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Der Hebel

Der Optionsscheinkäufer verfolgt in der Regel das Ziel, im Rahmen seiner Spekulation weniger Kapital einzusetzen als beim direkten Handel des Basiswertes über den Kassamarkt. Im Umkehrschluss hat dies zur Folge, dass die auf den Kapitaleinsatz bezogenen Schwankungen prozentual deutlich höher ausfallen als die vergleichbaren prozentualen Schwankungen des Basiswertes. Somit kommt es beim Optionsschein zu einer überproportional starken Gewinn- und Verlustteilnahme an Kursschwankungen des Basiswertes. Dieses Phänomen soll der Hebel beschreiben. Mittlerweile gibt es verschiedene Formeln für den Hebel, die auch unterschiedlich gedeutet werden.

Der "alte" Hebel

Zur Einleitung wird auf die alte Formel eingegangen, deren Schwachpunkte im folgenden auch aufgezeigt werden sollen.

Der alte Hebel
Formel für den alten Hebel Quelle: boerse.de



Beim Hebel handelt es sich um eine einheitslose Kennziffer. Angaben wie etwa: "Der Hebel beträgt 2,785%." oder gar "Der Hebel beträgt 2,785 Euro." sind falsch. Es gibt keine andere Kennziffer, die so verschieden und teilweise leider auch falsch gedeutet wird, wie der Hebel. Die häufigste Deutung findet folgenden Ansatz:

Der Hebel besagt, um wie viel Prozent sich der Kurs des Optionsscheins ändert, wenn sich der Kurs des Basiswertes um 1% ändert.

Diese Aussage ist, wenn sie einfach so und ohne weitere Einschränkungen getroffen wird, falsch!

Eine wichtige Einschränkung besteht darin, dass man bei allen Betrachtungen davon ausgehen muss, dass das Aufgeld konstant bleibt, egal wie stark sich der Kurs des Basiswertes ändert. Für den bekannten Call-Optionsschein soll dies beispielhaft verdeutlicht werden.

Aufgrund der vorliegenden Daten hat der Call gemäß der bereits durchgeführten Rechnung einen Hebel von 2,785.

Simulation: Der Aktienkurs steigt um 10% = Euro 30 auf Euro 330. Der Interpretation zufolge müsste der Optionsscheinkurs jetzt, bei konstantem Aufgeld, auch um 10% x 2,785 = 27,85% steigen. Die Berechnung dafür sieht folgendermaßen aus:

Soll für den Optionsscheinkäufer bei einem Aktienkurs von Euro 330 der Optionsschein das gleiche Aufgeld (30%) wie zuvor haben, so müsste sein Gesamtausübungspreis bei Euro 330 + (30% von Euro 330) = Euro 429 liegen. In der Rückrechnung ergibt sich für den einzelnen Optionsschein der folgende Wert:

Euro 429 - Euro 250 (Bezugspreis) = Euro 179

Da es sich in der Betrachtung stets um zwei Optionsscheine handelt, wird dieser Wert halbiert und somit hat jeder Optionsschein nach der Rechnung den Wert von Euro 89,50.

Betrachtet man die Wertentwicklung von Euro 70 auf Euro 89,50, so kommt man zu dem Ergebnis, dass der Kurs des Optionsscheins um Euro 19,50 = 27,85% gestiegen ist. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Aufgeld konstant bleibt.

Dies ist jedoch eine rein theoretische Annahme, denn das Aufgeld ändert sich mit einer Änderung des Basiswertes.

Insofern würde es in der Praxis Abweichungen vom theoretisch ermittelten Optionsscheinkurs von Euro 89,50 geben.

Der "neue" Hebel (gearing)

Die Formeln für den "neuen" Hebel lauten:

gearing Call = KBW x BV : KOC

gearing Put = KBW x BV : KOP

Im Beispiel:

gearing Call = 300 Euro x 0,5 : 70 Euro = 2,14

gearing Put = 300 Euro x 0,5 : 35 Euro = 4.28

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