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Die wichtigsten Märkte: Eine kleine Börsenhistorie

Die ersten Crashs

Die Geschichte verlief ganz einfach, es geschah, was nun einmal geschehen musste. Wenn Aktienkurse - heute wie damals - einige Zeit rasant nach oben gehen, vergessen die meisten Marktteilnehmer, dass es auch eine andere Richtung geben könnte.

Im Jahre 1688 harrten die Leute, wie schon Hunderte von Jahren zuvor, am Kai und erwarteten sehnsüchtig die eintreffenden Schiffe. Doch diesmal waren es nicht irgendwelche Frachter, sondern eine Flotte der Vereinigten Ostindischen Compagnie, die mit wichtiger Ladung aus Batavia erwartet wurde. Und es standen nicht nur die Reeder und Händler am Kai, sondern dazu eine riesige Schar gut investierter Aktionäre. Die Schiffe der Compagnie waren stabil gebaut, die Anzahl der Havarien bisher unbedeutend gewesen.

Dementsprechend waren die Aktien der Gesellschaft im Vorfeld auf neue Allzeithochs geklettert, und viele Spekulanten hatten ihr ganzes Kapital in die gerade erst neu etablierten Optionen und Futureskontrakte gesteckt. Die Menge am Kai wartete diesmal aber einen um den anderen Tag vergebens.

Die ersten Spekulanten wurden nervös und verringerten sicherheitshalber ihre Aktienpositionen, allgemein blieb aber der hohe Optimismus erhalten. Endlich erreichten einige, wenige Schiffe der Flotte den Hafen. Und die Nachricht, die sie brachten, löste den ersten Crash aus. Einige Schiffe waren in schwerer See mit Mann und Maus gesunken, einige andere hatten offenbar schwer beschädigt nahe gelegene Häfen angelaufen. Dadurch war von der erwarteten wertvollen Ladung nur ein Bruchteil angekommen. Für die Compagnie war der Verlust von Ladung, Schiffen und Besatzung ein schwerer Schlag, doch für manche Aktionäre, die leichtsinnig mit all ihrem Besitz - oder sogar auf Kredit - Terminkontrakte erworben hatten, bedeutete dies den Ruin.

Damals, so mag manch einer einwenden, konnte so etwas passieren. Die Risiken waren höher, die Nachrichtenverbindungen langsam, aber heute? Nun, heute hat sich in den für Aktienkursanstieg und -fall relevanten Bereichen absolut nichts geändert. Macht es denn einen Unterschied, ob Schiffe mit wichtiger Ladung sinken oder der lange erwartete neue Computerchip einer Firma bereits von einem Konkurrenzprodukt überholt wird, noch bevor er auf den Markt kommen kann?

Und vor allem am Leichtsinn unerfahrener Aktionäre, die von Gier getrieben alle Vorsicht außer Acht lassen, hat sich bis heute nichts geändert - und das wird auch in alle Zukunft so bleiben. Wer beim Crash von 1688 vernünftig agierte, mochte wohl einige Verluste erlitten haben, wurde aber keineswegs ruiniert. Und eben den besonnenen Aktionären ist es zu verdanken, dass die Idee der Aktie bis zum heutigen Tag überlebt hat.

Doch Crashs gab es bereits lange vor der Einführung der Aktie. Die Annullierung von Schuldbriefen oder die Einstellung von Zinszahlungen hierauf hatten schon in früheren Jahrhunderten kräftige Kursstürze ausgelöst. Der im Nachhinein bizarrste Crash war wohl die große Tulpenkrise, die sich nur wenige Jahrzehnte vor dem ersten Aktiencrash in Holland zutrug.

Ende des sechzehnten Jahrhunderts kamen die ersten Tulpen aus dem Osmanischen Reich nach Holland. Dort wurden sie wegen ihres edlen, schönen Aussehens von reichen Bürgern gekauft - zu horrenden Preisen, versteht sich!

Doch einigen findigen Gärtnern gelang es mit den Jahren, die Tulpen in Holland heimisch zu machen. Es begannen umfangreiche Züchtungen und Kreuzungen, denn jeder, der es sich leisten konnte, wollte diese schönen Blumen in seinem Garten haben. Mit der Zeit wurde die Tulpe zu einem Statussymbol für Reichtum. Wer sich Tulpen leisten konnte, trug seinen Reichtum offen zur Schau. Die unvermeidlichen Neider taten so alles, um es den Vermögenden gleichzutun.

Die Tulpenzwiebeln wurden immer beliebter, die Nachfrage stieg. Hervorragend war daher, dass immer neue Kreuzungen auf den Markt kamen. Und da durch die steigende Nachfrage auch die Preise stetig anzogen, rief die Chance auf schnell verdientes Geld eine Unmenge Spekulanten auf den Plan. Viele dieser findigen Glücksjäger opferten ihre ganzen Ersparnisse, um sich Unmengen von Tulpenzwiebeln im Keller einzulagern, und diese nach einer Weile zu gestiegenen Preisen wieder zu veräußern.

Dann geschah, was auch heute keiner wahrhaben will: Wenn jeder bereits Tulpenzwiebeln (Aktien) hat, der welche haben will, wer soll diese Aktien (Tulpenzwiebeln) dann zu steigenden Preisen kaufen? Antwort: Niemand.

Nach und nach blieb die Nachfrage nach Tulpen aus. Die Preise waren zu weit gestiegen, als dass sich die normal verdienenden Bürger den Kauf dieser Schmuckstücke noch hätten leisten können. Als die Spekulanten und Hasardeure merkten, dass sie sich die Tulpen seit geraumer Zeit nur noch gegenseitig verkauften, versuchten sie sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, aber sie fanden plötzlich keine neuen Käufer mehr. Ergo: Die Preise fielen schlagartig ins Bodenlose. Zurück blieben, wie nach jedem Crash, einige Besonnene, die rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt hatten, und eine Unmenge bis an ihr Lebensende ruinierter Glücksspieler.
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Die wichtigsten Märkte und Börsen für Einsteiger