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Rohstoffe im Zeichen der Globalisierung

Rohstoffgewinnung und Rohstoffhandel – politischer, sozialer und ökologischer Sprengstoff im Zeitalter der Globalisierung

 

Der Handel mit Rohstoffen trägt etwa zu einem Drittel zum gesamten Welthandel mit Gütern und Waren bei. Neben der Knappheit oder gar Endlichkeit vieler Rohstoffe wird die Preisbildung bei den Commodities auch von den vorherrschenden Produktions- und Marktstrukturen mitbeeinflusst. So können viele Rohstoffe nur nach Tätigung erheblicher Investitionen gewonnen und abgebaut werden, was dazu führt, dass insbesondere die Ausbeutung von mineralischen und fossilen Rohstoffen oft nur von wenigen kapitalstarken und international tätigen Großunternehmen vorgenommen werden kann. Dies führt bei vielen der so gewonnen Rohstoffe dazu, dass die Preise zu einem größeren Maß von den nur wenigen Anbietern diktiert und manipuliert werden können. Würde kein Angebotsoligopol vorliegen (so nennt man es, wenn nur wenige Anbieter auf viele Nachfrager treffen), dann würden die Preise einem viel größeren Wettbewerb unterliegen, als es heute der Fall ist. Denken Sie etwa an das Oligopol an den Tankstellen: In den seltensten Fällen werden hier große Abweichungen zwischen den wenigen Anbietern zu beobachten sein. Oft wird in diesem Zusammenhang auch über unerlaubte Preisabsprachen zulasten der Verbraucher gesprochen.

 

Ein weiteres wichtiges Charakteristikum des Rohstoffsektors ist, dass der Anbau, der Abbau und die Förderung auf der einen Seite, die Weiterverarbeitung und die Veredelung von Rohstoffen auf der anderen Seite, häufig in unterschiedlichen Ländern oder gar Kontinenten stattfindet.

 

Durch den Aufstieg der in den vergangenen Jahrzehnten schnell wachsenden »Tigerstaaten« wie Indien, Brasilien oder China in die Liga der großen Produktions- und verstärkt immer mehr auch der Konsumentenstandorte dieser Welt, treten neue Konkurrenten auf die Weltbühne der Rohstoffnachfrage.

 

Vor allem die Nachfrage nach Eisenerz und nach Energieträgern wie Öl und Kohle steigt von Seiten dieser Staaten seit Jahren ständig und massiv an. Die soziale Mittelschicht der aufstrebenden Länder nimmt aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums und der Vervielfachung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen mit entsprechend höheren Löhnen beständig zu. Und es sind genau diese leistungsorientierten und gut ausgebildeten Mitglieder dieser »neuen Mitte«, die aufgrund ihrer Suche nach einem höheren Lebensstandard die Nachfrage nach Autos und Elektroartikeln aber auch nach den sonstigen Verlockungen einer Wohlstandsgesellschaft nach oben treiben. Was wiederum die Nachfrage nach Rohstoffen aller Art weiter anziehen lässt und zudem den Energiehunger immer weiter anschwellen lässt. Die vielen neuen Autos wollen schließlich auch bewegt werden, und dafür wird Benzin benötigt – viel Benzin!

 

Als wesentlicher Grund für die weltweit steigende Nachfrage nach nahezu allen Commodities ist die globale demographische Entwicklung. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung innerhalb der nächsten 50 Jahre um rund 2,5 Milliarden Menschen wachsen wird. Zusammen mit dem absoluten Wachstum der Erdbevölkerung bewirkt die qualitativ höhere Nachfrage aufgrund des Wohlstandszuwachses einen beständigen Nachfrageschub.

 

Hierzu einige Beispiele:

  • Der Pro-Kopf-Verbrauch von Aluminium, Kupfer und Stahl in China hat sich während der vergangenen Dekade mehr als verdreifacht, gleichwohl wurde im Jahr 2006 in Deutschland noch über 70% mehr Stahl pro Kopf verbraucht als in China
  • Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet damit, dass allein die Chinesen bis zum Jahr 2030 rund zwei Billionen US-Dollar (2.000.000.000.000!) in die Elektrizitätserzeugung und -verteilung investieren müssen. Und dafür werden erhebliche Mengen an Rohstoffen benötigt. In anderen aufstrebenden Schwellenländern sieht es hier nicht besser aus
  • Insgesamt sind die chinesischen Rohstoffimporte seit dem Jahr 1990 um mehr als das Zwanzigfache gestiegen. Weltweit betrachtet ist in den vergangenen fünfzig Jahren die Nachfrage nach Erdöl, Erdgas und Kohle permanent angestiegen: Der Verbrauch an Kohle hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt, Öl erlebte einen Nachfragezuwachs um rund das Dreifache und der Erdgasverbrauch hat sich gar vervierfacht

Anteil der chinesischen und indischen Erdölimporte an den gesamten Erdölexporten (inkl. Prognosen)

 

Tabelle

Quelle: LBBW 

 

Diesem Trend zu einer ständigen Zunahme der Nachfrage nach Rohstoffen aller Art steht ein mehr oder weniger stagnierendes oder gar abnehmendes Angebot gegenüber. So konnten beispielsweise seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts auf der ganzen Welt keine größeren Funde an Erzen mehr verzeichnet werden. Auch bei der Förderung von Rohöl ist diese Tendenz bereits seit einiger Zeit zu beobachten. Hier gestaltet sich die Entdeckung, die Erschließung und schließlich die Ausbeutung neuer Ölvorkommen als immer schwieriger, aufwendiger und somit auch kostenintensiver. Dies führt soweit, dass die Ölproduktion nur noch bei sehr hohen Ölpreisen lohnend für die Erzeuger ist. Dies gilt aber auch für jeden anderen Rohstoff, so dass allein der Kostenfaktor für eine natürliche Begrenzung des Angebots sorgt. Kein Unternehmen kann es sich auf Dauer erlauben, Rohstoffe abzubauen und zu verkaufen, wenn die Produktions- und Vertriebskosten den am Weltmarkt erzielbaren Preis übersteigen und somit keine kostendeckende Produktion möglich ist.

 

Starke Nachfrage im Nahrungsmittelbereich

 

Ein weiteres Beispiel für den strukturellen Nachfrageanstieg ist der Nahrungsmittelbereich. Die Nachfrage nach Gemüse in den Schwellenländern etwa stieg von 2000 bis 2004 um rund 14 Prozent an, während der Hunger nach Fleisch fast ebenso stark zunahm (um rund 13 Prozent). Zuwachsraten, die das Dreifache bzw. das Sechsfache derjenigen der wesentlich gesättigteren Industrienationen betrugen. Der globale Pro-Kopf-Verzehr an Fleisch lag Ende der 1990er-Jahre noch bei 36 Kilogramm. Ernährungsexperten gehen davon aus, dass dieser bis zum Jahr 2030 auf 45 Kilogramm Fleisch je Erdbewohner angewachsen sein wird, wobei in Erdregionen wie Asien ein noch wesentlich stärkerer Anstieg erwartet wird. Welcher gewaltige Unterschied zwischen den Konsumgewohnheiten zwischen der USA und China besteht und welch gigantischer Nachholbedarf sich daraus potentiell ableiten lässt, das zeigt die nachfolgende Grafik auf eindrucksvolle Weise.

 

Vergleich zwischen dem Konsum in den USA und China

 

Tabelle

Datenquelle: http://www.earth-policy.org/

 

Vor allem der weltweite Anstieg des Fleischkonsums bereitet einigen alarmierten Wissenschaftlern große Sorge. Denn neben dem weiteren rasanten Anstieg der Weltbevölkerung mit ihrem stetig wachsenden Bedarf an Nahrung und somit Acker- und Anbauflächen ist vor allem die steigende Nachfrage nach Fleisch ein immer bedrohlicheres Problem bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt. Denn allein der Anstieg des Fleischkonsums wird zu einer weiter stark steigenden Nachfrage nach Agrarflächen führen. Neben Weideland werden vor allem immer mehr Anbaugebiete für Getreide benötigt werden, da für die Produktion eines Kilogramms Fleisch ein Vielfaches an Getreide an die Tiere verfüttert werden muss.

 

So werden zur Gewinnung eines Kilogramms Rindfleisch etwa die siebenfache Menge an Futtergetreide benötigt. Dadurch werden rund sechzig Prozent des Getreideverbrauchs allein für die Herstellung von Tierfutter benötigt und steht der direkten Ernährung der Menschheit nicht mehr zur Verfügung. Diese Entwicklung wiederum führt beispielsweise dazu, dass im tropischen Regenwald in Südamerika durch die vermehrte Anwendung der Brandrodung zur Gewinnung von Weideland weitere große Flächen des für das Weltklima so wichtigen Regenwaldes für immer zerstört werden. Diese immer stärkere und rücksichtslosere Ausbeutung der Rohstoffvorkommen unseres Planeten wird auf der ganzen Welt weiteren immensen ökologischen Schaden anrichten, der langfristig gesehen zu einem ernsten Problem, wenn nicht sogar zu einer Bedrohung der Menschheit werden könnte. Verödung ganzer Landstriche durch Überweidung oder Rodung, das Zurücklassen von Mondlandschaften nach Ausbeutung eines Tagebaus oder die Verseuchung der Landschaft und des Trinkwassers durch Erdölbohrungen sind nur einige der fatalen Folgen eines rücksichtslosen Wirtschaftens mit den natürlichen Ressourcen der Erde.

 

Der Rohstoff-Fluch

 

Der gottgegebene Reichtum an natürlichen Ressourcen wurde lange Zeit gleichgesetzt mit einer Garantie für Wohlstand und positive Entwicklung für die Einwohner der entsprechenden rohstoffreichen Länder. Diese Gleichung un dieser starke Zusammenhang wurde insbesondere für Länder mit umfangreichen Erdölvorkommen als Tatsache von der Wissenschaft  und der Gesellschaft akzeptiert.

 

Allerdings kam in den 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts allmählich eine andere Sichtweise auf: Der Begriff des »Rohstoff-Fluchs« machte die Runde. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass viele Länder, die mit Bodenschätzen reich gesegnet scheinen, eher einem Fluch als einem Rohstoffsegen unterliegen. In etlichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass zwischen Rohstoffreichtum und einem im Vergleich zu rohstoffimportierenden Ländern relativ geringen Wirtschaftswachstum ein enger Zusammenhalt besteht. Der Begriff Rohstoff-Fluch (resource curse) kam dann Anfang der 1990er Jahre erstmals auf um damit auszudrücken, warum rohstoffreiche Länder trotz der eigentlich guten Voraussetzungen oftmals nicht in der Lage sind, ihren natürlichen Reichtum besser für wirtschaftlichen Fortschritt und finanziellen Aufstieg zu nutzen. Der Rohstoff-Fluch lässt sich dann daran erkennen, dass Diktatur und politische Instabilität, Korruption, schlechte und vernachlässigte Bildung, Elitenbildung, übermäßige Umweltzerstörung und natürlich ganz besonders extreme Armut großer Teile der Bevölkerung an der Tagesordnung der an natürlichen Ressourcen so reichen Länder sind.

 

Der starke Gegensatz sowie die unterschiedlichen Interessenlagen von rohstoffexportierenden und rohstoffimportierenden Ländern, die sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts herausgebildet haben und zukünftig vermutlich noch größer werden, haben das Thema Rohstoffe im allgemeinen und insbesondere den Rohstoffhandel zum Gegenstand nationaler und internationaler politischer Interessen werden lassen. Jedes Land hat dabei seine grundeigenen Vorstellungen und Bedürfnisse. Die Erzeuger sind darauf bedacht, möglichst hohe Preise für ihre Rohstoffe zu erzielen, die Verbraucherländer wollen dahingegen die begehrten Commodities möglichst preiswert und im ausreichenden Umfang einkaufen, um den Bedarf der heimischen Wirtschaft und der Bevölkerung decken zu können. Diese Interessenkonflikte führten dazu, dass bereits frühzeitig die politischen Weichen für eine weitgehend friedliche Klärung der weltpolitischen Gegensätze gestellt wurden.

 

So sind die Grundzüge einer internationalen Rohstoffpolitik bereits im Jahr 1927 auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genf festgelegt worden. Es wurden seither in etlichen bilateralen oder internationalen Vereinbarungen und Verträgen versucht, die aus gegensätzlichen privatwirtschaftlichen und/oder nationalen Interessen entstehenden Handelskonflikte zu begegnen. Solche Konflikte flammen immer mal wieder besonders zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern auf, so dass die Notwendigkeit globaler Übereinkommen, die versuchen, den steigenden Rohstoffbedarf einerseits und den Umweltschutz sowie die weitgehende Ressourcenschonung andererseits, politisch nicht in Frage gestellt wird.

 

Diese Bestrebungen führten zur Gründung einer Reihe von Organisationen wie z.B. der UNCTAD, der United Nations Conference on Trade and Development, die die Interessen der oft rohstoffreichen Entwicklungsländer auf dem internationalen Parkett vertritt.

 

Energieverknappung

 

Aber auch die in den westlichen Industrieländern so gefürchtete OPEC, die Organization of Petroleum Exporting Countries, die Interessenvertretung der wichtigsten erdölproduzierenden Länder, gehört zu diesen Organisationen. Die Mitgliedsländer der OPEC sind aktuell für rund 40 Prozent der laufenden weltweiten Erdölförderung verantwortlich. Zudem lagern mehr als drei Viertel der bekannten globalen Erdölreserven im Boden der OPEC-Mitglieder. Ziel der regelmäßigen OPEC-Konferenzen ist es, einen stabilen und ausreichend versorgten Ölmarkt sicherzustellen und gleichzeitig die Gewinne aus den Ölexporten zu sichern. Der Ölpreis soll durch künstliche Verknappung oder Steigerung der Ölförderung angehoben, stabilisiert oder gedrückt werden, so dass sich der Preis innerhalb eines festgelegten Zielpreiskorridors bewegt.

 

Ob jedoch alle diese Organisationen und Verträge - langfristig gesehen - ausreichend und erfolgreich genug sein werden um verhindern zu können, dass keine militärischen Auseinandersetzungen um die wichtigen natürlichen Ressourcen unseres Erdballs entfachen, darüber besteht keineswegs Einigkeit. Es wird sogar bereits schon von einem »neuen Kalten Krieg« gesprochen, der durch den Kampf um die knappen Ressourcen ausgebrochen ist.

 

Werden zukünftig vielleicht tatsächlich Kämpfe um Öl oder Gas geführt werden? Oder werden angesichts der aufgrund des Klimawandels und der immensen Verschwendung der Wohlstandsgesellschaften immer akuter werdenden Knappheit von Trinkwasser riesige Völkerwanderungen in Gang gesetzt, die schlussendlich zu Gewalt und Bürgerkrieg in den Ländern mit großen Trinkwasservorräten führen? Angesichts der vielen Milliarden Dollar, die einerseits im weltweiten Rohstoffhandel im Spiel sind und der Not in vielen Teilen der Welt auf der anderen Seite, kein gänzlich unwahrscheinliches und von der Hand zu weisendes Szenario!

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