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Die wichtigsten Märkte: Eine kleine Börsenhistorie

Ein Haus für die Börse - Die Idee breitet sich aus

Zum ersten Mal wird ein festes Gebäude für den Börsenhandel mit dem Haus der Familie van der Beurse erwähnt. Hier trafen sich im fünfzehnten Jahrhundert die Händler der Stadt Brügge, um ihre Geschäfte zu tätigen. Ein genaues Datum ist hierfür nicht bekannt - zumindest datieren die verschiedenen Berichte dieses ersten "Börsengebäudes" um mehrere Jahrzehnte auseinander. Doch zweifellos ist der heutige Begriff "Börse" vom Namen dieser Familie, "van der Beurse", abgeleitet.

Im sechzehnten Jahrhundert etablierten sich auch in anderen Städten Börsen. Die ersten derartigen Märkte mit geregelten Handelszeiten und festgelegtem Ort entstanden in Antwerpen und London und Mitte des sechzehnten Jahrhunderts auch in Hamburg, Augsburg und Nürnberg. Doch das erste echte, ausschließlich für den Börsenhandel bestimmte Gebäude wurde erst im Jahre 1613 in Amsterdam eingeweiht. Und kaum waren die Händler von festen Wänden umgeben, entstanden schon die ersten Verwaltungsorgane, Vorschriften und Gesetzeswerke, die den Handel an diesen Börsen regeln sollten. Der Grundgedanke der Börse hatte sich endgültig durchgesetzt. Bereits zur Mitte des siebzehnten Jahrhunderts hatte sich in Amsterdam die erste große Börse entwickelt, an der es neben den ersten Aktien vor allem Staatsanleihen und Schuldbriefe zu handeln gab. Und auch Terminkontrakte konnten hier gehandelt werden, die bereits mit allen Raffinessen versehen waren, die diese Marktinstrumente heute auszeichnen. Im weiteren Verlauf des siebzehnten Jahrhunderts schossen überall in Europa Börsen aus dem Boden - und mit ihnen wurden die ersten, echten Aktiengesellschaften gegründet.

Die ersten Aktiengesellschaften

Die Historiker streiten sich heute noch um die exakte Datierung der ersten Aktiengesellschaft. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die rechtlichen Grundlagen dieser Gesellschaftsform im Laufe der Jahrhunderte einem stetigen Wandel unterlagen. Demnach ist es weitgehend eine Definitionsfrage, wann die erste Aktie das Licht der Welt erblickte.

Viele Geschichtswissenschaftler nennen einige Zusammenschlüsse in Oberitalien des dreizehnten Jahrhunderts als erste, einer AG vergleichbaren Rechtsform. Die Anteile dieser frühen Gesellschaften waren aber zu keiner Zeit frei handelbar.

Anders sah es zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts in Holland aus. Im Jahre 1602 wurde eine Handels- und Schifffahrtsgesellschaft gegründet, welche die frühere, umfassende Macht der stolzen Hanse vielfach übertreffen sollte: Die "Vereinigte Ostindische Compagnie".

Diese Gesellschaft wurde von einigen reichen Holländern gegründet, die sich die Chancen auf Gewinne durch den Überseehandel zunutze machen wollten. Die siebzehn Gründer stellten sich dabei sehr geschickt an. Zunächst mussten riesige Geldsummen mobilisiert werden, und sie waren in der Tat die ersten, die den Weg der meisten heutigen AGs gingen: Die Anleger von den Gewinnchancen zu überzeugen und sie zum Kauf von Aktien zu motivieren.

Mit der eingenommenen Geldsumme begannen die Händler, eine große Flotte zu bauen und auszurüsten. Dabei wurde den schmerzlichen Erfahrungen früherer Expeditionen nach Übersee Rechnung getragen, indem die neuen Schiffe außerordentlich stabil, aber zugleich auch geräumig und wendig konstruiert wurden.

Cleverer Weise hatten sich die Herren der "Ostindischen Compagnie" vorher auf vielen ostindischen Inseln ein Handelsmonopol sichern lassen. Ihre Schiffe kehrten daher regelmäßig voll beladen mit kostbarsten Gütern in die Häfen zurück.

Nachdem die Compagnie ihr Imperium gesichert und stabilisiert hatte, begannen die ersten Dividendenzahlungen, zumeist in barem Geld. Die hocherfreuten Anleger bekamen eine fürstliche Rendite für das zuvor aufgebrachte Kapital - anders als in früheren Zeiten bei so manchen Schuldbriefen mittelalterlicher Herrscher. Dementsprechend schossen die Aktienkurse scharf nach oben, und mit zunehmender Macht der Compagnie kletterten gleichfalls die Dividenden.

Nachdem andere Handelsgesellschaften erkannt hatten, dass der Erfolg der Compagnie vor allem durch das vorab aufgebrachte Geld der Aktionäre zurückzuführen war, man aber trotz ausgegebener Aktien die Kontrolle über die Gesellschaft behalten konnte, kamen die ersten Nachahmer. So gründete sich Mitte des siebzehnten Jahrhundert die "East India Company" in England. Doch obwohl unter den Konkurrenten so manch heftiger Handelskrieg entbrannte, war der Zug erst einmal abgefahren. Die Holländische "Vereinigte Ostindische Compagnie" hatte, und behielt die Vorherrschaft und konnte quasi eine Monopol-Stellung behaupten.

Doch wo Licht ist, da gibt es auch Schatten - die Kurse der Compagnie stiegen nicht endlos in den Himmel - bisweilen ging es auch jäh nach unten. Und da diese Gesellschaft nun mal die erste echte Aktiengesellschaft war, verursachte der erste heftige Kursrückgang dieses Wertes auch den ersten echten Aktiencrash.

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Die wichtigsten Märkte und Börsen für Einsteiger