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Einleitung

Rohstoffinvestments – sind sie wirklich für Privatanleger geeignet?

 

Dass das Thema Rohstoffinvestments keine leichte Kost ist, und sich die Preisentwicklung so manches Rohstoffes auch dem ausgewiesenen Profi manchmal nicht so einfach auf den ersten Blick erschließt, das förderte Anfang 2010 ein Blick nach Herrsching am Ammersee zutage:

 

Dort tauschten im Haus der Landwirtschaft gestandene bayerische Bauern auf Einladung des Bayerischen Bauernverbands ihre Melkschemel mit der Schulbank und besuchten den ersten Teil eines Seminars mit dem schönen Titel »Terminmarktseminar«. Sinn und Zweck der Veranstaltung war, den Bauern als quasi Hauptbetroffenen der wilden Schwankungen der Preise an den Agrarrohstoffmärkten in den letzten Jahren ein besseres Verständnis über die Wirkungsweise der Warenterminmärkte zu verschaffen.

 

Das Seminar wird bereits erfolgreich zum wiederholten Mal abgehalten, denn die meisten Agrarerzeuger können seit geraumer Zeit nicht mehr nachvollziehen, warum die Schwankungen an den Terminmärkten immer stärker und die Preiszyklen für ihre Produkte immer kürzer werden.

 

Doch nicht nur die Funktionsweise der immer schnelllebigeren Commodity-Märkte interessiert die Agrarökonome. Sie wollen vor allem auch verstehen lernen, wie die verstärkt an die Agrarmärkte strömenden Spekulanten, die laut der Seminarleitung maßgeblich an den enormen Preisschwankungen schuld seien und von diesen am stärksten profitierten, bei ihren Anlageentscheidungen »ticken« und wie diese mit ihren Investments die Preise beeinflussen können. Ausgestattet mit diesem Wissen können die Bauern sich nämlich wesentlich besser gegen die unliebsamen Preisschwankungen schützen und somit ihre betriebswirtschaftliche Kalkulation auf eine stabilere Basis stellen. Das Geheimrezept des Seminaranbieters hierzu lautet: Selbst mitzocken bzw. sich statt beim Metzger um die Ecke oder dem heimischen Getreidehändler an den Warenterminbörsen abhedgen.

 

Die Philosophie hinter dieser Empfehlung

 

Spekulanten haben von den Agrarrohstoffen an sich überhaupt keine Ahnung, ihnen steht nur ihr Geld zur Verfügung, welches jedem aktuellen Preistrend nachjagt. Hintergründe interessieren da herzlich wenig. Ganz anders die Bauern:

 

Diese kennen sich mit »ihren« Produkten, den Umweltbedingungen, guten und schlechten Erntejahren und so weiter sehr gut aus – und könnten dadurch manch ausgebufftem, aber in der Sache doch recht ahnungslosen Finanzjongleur noch etwas beibringen. Und schlussendlich an der Börse die Oberhand behalten, sprich als Sieger aus dem Ring treten!

 

Haben die Landwirte dann erst einmal Blut geleckt, folgen in einem Aufbauseminar Einführungen zur Fundamentalanalyse und Chartanalyse sowie in Online-Übungen Simulationen des Rohstoffhandels. Wie gesagt: durch diese intensive Beschäftigung mit den Commodity-Märkten sollen die Erzeuger fit gemacht werden, um ihre ureigenen Interessen selbständig in die Hand zu nehmen und sich und ihre kleinen, mittleren oder auch großen landwirtschaftlichen Betriebe weniger abhängig zu machen von der Gnade oder Ungnade des unbarmherzigen Kapitals, das auf Knopfdruck immer schneller von Markt zu Markt, von Trend zu Trend rund um die Welt strömt.

 

Bleibt nach diesen klaren Bekenntnissen der bayerischen Bauernschaft die Frage:

 

Warum sollten Sie sich als kleiner Privatanleger nun tatsächlich auch auf das Abenteuer Rohstoffhandel einlassen? Ist dies unter Risikogesichtspunkten zu verantworten und sind Commodity-Investments geeignete Anlageprodukte für Kleinanleger? 

 

Fünf gewichtige Argumente für Commodity-Investments  

  • Diversifikation
    »Nicht alle Eier in einen Korb legen« lautet eine der alten und sicherlich auch klügsten Börsenweisheiten. Rohstoffinvestments sind aufgrund ihrer geringen oder gar negativen Korrelation zu Aktien oder Anleihen eine gute Möglichkeit, die Risiken im eigenen Depot zu verringern. Gerade dann, wenn andere Anlageformen sich schlecht entwickeln, performen Rohstoffinvestments meist recht gut. Über diese Stärke von Rohstoffanlagen haben Sie bereits schon einiges an einer anderen Stelle des Buches gehört

  • Inflationsschutz 
    In Zeiten starker Geldentwertung spielen Sachwerte oder Rohstoffe wie Gold ihren Trumpf aus: sie schützen in einem viel größeren Umfang vor dem Verlust von Kaufkraft als andere Kapitalanlagen. Während die realen Werte von Anleihen und in gewissem Umfang auch Aktien bei hohen Inflationsraten in der Regel rückläufig sind, wird Gold mit seiner »Wertaufbewahrungsfunktion« seinen realen Wert, also seine Kaufkraft unter Berücksichtigung der Inflation, weitestgehend beibehalten.

  • Hedging
    Machen Sie es doch genauso wie die Rohstoff-Großverbraucher auch, sichern Sie sich gegen unerwünschte Preissteigerungen von Rohstoffen ab. Der Griff zur Zapfpistole bei steigenden Ölpreisen ärgert weniger, wenn Sie auf der anderen Seite über ihre Rohstoffinvestments gleichzeitig von Preisanstiegen profitieren können. So bezahlen Sie sich die Preiserhöhungen quasi in die eigene Tasche!

  • Rendite
    Im Langfristvergleich waren die Erträge aus Rohstoffinvestments in etwa gleich hoch wie die Erträge aus Aktienengagements und das bei etwas geringeren Schwankungen. Die Beimischung von Rohstoffanlagen stellt deshalb auch unter Renditegesichtspunkten eine sinnvolle Alternative in der Vermögensanlage dar.

  • Investitionszyklik
    Interessant ist, dass die Renditechancen bei Rohstoffen immer dann besonders hoch sind, wenn die Wirtschaft am stärksten wächst. Dann ist die Rendite von Commodity-Investments in der Regel auch größer als bei anderen Assetklassen. Umgekehrt gilt das analog: Geht die wirtschaftliche Dynamik zurück, dann rentieren auch Rohstoffe nicht besonders gut bzw. bringen dem Anleger vergleichbare Verluste wie Aktien ein. Der Gleichlauf zwischen Wirtschaftswachstum und Rohstoffpreisen ist also als sehr hoch anzusehen. Somit stellen Rohstoffe in Phasen hohen Wirtschaftswachstums und hoher Kapazitätsauslastung die attraktivste Investitionsmöglichkeit dar.

Das nachfolgende Schaubild verdeutlicht diesen Zusammenhang noch einmal anschaulich. Die Rohstoffpreise reiten auf der aufstrebenden Welle des Wirtschaftswachstums förmlich nach oben, angetrieben durch die anziehende Nachfrage nach Gütern. Dieser Nachfrageschub sorgt dafür, dass die freien Förder- und Produktionskapazitäten immer mehr abnehmen und dadurch Preiserhöhungen durchgesetzt werden können. Ein guter Zeitpunkt für das Eingehen von Commodity-Investments ist also in einer Phase, in der sich ein Wiedererstarken der Wirtschaft nach einem Wachstumseinbruch abzeichnet.

 

Rohstoffe im Wirtschafts- und Investmentzyklus

 

Grafik

 © Goldman Sachs

 

Umgekehrt sollte man aus Rohstoffanlagen aussteigen, wenn die Wirtschaft zwar noch kräftig brummt, sich aber bereits erste Vorboten einer nahenden Konjunkturabkühlung zeigen. Denn dann ist bereits absehbar, dass es aufgrund der sich abschwächenden Nachfrage nach Rohstoffen zu Überhängen in den zuvor massiv aufgeblähten Kapazitäten kommt und aufgrund des dadurch aufkommenden Angebotsdruckes die Preise für Commodities in den Keller purzeln werden. Sobald man also die ersten Schwalben des Konjunkturabschwungs am Horizont entdeckt, wird es langsam Zeit, sich Gedanken über einen anstehenden Ausstieg aus dem noch recht flott fahrenden Rohstoffzug zu machen. Ganz mutige Anleger schlagen dann sogar die Gegenrichtung ein und wetten mit entsprechenden Finanzprodukten auf einen kräftigen Rückgang der Rohstoffpreise – und profitieren so sogar über den ganzen Zyklus hinweg vom Auf und Ab der Rohstoffpreise.

 

Nicht nur Produzenten oder Großverbraucher haben also gewichtige Gründe, im Rohstoffhandel mitzumischen. Wie Sie gesehen haben, macht es auch für Privatanleger durchaus Sinn, sich trotz der schwierigen Materie viel Sinn, sich ebenfalls am Commodity-Markt zu engagieren.

 

Doch genauso wie die rührigen Bauern sollten auch Sie sich vor dem Eintritt in die faszinierende Welt des Rohstoffhandels zunächst richtig fit machen, wobei wir Ihnen diese Texte zur Seite stellen möchten. Zu dieser »Investitionsfitness« gehört auch, sich umfassend, objektiv und zielgerichtet zu informieren. Die richtigen Quellen, um an die notwendigen Informationen zu gelangen lernen Sie im Abschnitt »Wo Sie mehr Rohstoff-Information finden« kennen. Zunächst wenden wir uns nun erst einmal den Möglichkeiten zu, wie Sie ganz konkret an den Entwicklungen an den Rohstoffmärkten teilhaben können.

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