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Ein Index-Beispiel aus der Praxis

Liselotte Meier ist eine gewissenhafte Hausfrau. Als ihr Ehemann Erich (Angestellter) Ende des Jahres nach einer Gehaltserhöhung um 3 Prozent lakonisch bemerkte: „Das reicht ja noch nicht einmal aus, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen!“, widersprach ihm seine Frau. Sie vertrat die Ansicht, dass die Preise nicht so stark gestiegen seien, wie ihr Mann glaubte.

 

Die beiden schlossen eine Wette ab. Liselotte schlug vor, über das gesamte nächste Jahr alle Preisbewegungen aufzuzeichnen, damit sie sich ein Bild von der tatsächlichen Lage machen könnten. Ganz uneigennützig war der Vorschlag nicht, da Frau Meier nebenbei ausloten wollte, ob sie im Vergleich zum Bundesdurchschnitt in ihrer Haushaltslage (zwei Erwachsene, ein erwachsenes Kind) noch Einsparpotenzial bei ihren täglichen Anschaffungen hat. Sohn Peter, WiSo-Student, versprach die Mutter bei der statistischen Erhebung methodisch zu unterstützen.

Die Meiers bauten ihre Analyse auf folgenden Grundsätzen auf:

Grundsatz 1

 

Anfang Januar wurde ein aus 30 Standardprodukten bestehender Warenkorb (Startkorb) zusammengestellt, der die wichtigsten Artikel des täglichen Bedarfs (Nahrung, Getränke, Genussmittel, Energie, Bekleidung, Toilettenartikel usw.) umfasste. Als Aufnahmekriterium dienten der Wertanteil (die Menge multipliziert mit dem Stückpreis) des Artikels an den Gesamtausgaben, den die Familie anhand der Ausgaben im Dezember des alten Jahres ermittelte. Natürlich kaufte Frau Meier immer wieder auch andere Artikel, dies jedoch so selten, dass sie nicht in den Standard-Warenkorb aufgenommen wurden. Umgekehrt wurden nicht alle Standardprodukte bei jedem Einkauf in gleichen Mengen erworben.

Grundsatz 2

 

Obwohl Frau Meier ihre Einkäufe mindestens einmal wöchentlich machte, notierte sie aus Vereinfachungsgründen die Preise nur am jeweiligen Monatsende. So konnte sie von Monat für Monat 12 Preisveränderungen beobachten.

Grundsatz 3

 

Frau Meier stellte fest, dass sich die Konsumgewohnheiten ihres Mannes und Sohnes änderten. Als den beiden im Sommer das Bier mehr als der Wein zu schmecken begann und Frau Meier deshalb vermehrt Bier einkaufen musste, löste Bier im Warenkorb den Wein ab – dessen Wertanteil war so weit gesunken, dass er nicht mehr zu den 30 wichtigsten Produkten zählte. Um solche Änderungen an der Zusammensetzung des Warenkorbes in Grenzen zu halten, wurde seine Überprüfung nur alle drei Monate, jeweils zum Quartalsende, vorgenommen.

Grundsatz 4

 

Frau Meier stellte zu den Messterminen am jeweiligen Monatsende fest, dass die Wertveränderungen des Warenkorbes sowohl aus Mengen-, als auch auf Preisänderungen beruhten. Der Korb kostete im Februar genau 103,19 Euro, während der Startkorb vom Januar noch für 99,17 Euro zu haben gewesen war. Das hätte eine saftige Preissteigerung von knapp 4 Prozent bedeutet. Allerdings hatte Frau Meier im Februar mehr vom preislich stärker gestiegen Obst eingekauft. Diesen Mengeneffekt wollte sie herausrechnen.

 

Nachdem sie die Mengen von Januar als Basis zugrunde legte, ermäßigte sich der Februar-Wert auf 101,23 Euro und damit die Steigerungsrate auf etwa 2,1 Prozent (welche Erleichterung!). Wie Frau Meier weiter feststellte, waren diese 2,1 Prozent ein Durchschnittswert, denn im Korb befanden sich sowohl Waren, die um 7,1 Prozent gestiegen waren, als auch solche, die um 3,7 Prozent billiger wurden. Sie überlegte, ob sie nicht alternativ die Februar-Einkaufsmenge als Referenz nehmen sollte. Sohn Peter riet aber davon ab, weil das unpraktisch sei: Bei dieser Methode müsse der Startkorb in den Folgemonaten immer neu festgelegt werden. Mit den Januar-Mengen als Basis dagegen konnte sie auf diese einmal festgelegten Verbrauchsmengen immer wieder zurückgreifen.

Grundsatz 5

 

Um alle Rabatte in die Berechnung einzubauen, tauschte Frau Meier diese in reale Waren um und rechnete so, als ob sie diese zum Preis von 0,00 Euro bezogen hätte.

Grundsatz 6

 

Sohn Peter schlug vor, den Wert des Startwarenkorbes vom Januar (99,17 Euro) auf 100 Prozent zu setzen: Das bringe den Vorteil, dass sich der Preisanstieg des Meierschen Warenkorbes mit dem der befreundeten Nachbarin, Frau Schmidt, vergleichen lasse. Frau Schmidt, die einen 5-Personen-Haushalt betreute, hatte selbstverständlich einen etwas teureren Warenkorb.

 

Grundsatz 7

 

Als die Eheleute Meier in den Sommerurlaub fahren wollten, begann die schwierige Suche nach einem europäischen Land mit vergleichbaren Konsumgewohnheiten, das noch dazu vergleichsweise billig sein sollte. Sohn Peter schlug methodisch vor, ein Land auszuwählen,  in dem 100 Euro möglichst viel wert seien und sprach dabei von „Kaufkraftparitäten“. Die Wahl fiel schließlich auf Kroatien, wo 100 Euro laut amtlicher Statistik 122 Euro Kaufkraft haben sollten, wie Peter erklärte. Die Meiers könnten dort also für jeden Euro im Durchschnitt 22 Prozent mehr Waren aus dem vertrauten Warenkorb erwerben als in Deutschland.

Grundsatz 8

 

Nach dem Preisvergleich bei den Gütern des täglichen Bedarfs konnte Frau Meier Ende September stolz verkünden, dass die Steigerungsrate trotz der zweimaligen Anpassung des Warenkorbes erst bei 1,8 Prozent liegt. Damit war die Gefahr nicht groß, dass sie bis zum Jahresende die Marke von 3 Prozent übersteigen würde. Nachdem die Preise im Monat Januar um 2,1 Prozent gestiegen waren, wurden in den Folgemonaten abwechselnd steigende und fallende Preise beobachtet.

 

Zur Erinnerung: In der Analyse war explizit die Jahressteigerungsrate – also im Zeitraum vom 1.1. bis zum 31.12. – zu untersuchen, Zwischenergebnisse zählten nicht.

Grundsatz 9

 

Ehemann Erich drohte also die ursprüngliche Wette zu verlieren. Doch er bot gleich die nächste an: Er behauptete, dass die Preise vielleicht nicht in der Elementarversorgung stark gestiegen seien, aber auf jeden Fall bei Dienstleistungen und Gütern des gehobenen Bedarfs. Auch hier wurden also ab Oktober Messungen vorgenommen. Da die Meiers in diesem Segment nur 10 Artikel in Anspruch nehmen, nahmen sie diese sämtlich in den neuen Warenkorb auf. Allerdings konnten sie letztlich auch in diesem Segment nur eine Preissteigerung von 2,9 Prozent feststellen.

Fazit:

 

Entgegen ihren ursprünglichen Erwartungen stellte Frau Meier fest, dass die Errechnung einer Preisveränderung kein banaler Messvorgang ist, der sich auf den einfachen Vergleich von Kassenbons reduziert. Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte sie dabei die wichtigsten Fragen berührt, die in der „technischen“ Indexanalyse eine Rolle spielen.

 

Dabei hatten ihre Bemühungen anfänglich einen ganz konkreten „ökonomischen“ Hintergrund, wie die Auslotung eines Einsparpotenzials bei ihren Einkäufen oder das Finden eines besonders günstigen Urlaubslandes. Um diese rein ökonomischen Fragen beantworten zu können, musste Frau Meier ein geeignetes „technisches“ Verfahren finden. Wie wir an diesem Beispiel sehen, werden im Alltag viele Bürger mit Indizes konfrontiert, ohne dieses Wort jemals gehört zu haben.

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