlich genauso wie in einer Devise, einem Rentenmarkt oder einem Rohstoff.

Hedger in den Commodity-Märkten sind hauptsächlich die Landwirte sowie Hersteller, Verarbeiter oder Großhändler der zugrundeliegenden Rohstoffe. Bei Financial-Futures treten vorwiegend institutionelle Anleger und Portfolio-Manager als Hedger in Erscheinung.

Gegen welches Risiko sich jemand auch immer absichern will, Hedging beruht stets auf dem gleichen Prinzip: der Errichtung einer Position am Terminmarkt, die ungefähr einer entgegengesetzten, faktisch gehaltenen Position entspricht. Die sich daraus ergebende Balance reduziert den finanziellen Verlust bei unerwünschten Preisbewegungen auf ein Minimum. Sollte bei der tatsächlich gehaltenen Position ein unerwarteter Wertverlust eintreten, wird dieser automatisch durch einen entsprechenden, ungefähr gleich großen Gewinn der Position im Terminmarkt kompensiert.

Praktisch lassen sich Hedging-Positionen somit auch treffend als eine Art "Versicherung" einer bestehenden Position bezeichnen. Diese Versicherung hat natürlich ihren Preis. Denn:

Tritt die befürchtete negative Wertentwicklung der gehaltenen Position nicht ein, oder steigt ihr Wert sogar an, so muss der Verlust aus der Futures-Position verkraftet werden.

Die Spekulanten und der Terminhandel


Die Spekulanten sind Marktteilnehmer, die bereitwillig genau diejenigen Preisrisiken übernehmen, welche die Hedger tunlichst zu meiden suchen. Je öfter und je stärker sich die Preise der Finanzinstrumente verändern, um so mehr freut sich der Spekulant. Sein Ziel ist es nämlich, das Risiko von Preisschwankungen bewusst auf sich zu nehmen, um daraus Profite zu erwirtschaften. Dabei ist es ihm grundsätzlich gleichgültig, ob die Preise steigen oder fallen. Glaubt der Spekulant, dass die Preise steigen, so kauft er Terminkontrakte (er geht "long"), in der Hoffnung, sie später zu höheren Preisen verkaufen zu können. Ist er hingegen überzeugt, die Preise würden fallen, verkauft er die Kontrakte leer (er geht "short"), um diese später bei tieferen Preisen zurückzukaufen.

Durch die Übernahme des Risikos üben die Spekulanten eine wichtige ökonomische Funktion aus. Sie führen den Terminmärkten die Liquidität zu, die für eine reibungslose Abwicklung unabdingbar ist. Die Existenz der Spekulanten garantiert, dass jederzeit eine große Zahl von konkurrierenden Käufern und Verkäufern für einen schnellen Abschluss zu einem fairen Preis sorgt.

Dadurch, dass sie einen flüssigen Markt aufrecht erhalten und die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs verkleinern helfen, tragen die Spekulanten im allgemeinen zur Dämpfung von Preisschwankungen bei. Oft wird zwar die gegenteilige Meinung vertreten, wonach die Spekulation per se starke Preisschwankungen auslöse oder einen Preistrend in ihrer Richtung verstärke. Die Frage, ob die Spekulation die Terminpreisschwankungen hervorruft, oder ob die starken Kursschwankungen der Waren und Finanzinstrumente die Voraussetzung für den Terminmarkt und die Spekulation sind, kann nicht einfach beantwortet werden. Der Terminmarkt für Devisenkontrakte konnte sich zum Beispiel erst entwickeln, nachdem Anfang der siebziger Jahre zu einem System der flexiblen Wechselkurse übergegangen wurde. Es war also gerade diese Abkehr von fixen Wechselkursen, die einen Terminmarkt und damit die Spekulation erst ermöglicht.

Manipulationen durch Spekulanten

 

Trotzdem kann nicht verneint werden, dass die Spekulation in bestimmten Ausnahmefällen die Preisschwankungen unterstützen und verstärken kann. Dies ist besonders dann möglich, wenn der Markt nicht sehr liquide und die Zahl der Spekulanten begrenzt ist. Als klassisches Beispiel kann die Silberhausse 1979-1980 aufgeführt werden, bei der die texanischen Gebrüder Hunt den Preis krass nach oben manipulierten. Dies taten sie, indem sie systematisch Silber-Futures-Kontrakte kauften und über diverse Broker und Banken riesige Long-Positionen in Silber-Futures aufbauten. Wegen der erhöhten Nachfrage im Terminmarkt mussten natürlich die Silberpreise steigen. Da aber erfahrungsgemäß der weitaus größte Teil aller Futures-Kontrakte, etwa 98%, vor dem Verfall im Liefermonat wieder liquidiert werden, glaubten die Anleger mit Shortpositionen, dass die Preise früher oder später wieder fallen würden. Die Gebrüder Hunt jedoch fingen an, ihre Kontrakte auszuüben und tatsächlich die physischen Silberlieferungen entgegenzunehmen. Die dadurch verursachte Verknappung des physischen Silbers führte wiederum dazu, dass sich die Silberproduzenten und die Spekulanten mit Short-Positionen nur noch aus der Schlinge ziehen konnten, indem sie Futures-Kontrakte kauften. In kurzer Zeit schnellte so der Silberpreis auf über 50 Dollar pro Unze. Erst als die US-Behörden die Einschussforderungen für Silber-Futures drastisch erhöhten, sackte der Silberpreis wieder in sich zusammen.

Oft wird in diesem Zusammenhang auch der Börsencrash vom Oktober 1987 erwähnt. Noch heute sind mehrere Kommissionen mit der Untersuchung der genauen Crash-Ursachen des beschäftigt. Während die einen nachzuweisen versuchen, dass die Index-Future- und Options-Spekulationen maßgeblich zum Crash beigetragen haben, behaupten die Exponenten der Futures-Börsen, die Futures-Kontrakte hätten im Gegenteil den Preissturz an den Aktienbörsen gedämpft.

Gewinne und Risiken beim Termingeschäft

 

Der Anteil der Spekulanten am gesamten Termingeschäft (Rohstoffe und Financial-Futures) kann mit über 80% beziffert werden. Berücksichtigt man nur die Financial-Futures, so machen die Spekulanten nur noch 50 bis 60 % aus, wobei dieser Prozentsatz rückläufig ist, weil immer mehr Institutionen für den Handel mit dem "Rohstoff" Geld die neuen Finanzinstrumente zur Absicherung von Kursrisiken entdecken.

Die Anziehungskraft der Terminmärkte auf die Spekulanten beruht im wesentlichen auf der riesigen Hebelwirkung beim Handel mit Terminkontrakten. In der Tat besteht die Möglichkeit, mit Terminkontrakten schon bei kleinen Preisveränderungen riesige Gewinne zu erzielen. Allerdings muss der Spekulant diese außergewöhnlichen Profitmöglichkeiten durch das Eingehen entsprechend großer Risiken erkaufen. Deshalb sei für den Leser an dieser Stelle nochmals betont: Nur derjenige Spekulant sollte sein Risikokapital am Terminmarkt einsetzen, der die Mechanismen versteht und es sich leisten kann, ggf. auch einmal mehr als das eingesetzte Kapital zu verlieren.

Grundwissen zu Optionen und Futures