Dax 11166.5 -0.33%
MDax 21736.0 0.06%
TecDax 1757.0 0.03%
BCDI 133.37 0.00%
Dow Jones 19756.85 0.72%
Nasdaq 4894.66 0.78%
EuroStoxx 3214.5 0.08%
Bund-Future 161.54 0.08%

Rohstoffmärkte sind Terminmärkte

Jetzt kaufen, später bezahlen - Rohstoffmärkte sind Terminmärkte

 

Bereits seit vielen Jahrzehnten werden Rohstoffe nicht nur physikalisch für den sofortigen Verbrauch oder zur Einlagerung gekauft. Vielmehr sind bereits aus den Bedürfnissen der frühen Marktteilnehmer heraus Handelsinstrumente geschaffen worden, um die Commodities nicht nur sofort physisch kaufen oder verkaufen zu müssen, sondern auch entsprechende Geschäfte auf Termin zu tätigen. Wir erinnern uns:

 

Sowohl Käufer als auch Verkäufer eines Rohstoffes können zwecks des Erhaltes einer zukünftigen Planungssicherheit zukünftige Geschäfte abschließen wollen, um sich bereits heute einen Preis für eine zukünftige Lieferung oder Abnahme eines Rohstoffes zu sichern.

 

Neben dem sofortigen Verkauf an den sogenannten Spot-Märkten können sich Anbieter und Verbraucher von Rohstoffen durch den Abschluss von standardisierten Rohstoff-Futures an einer der vorgestellten Warenterminbörsen zukünftige Preissicherheit »einkaufen«.

 

Schauen wir uns noch einmal kurz an, was sich hinter einem solchen Futureskontrakt verbirgt:

 

Ein Futureskontrakt repräsentiert die Verpflichtung des Verkäufer zur Lieferung bzw. die Abnahmeverpflichtung des Käufers bezüglich

  • eines genau bestimmten Vertragsgegenstandes 
  • in einer bestimmten Menge und Qualität
  • zu einem fixen Zeitpunkt in der Zukunft (Termin) 
  • zu einem festen, bereits bei Vertragsabschluss festgelegten Preis.

Als Geschäftspartner in den einzelnen Futures-Transaktionen tritt jeweils die Terminbörse auf, an der der Kontrakt abgeschlossen wurde. Dieses Prinzip der »Zentralen Gegenpartei« und den wirtschaftlichen Hintergrund (Ausschaltung von Kreditrisiken beim Terminhandel) haben Sie bereits im Bereich »Grundlagen« im Artikel über die Warenterminbörsen kennen gelernt. Dadurch, dass beim Kauf oder Verkauf der Kontrakte der Geschäftspartner – eben die jeweilige Börse - als solvent und zuverlässig bekannt ist, kann die Überprüfung der wirtschaftlichen Stärke des Gegenübers entfallen. Ein Investor kann sich sicher sein, dass seine Ansprüche aus den gehandelten Verträgen jederzeit erfüllt werden.

 

Die von der jeweiligen Warenterminbörse festgesetzte Standardisierung der Kontrakte umfasst dabei die exakte Terminierung der Lieferung und die Festlegung des Lieferortes, die genaue Vorgabe der zu liefernden Menge und vor allem auch eine detaillierte Qualitätsspezifizierung des zu liefernden Gutes. Dieser letzte Punkt ist beispielsweise bei Energierohstoffen von besonderer Bedeutung, denn je nach Art der genauen chemischen Beschaffenheit können diese Rohstoffe mehr oder weniger gut für die Weiterverarbeitung oder für den Endverbrauch geeignet sein.

 

Üblich ist es, dass bei Futures auf solche qualitätssensiblen Rohstoffe, neben der Festlegung der zur Erfüllung der Lieferverpflichtung notwendigen Qualitätsmerkmale gewisse Bandbreiten angegeben werden, innerhalb derer Abweichungen von der definierten Qualität zugelassen werden. Meist sind bei diesen mit Qualitätsbandbreiten versehenen Futures gleich die Preisabschläge festgelegt, mit denen die Normabweichungen bestraft werden. Dies soll den Käufer davor schützen, für schlechtere Qualität einen ungerechtfertigt hohen Preis zu bezahlen.

 

Beachtenswert sind auch die je nach Rohstoffart unterschiedlichen Fälligkeits- und somit Liefertermine. Hier orientieren sich die möglichen Termine an den Besonderheiten und Restriktionen der einzelnen Rohstoffarten. Während für Energierohstoffe wie Rohöl oder Erdgas für jeden Kalendermonat ein Liefertermin vorgesehen ist, kann beispielsweise Baumwolle aufgrund der Erntegegebenheiten nur in fünf Monaten eines Jahres per Baumwoll-Futures gehandelt werden. Auf der folgenden Seite finden Sie eine Übersicht über verschiedene börsengehandelte Futures zu diversen Rohstoffen und deren unterschiedlichen Liefer- bzw. Rollmonate.

 

Übersicht Rohstoff-Futures mit Liefermonaten und Art der Notierung

     

Rohstoff

Terminbörse Rollmonate  Preisnotierung 
   Industriemetalle   
Aluminium  LME JFMAMJJASOND $/Mtons.
Zink LME JFMAMJJASOND $/Mtons.
Nickel  LME JFMAMJJASOND $/Mtons.
Blei LME JFMAMJJASOND $/Mtons.
Kupfer LME JFMAMJJASOND $/Mtons.
   Edelmetalle   
Gold COMEX -F-A-J-A---D $/troy ounce
Silber COMEX --M-M-J-S--D $/troy ounce
   Vieh   
Lebendrind CME -F-A-J-A-O-D $cent/lbs.
Mastrind CME J-MAM--ASON - $cent/lbs.
Mageres Schwein CME -F-A-J J-O-D $cent/lbs.
   Agrarrohstoffe   
Mais CBOT --M-M-J-S--D $cent/bushel
Sojabohnen CBOT J-M-M-J---N- $cent/bushel
Chicago-Weizen CBOT --M-M-J-S--D $cent/bushel
Kansas-Weizen KCBT --M-M-J-S--D $cent/bushel
Kaffee NYBOT --M-M-J-S--D $cent/lbs.
Kakao NYBOT --M-M-J-S--D $/Mtons.
Zucker NYBOT --M-M-J--O-- $cent/lbs.
Baumwolle NYBOT --M-M-J--O-D $cent/lbs.
   Nicht-Energierohstoffe   
WTI-Rohöl NYMEX JFMAMJJASOND $/bbl.
Heizöl NYMEX JFMAMJJASOND $cent/gal.
Bleifreies Benzin NYMEX JFMAMJJASOND $cent/gal.
Ergas

NYMEX

JFMAMJJASOND $/MMBtu.
Brent-Rohöl ICE JFMAMJJASOND $/bbl.
Gasöl ICE JFMAMJJASOND $/Mtons.

© Quelle: Goldman Sachs
 

 

Futuresgeschäfte stellen heute die Hauptform im börslichen Terminhandel mit Rohstoffen dar. Daneben existieren jedoch noch weitere Möglichkeiten, um Commodities per Termin handeln zu können. Auch hier haben sie bereits schon einige kennen gelernt:

  • Rohstoff-Swaps
  • börsliche und ausserbörsliche Optionsgeschäfte auf Rohstoffe
  • ausserbörsliche Forwardgeschäfte auf Rohstoffe

Neben Produzenten, Zwischenhändlern und Verbrauchern, die ein echtes Interesse an den zugrundliegenden Rohstoffen haben und diese in der Regel nach Ablauf der Laufzeit des Termingeschäftes in physischer Form liefern möchten oder für die Produktion oder den Verbrauch benötigen, tummeln sich bekannterweise noch weitere Akteure auf den Warenmärkten, die eine solche Intention nicht haben. Die Sprache ist von Arbitrageuren, Swap-Händlern und kleinen oder auch größeren Spekulanten.

 

Spotmärkte uninteressant für Spekulanten

 

Für all diese zuletzt genannten Protagonisten am Rohstoffmarkt sind die Spotmärkte in keinster Form von Interesse, denn auf diesem müssen die gehandelten Rohstoffe innerhalb weniger Tage tatsächlich geliefert oder abgenommen werden. Welcher Investor hat jedoch die geeigneten Lagerkapazitäten, um eben mal schnell mehrere hunderttausend Liter Öl einzulagern oder sein Kühlhaus mit Hunderten von Rinderhälften zu bestücken. Zudem sorgen die immensen Transportkosten sowie die Verderblichkeit vieler landwirtschaftlicher Produkte dafür, dass an den Rohstoff-Spotmärkten Produzenten und Verbraucher in aller Regel unter sich bleiben. Der direkte Erwerb von Rohstoffen ist also eine komplizierte, aufwendige und letztendlich nicht wirtschaftlich durchführbare Angelegenheit.

 

Futureshandel interessant für Kleinanleger

 

Da alle diese Probleme am Terminmarkt umgangen werden können, stellt insbesondere der Futureshandel für Kleinanleger wie Sie und mich die ideale »Spielwiese« für Rohstoffinvestments dar! Dies gilt für alle Investoren, die nicht am physischen Erwerb oder Verkauf von Rohstoffen interessiert sind, so dass im Gegensatz zum Spotmarkt am Futuresmarkt alle bereits vorgestellten Marktteilnehmer anzutreffen sind. Mit einer kleinen Einschränkung: Arbitrageure nutzen Preisungleichgewichte zwischen Spot- und Terminmärkten, so dass sie an beiden Märkten aktiv werden müssen.

 

Bei Edelmetallen wie Gold, Platin oder Silber fallen die oben genannten praktischen Probleme weniger ins Gewicht, will heißen, bei diesen Rohstoffen sind die Transport- und Lagerkosten relativ überschaubar. Sie stellen somit eine gewisse Ausnahme von der Regel dar, dass Commodity-Investments für Privatanleger ausschließlich über die Futuresmärkte sinnvoll sind. Dem trägt auch die Tatsache Rechnung, dass es eine große Anzahl von unterschiedlichen Möglichkeiten gibt, diese Metalle auch in kleinen Mengen physisch zu erwerben: Barren, Münzen oder Medaillen kommen hier grundsätzlich in Frage. In solchen Fällen kann es dann durchaus interessant sein, am Spotmarkt aktiv zu werden und sich die Rohstoffe in den heimischen Tresor zu legen.

 

Doch wo Licht ist, da ist bekanntlich meist auch Schatten! Der Handel über Futures birgt neben den genannten Vorteilen einen gewichtigen Nachteil in sich:

 

Futureskontrakte haben eine begrenzte Laufzeit! Bei Fälligkeit müssen die abgeschlossenen Verträge unbedingt und effektiv erfüllt werden, das bedeutet, dass der zugrundeliegende Rohstoff gegen Bezahlung des entsprechenden Gegenwertes geliefert werden muss.

 

Da ist es also wieder, das Problem der tatsächlichen Belieferung mit Rohstoffen, die ein Commodity-Investor in den allermeisten Fällen doch unbedingt vermeiden will! Doch hier lässt sich Abhilfe schaffen.

 

Um die physische Lieferung bei Fälligkeit zu umgehen, muss ein Futures-Investor vor Auslaufen eines Kontraktes die von ihm gehaltene Position »glattstellen«, also auflösen. Hat er Rohstofffutures gekauft, so muss er diese rechtzeitig verkaufen, hat er eine Shortposition inne, so muss er sich vor Laufzeitende mit demselben Kontrakt eindecken, also kaufen.

 

Doch was ist zu tun, wenn ein Investor eine Rohstoffposition nicht nur einige Wochen oder Monate halten will, sondern dauerhaft oder zumindest eine längere Zeit in einem Rohstoff investiert bleiben möchte?

 

Um eine längerfristige Positionierung in einem Rohstoff am Futuresmarkt darstellen zu können, muss ein Investor sein Investment »rollen«. Das bedeutet, er muss den auslaufenden Futureskontrakt wie oben beschrieben glattstellen und gleichzeitig eine neue Position in einem Future mit einer längeren Laufzeit eingehen. Der durch die Glattstellung des auslaufenden Futureskontraktes erzielte Verkaufserlös wird also unmittelbar in einen Future mit längerer Laufzeit investiert, was eine Verhinderung der effektiven Lieferung zur Folge hat.

 

Da diejenigen Futureskontrakte mit kurzen (Rest)laufzeiten in der Regel am meisten gehandelt werden und somit die Liquidität dieser Kontrakte im Vergleich mit länger laufenden Futures größer ist, rollen die meisten Investoren ihre auslaufenden Positionen in einen solchen kurzlaufenden, meist sogar den nächstfälligen Kontrakt. Dies ermöglicht im Notfall eine schnellere und meist auch marktgerechtere Auflösung einer gehaltenen Position. Bei extrem langlaufenden Kontrakten, die nur sehr selten gehandelt werden, kann es unter Umständen auch einmal nicht möglich sein, zu einem vernünftigen Preis eine Position glattzustellen.

 

So weit, so gut, doch es wäre leider zu kurz gedacht, wenn man diese Strategie des »Rollens« ohne zusätzliche Besonderheiten und Fallstricke dauerhaft durchführen könnte und dadurch permanent ein »Rohstoffinvestment ohne Rohstoffe« zu halten. Hier kommen wieder zwei Besonderheiten ins Spiel, deren Verständnis elementar wichtig ist, um erfolgreich an den Commodity-Märkten investieren zu können:

 

»Backwardation«  und »Contango« heißen die beiden Zauberworte in diesem Zusammenhang!

Grundlagen

Globale Rohstoffmärkte

Besonderheiten des Rohstoffhandels

Rohstoffindizes im Überblick

Rohstoffinvestment - auch für Privatanleger?

Passive Rohstoffstrategien

Produkte auf Einzelrohstoffe

Einfache Handelsstrategien mit CoT-Reports

Wo Sie mehr Rohstoff-Informationen finden