Was ist ein Optionsschein?
Bei einem Optionsschein handelt es sich um die wertpapiermäßige Verbriefung eines Rechtes. Eine einfache und doch umfassende Definition eines Optionsscheins sieht folgendermaßen aus:
Ein Optionsschein…
berechtigt den Inhaber
einen bestimmten Basiswert
zu einem bestimmten Bezugspreis
in einem bestimmten Bezugsverhältnis
innerhalb eines bestimmten Zeitraums
zu kaufen oder zu verkaufen.
Begriffserklärung Optionsschein im Einzelnen:
berechtigt: Der Optionsschein-Inhaber hat immer das Recht, aber nie die Pflicht, einen Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen.
Basiswert (engl.: underlying): Ein Basiswert kann eine Aktie sein, aber auch eine Währung, ein Zinssatz (eine Anleihe), ein Rohstoff, ein Index oder eine Mischung aus verschiedenen Aktien etc..
Bezugspreis (Basispreis, Ausübungspreis; engl.: strike price): Dabei handelt es sich um den Preis, zu dem der Optionsschein-Käufer den Basiswert kaufen oder verkaufen darf.
Bezugsverhältnis: Das Bezugsverhältnis gibt an, wie viele Optionsscheine notwendig sind, um das Recht ausüben zu können. Dabei ist es möglich, dass ein Optionsschein das Recht zum Kauf/Verkauf von einer oder mehreren Einheiten des Basiswertes verbrieft. Umgekehrt ist auch denkbar, dass zur Ausübung eines Rechts auf einen Basiswert mehrere Optionsscheine notwendig sind.
Zeitraum: Das Recht, welches durch den Optionsschein verbrieft wird, ist stets zeitlich begrenzt. Es wird zwischen Optionsscheinen europäischer Art (engl.: "european style") und amerikanischer Art (engl.: "american style") unterschieden. Optionsscheine europäischer Art können nur am Ende der Laufzeit des Optionsscheins ausgeübt werden. Dagegen können die "american-style"-Optionsscheine jederzeit während der Laufzeit des Optionsscheins ausgeübt werden. Unter Ausübung ist die Geltendmachung des erworbenen Rechts zu verstehen. Kauf- und Verkaufsoptionsscheine (engl.: Kaufoptionsschein = "Call Warrant" oder kurz "Call"; Verkaufsoptionsschein = "Put Warrant" oder kurz "Put"): Optionsscheine berechtigen zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes. Exotische Konstruktionen verbriefen darüber hinaus noch andere Rechte.
Aufgrund der Tatsache, dass der Wert eines Optionsscheins vom Preis des Basiswertes abhängt, zählt man die Optionsscheine zur Gruppe der Derivativen Finanzinstrumente.
Beispiel für einen Optionsschein-Kauf der „Test-AG“
In unserem fiktiven Beispiel wird angenommen, dass es eine "TEST-AG" gäbe. Die Aktien dieses Unternehmens haben heute einen Kurswert an der Börse von 500 Euro.
Dann kann es zum Beispiel einen Optionsschein geben, der 150 Euro kostet und den Inhaber berechtigt
eine Aktie der TEST-AG (= Basiswert)
zum Preis von 400 Euro (= Bezugspreis)
im Verhältnis 1:1 (= Bezugsverhältnis)
bis zum 20.08.2011 (= Bezugsfrist oder Laufzeit des Optionsscheins) zu kaufen.
In einfachen Worten heißt das: Der Optionsschein-Inhaber darf bis zum Laufzeitende am 20.08.2011 eine Aktie der TEST-AG zum Preis von 400 Euro kaufen.
Eine wichtige Überlegung dabei ist: Die Aktie der TEST-AG kostet zurzeit an der Börse bereits 500 Euro, so dass niemand ein solches Recht ohne Gegenleistung abgeben wird. Daraus resultiert, dass die Optionsscheine einen gewissen Wert haben (der im Beispiel willkürlich auf 150 Euro festgesetzt worden ist) und somit auch an einem Markt, der Börse, handelbar sind.
An dieser Stelle muss festgehalten werden, dass man mit einem Optionsschein auf steigende oder auch fallende Kurse eines gewissen Basiswertes spekulieren kann und dafür nicht so viel Kapital einsetzen muss, als wenn man den Basiswert selber kauft.
Im Beispiel heißt das: Der Optionsscheinkäufer, der auf steigende TEST-Aktien spekuliert, bezahlt 150 Euro. Der Direkterwerber der Aktie bezahlt dagegen 500 Euro. Der Optionsscheinkäufer hat somit bei deutlich geringerem Kapitalaufwand die gleiche (oder sogar eine bessere) Gewinnchance als der Aktienerwerber.
Der Preis dieser Vorteilhaftigkeit ist, dass die (Total-) Verlustwahrscheinlichkeit beim Kauf eines Optionsscheins auch viel größer ist als beim Aktiendirekterwerb. Dieser Umstand des erhöhten Chance-Risiko-Profils wird häufig als Hebelwirkung oder "Leverage-Effekt" bezeichnet. Somit stehen den größeren Chancen beim Optionsschein auch stets größere Risiken gegenüber.
Auch wenn es Optionsscheine gibt, die ein faires Chance-Risiko-Verhältnis für den Anleger bieten, so muss ausdrücklich gesagt werden, dass der Käufer eines Optionsscheins immer in gewissem Maße spekulativ eingestellt sein muss, denn er weiß beim Kauf des Optionsscheins:
Im schlechtesten Fall kann der gesamte Einsatz verloren sein (Totalverlust).
Eines ist klar: Wenn jemand an der Börse außergewöhnlich hohe Gewinne oder Verluste gemacht hat, dann waren häufig Optionsscheine Gegenstand seines Handelns. Durch ein intelligentes Money-Management können auftretende Verluste aber frühzeitig begrenzt werden.