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Historische Übertreibungen

Jeder Assetklasse ihre Übertreibung - historische Preisblasen bei Rohstoffen

 

Die Geschichte der Börse und der an ihr gehandelten Vermögenswerte ist gleichzeitig eine Geschichte der Bubbles und Crashs, der schnellen und steilen Anstiege der Kurse, gefolgt von noch schnelleren und steileren Abstürzen. Hiervon blieb die »Assetklasse Commodities«, also die Vermögenskategorie Rohstoffe in all ihren Ausprägungen, natürlich ebenfalls nicht verschont.

 

Ganz im Gegenteil: Insgesamt sind in der Wirtschaftsliteratur über einen Zeitraum von rund 400 Jahren Berichte über rund 450 größere Blasen und daran anschließende Kurseinbrüche zu finden. Bei einem großen Teil dieser Kursübertreibungen waren neben Aktien und sonstiger Wertpapiere auch sehr oft Rohstoffe als Spekulationsobjekt heiß begehrte Objekte der Gier der Investoren.

 

Blase 

Zeitraum des Crashs

Crashregionen 

Betroffene Vermögensklassen

Tulpen Mania

1636 - 1637

Niederlande

Tulpenzwiebeln, Immobilien, Aktien

Waterloo Spekulation

1815 - 1816

England 

Rohstoffe und Handel mit den USA

Wildcat Bank Blase 

1837

USA 

Baumwolle, Silber, Land

Eisenbahn Mania

1847-1857 und 1873

England, USA, Kontinentaleuropa

Aktien von Eisenbahnunternehmen, Immobilien, Weizen

Edelmetall Mania

1893

Australien, USA

Gold, Silber, Goldminenaktien, Grundstücke

Money Panik

1907

Frankreich, Italien, USA

Kaffee, Eisenbahnen, Banken

Nachkriegs Boom and Bust

1920 - 1921

England, USA 

Aktien, Rohstoffe, Schiffe 

Vor-Lehman-Boom

2003 - 2008

Weltweit 

Rohstoffe, Aktien, sonstige Assets 


 

Die Tulpen-Hausse im 17. Jahrhundert

 

Eine der bekanntesten Blasen, bei denen (Agrar)Rohstoffe im Spiel waren, ist die berühmt-berüchtigte Tulpen Mania der Jahre 1636 und 1637. Bei dieser skurrilen und aus heutiger Sicht und mit einigem zeitlichen Abstand gesehen auch ziemlich unerklärlichen spekulativen Übertreibung ging es, wie der Name bereits andeutet, um Tulpen! Genauer gesagt um Tulpenzwiebeln.

 

Als die ersten Tulpenzwiebeln im ausklingenden 16. Jahrhundert Holland erreichten, dauerte es nicht allzu lange, bis durch die bis dato unbekannte Blume eine wahre Hysterie unter den Holländern ausbrach. Jeder Niederländer, der etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, wollte die schönsten und prächtigsten Tulpen sein Eigen nennen. Als dann die ersten erfolgreichen Tulpenkreuzungen gelangen, gab es kein Halten mehr, die Tulpenzwiebel wurde endgültig zum Spekulationsobjekt und Spielball einer ganzen Nation. Der Handel mit den Blumenzwiebeln explodierte förmlich und alle Schichten der Bevölkerung machten bei diesem Spiel nur allzu gerne mit.

 

Dies gipfelte schließlich darin, dass Tulpenzwiebeln sogar für den Handel an der Börse zugelassen wurden. Der Wahnsinn, nahm seinen Lauf und auf dem Höhepunkt des Tulpen-Booms, im Jahr 1637, wurden für einzelne Sorten, die noch vor wenigen Monaten für einen Gulden gehandelt worden waren, zeitweise mehr als eintausend Gulden verlangt und auch bezahlt. Der Höhepunkt der Tulpen Mania war erreicht und nun gab es für die Preise auf dem Weg nach unten, nach rund drei Jahren des steilen Anstiegs, kein Halten mehr. Die Preise stürzten ins Bodenlose, aus der »Blumenblase« entwich die Luft schneller, als wie sich eine Tulpe in der Vase hält.

 

Damals wie heute wurde der Ruf nach staatlicher Hilfe für die Betroffenen und die Wirtschaft schnell laut. Und dieser Ruf wurde ebenso rasch auch erhört: Der Terminhandel mit den Zwiebeln wurde verboten und Gerichte durften bei »Zwiebelstreitigkeiten« nicht bemüht werden, um das Justizwesen nicht vollends zum Erliegen zu bringen. Und auch damals musste die holländische Wirtschaft lange für die Exzesse an den Märkten bezahlen. Es dauerte mehrere Jahre, bis alle negativen Folgen der Blase überwunden waren.

 

Wann Eisen- und Kupferpreise anziehen

 

Doch nicht nur Tulpenzwiebeln sorgten bei den Börsianern der Vergangenheit für Hitzewallungen, auch ganz »normale« Rohstoffe wie Silber, Baumwolle, Gold oder Kaffee brachten das Blut der Spekulanten auf dem Weg nach oben zum Kochen und anschließend zum Gefrieren, wenn die Preise oft ebenso schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückfielen, wie sie zuvor steil nach oben geschossen waren. Durch die meist hohe Schwankungsbreite der Preise für Rohstoffe stellen diese ein für viele Finanzjongleure geradezu ideales Spekulationsobjekt dar, denn diese benötigen für die Erreichung ihrer oftmals sehr ehrgeizigen Renditevorstellungen starke Preisausschläge nach oben, aber auch nach unten.

 

Jedoch sollte man bei der manchmal erratisch anmutenden Preisentwicklungen nicht vergessen, dass es, anders als beispielsweise bei den Tulpenzwiebeln oder bei den Übertreibungen der New-Economy-Blase, in der Vergangenheit oftmals ganz profane und handfeste Gründe für die starken Schwankungen und das Überschießen der Preise für Rohstoffe gab und auch heute noch gibt.

 

So wird der Preis für Eisen oder Kupfer immer dann anziehen, wenn die Nachfrage nach diesen Metallen durch eine gutlaufende Konjunktur mit entsprechenden Steigerungsraten der Industrieproduktion anzieht. In einem solchen Szenario wird dann eben mehr Stahl und Kupfer von den Autobauern oder Kabelherstellern nachgefragt werden, was die Kapazitäten der Rohstoffproduzenten bis an die Schmerzgrenze auslastet und deren Preissetzungsmacht erhöht.

 

Hier hat die in den letzten Jahren ständig weiter um sich greifende Globalisierung dazu beigetragen, dass der wirtschaftliche Krieg um die Rohstoffe bereits deutlich an der Preisfront erkennbar war. Durch den Eintritt der industriellen Schwellenländer in diesen Krieg hat sich dieser Konkurrenzkampf noch weiter beschleunigt.

 

Auch das verstärkte »Austoben« spekulativen Kapitals an den Rohstoffmärkten führt zu immer stärkeren Schwankungen der Rohstoffpreise. So führt die Vielzahl neuer Investoren an den Commodity-Märkten die Rohstoffpreise zunehmend parallel zu der Preisentwicklung anderer Anlageklassen wie Aktien verlaufen. Verlieren diese Anleger etwa aufgrund schlechter Wirtschaftsnachrichten die Lust am Risiko, so werfen sie nicht nur ihre Aktien auf den Markt, sondern auch noch gleich ihre Rohstoffe hinterher. Die Preise beider Arten von Anlagen rauschen deshalb immer öfters gleichzeitig in den Keller.

 

Allerdings hat sich die globale Nachfrageexplosion seit der Lehman-Pleite im September 2008 zunächst einmal umgekehrt, denn durch die starke Verunsicherung der gesamten Weltwirtschaft und dem zum Teil dramatischen Schrumpfen vieler Volkswirtschaften rund um den Globus ließ die Nachfrage vor allem nach in der produzierenden Industrie verwendeten Rohstoffe drastisch einbrechen.

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