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Der Anleger profitiert von Indizes - 2

Gezielte Suche nach (viel oder wenig) Schwankung


Anhand der sogenannten Beta-Faktoren können in einer DAX-Liste diejenigen Titel gefunden werden, bei denen eine überproportionale Veränderung zum Index zu erwarten ist. Ein Beta von 1,39 bei Salzgitter (Stand Oktober 2011) etwa besagt, dass sich die Aktie des Stahlunternehmens um 13,9 Prozent nach oben oder unten bewegt, wenn der DAX um 10 Prozent steigt oder fällt. Umgekehrt verhält es sich bei FMC, die mit einem Beta von 0,41 fast „DAX-immun“ ist: Die FMC-Aktie steigt (fällt) nur um 4,1 Prozent, wenn sich der DAX um zehn Prozent verändert.

 

Aktien mit einem hohen Beta sind etwas für starke, solche mit einem niedrigen Beta etwas für schwache Nerven.


Hier gibt es allerdings einen Haken. Beta-Werte basieren auf Vergangenheitswerten und sind sehr schwankungsfreudig, so dass sie keine Garantie für ein ähnliches Verhalten in der Zukunft liefern. Nichtsdestotrotz können in einem Index sowohl ängstliche als auch mutige Anleger die für sich passenden Aktien finden.

Vergleiche zwischen Anlageklassen


Aktienindizes können Anlegern, die auf der Suche nach überproportionalen Renditen sind, nützliche Informationen liefern: Sie können zeigen, welche Anlagen langfristig bessere Renditen abwerfen. Bei Rendite-Vergleichen unterschiedlicher Anlageklassen wirken graphische Darstellungen sehr überzeugend. So lässt sich am Beispiel des Vergleiches des DAX mit dem Rentenindex REX in der Abbildung erkennen, dass Aktienanlagen langfristig besser abschneiden als Rentenanlagen und stärkeren Kursausbrüchen ausgesetzt sind.

 

DAX vs. REX (31. 01. 1992 bis heute)

 

Vergleichschart

 

Vereinfacht ausgedrückt besagt die Abbildung folgendes: Ein Anleger, der am 1.1.1988 (umgerechnet) 100 Euro in deutsche Rententitel investiert hat, hatte Anfang Juni 2011 etwa 392 Euro in seinem Depot. Ein DAX-Aktionär dagegen hat trotz der letzten Finanzkrise immerhin gute 500 Euro und damit ungefähr 108 Euro mehr angesammelt. Bis auf einen Zeitraum in den Jahren 2002-2005 und 2009 hat er dabei niemals schlechter dagestanden als der Rentenanleger, während in guten Börsenzeiten sein Vorsprung extrem hoch war.

 

Auf dem Höhepunkt der Börsenhausse im Januar 2008 belief sich der Unterschied sogar auf 480 Euro, wie sich an der Differenz zwischen 800 Euro und 320 Euro ablesen lässt. Umgerechnet auf die prozentuale jährliche Steigerung betrug zu diesem Zeitpunkt der Renditeunterschied annähernd 5 Prozent (6 Prozent bei  Renten und 11 Prozent bei Aktien).

 

Natürlich sind solche Betrachtungen stark vom jeweiligen Einstiegszeitpunkt abhängig. Wer Anfang 2000 oder 2008 in Aktien eingestiegen ist, wird den REX noch lange Zeit nicht abhängen. Dennoch spricht auch ein noch längerer Zeitvergleich für Deutschland eine ähnliche Sprache. Das Deutsche Aktien Institut nennt für die Periode von 60 Jahren (1948 bis 2008) eine Aktienrendite von 11,8 Prozent pro Jahr.

Nachholbedarf einiger Märkte gegenüber den Hauptmärkten?


Im Börsenalltag lässt sich häufig beobachten, dass zwei oder mehrere Indizes sich unterschiedlich entwickeln, obwohl sie aufgrund der in ihnen abgebildeten Märkte eigentlich voneinander abhängen müssten.

 

So wäre zu erwarten, dass die Technologieindizes in den USA (zum Beispiel Nasdaq) und die Technologieindizes in den westlichen Industriestaaten (so der TecDAX in Deutschland) sich weitgehend im Gleichschritt bewegen.

Chartvergleich

 

Wenn das nicht der Fall ist, dürfte es früher oder später zu einer Angleichung kommen. In welche Richtung diese Angleichung geht, wer hier also von wem abhängig ist, diese Frage lässt sich allerdings selbst mit komplizierten statistischen Methoden nicht eindeutig beantworten.


Ein Anleger, der eine derartige Anomalie in eine Strategie umsetzen will, könnte aber folgende These aufstellen: Es gibt über- und untergeordnete Aktienmärkte, und es ist zu erwarten, dass die untergeordneten Märkte sich den übergeordneten anpassen.

 

Was sind übergeordneten Märkte?

 

Diese wären wohl in den USA zu suchen, was durch die starke Reaktion der globalen Aktienmärkte auf die US-Börsen immer wieder belegt wird. Niemand wird heute ernsthaft behaupten wollen, dass sich der Rest der Welt auf Dauer gegen die US-Märkte stemmen kann. Wenn in unserem Beispiel der Nasdaq-Index merklich stärker gestiegen ist, würde unser Anleger demnach einen europäischen Technologie-Index kaufen der gemäß seiner These noch Aufholpotenzial hat.

 

Dieser Ansatz ist schon relativ alt. Er kommt immer wieder in unterschiedlichen Varianten vor, von denen diese hier aus Sicht des deutschen Privatanlegers die drei wichtigsten sein dürfen:

  1. der DAX passt sich an den Dow Jones an

    Chart


  2. der MDAX passt sich dem DAX an – erst läuft sozusagen die 1. Liga und danach, wenn die Anleger hier Gewinne mitgenommen haben, kommen die 2. und die 3. Liga in Schwung

    Chart

  3. die weltweiten Branchenindizes folgen früher oder später dem wichtigsten Vertreter der jeweiligen Branche; dieser muss nicht in den USA, sondern kann auch in der Eurozone (Automobilhersteller) oder Asien (Speicherchips) beheimatet sein.

    Chartvergleich

Ob diese Einzelthesen richtig sind, ist in diesem Zusammenhang nicht ausschlaggebend. Der Nutzen der Indizes liegt hier darin, dass mit ihrer Hilfe die konkreten Thesen über Aufholpotenziale gebildet werden können. Denn erst über einen Vergleich der Indexstände lässt sich feststellen, ob - historisch gesehen - tatsächlich bedeutsame Unterschiede in der Kursentwicklung vorliegen.

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