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Terminkurven

Einmal Contango, immer Contango? – wie stabil ist die Terminkurve im Zeitablauf?

 

Kann man als Marktteilnehmer nun davon ausgehen, dass sich ein Rohstoff dauerhaft in Contango oder in Backwardation befindet oder können keine allgemeingültigen Aussagen über die Beständigkeit dieser beiden möglichen Formen der Terminkurve gemacht werden?

 

Eine gute Frage, die sich zwar relativ leicht beantworten lässt, wohingegen die Antwort und die daraus abgeleiteten Erkenntnisse jedoch leider überhaupt nicht dazu beitragen, den Umgang mit den beiden ungleichen Geschwistern Backwardation und Contango einfacher zu gestalten.

 

Bei der Vorstellung der beiden Terminkurvenformen wurde die Antwort auf diese wichtige Frage bereits teilweise selbst schon gegeben: Es gibt im Laufe der Zeit immer wieder Situationen, in denen die Gründe für eine ansteigende Terminkurve überwiegen und dann wieder sprechen die Umstände dafür, einen Markt in Backwardation zu schicken.

 

Für einen Rohstoff kann deshalb nicht verallgemeinert werden, dass er »entweder - oder« notiert, sondern besser zutreffend ist die Aussage dass er »sowohl-als-auch« notieren kann! Vor allem unerwartete Angebots- oder Nachfrageveränderungen können sehr schnell dazu führen, dass aus einem Backwardation- ein Contango-Markt wird oder umgekehrt.

 

Hinzu kommt, dass bei ein und demselben Rohstoff beide Konstellationen zeitgleich auftreten können. So kann es durchaus sein, dass am kurzen Ende der Terminkurve eine Contango-Situation anzutreffen ist, die im weiteren Verlauf mit fortschreitender Fälligkeit in Backwardation übergeht. Oder eine anfängliche Backwardation-Situation wird mit zunehmender Laufzeit langsam wieder zu einem Contango. Oder aber es kommen sogar saisonale Aspekte ins Spiel, die ein wiederkehrendes Muster in die Terminkurve bringen.

Da die Form der Terminkurve einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Investitions- und Renditeaussichten von Rohstoffinvestments haben, schauen wir uns deshalb noch in grafischer Aufbereitung einige besondere Formen dieser für die Rohstoffmarktteilnehmer äußerst wichtigen Marktgegebenheiten etwas genauer an.

 

Beginnen wir mit zwei einfachen saisonalen Kurvenphänomen, die die Form der Terminkurven von Benzin und Erdgas maßgeblich bestimmen: die jährlich wiederkehrende »Driving Season« und der unausweichlich anstehende Winter.

 

Saisonale Schwankungen (Januar 2010)

 

Terminkurve für Benzin

 

Grafik

 

  

Terminkurve für Erdgas  

 

Grafik 

 

Erkennen Sie die immer wiederkehrenden Muster in den beiden Kurven? Benzin etwa befindet sich grundsätzlich in einer Contango-Situation, der allgemeine Trend ist also mit zunehmender Fälligkeit aufwärts gerichtet. Jedoch kommt es innerhalb dieses Contagos regelmäßig für die Fälligkeiten im Herbst eines Jahres zu einem regelrechten Einbruch am Markt, der für die Folgefutures zu einer leichten Backwardation führt und der erst im März des jeweiligen Folgejahres durch einen Preissprung nach oben wieder ausgebügelt wird.

 

Die Erklärung: Im Frühjahr beginnt wieder die im Amerikanischen mit »Driving Season« betitelte Zeit, in der die Autofahrer wieder öfters ihr Fahrzeug für längere Urlaubs- oder Ausflugsfahrten nutzen und dadurch die Nachfrage nach Benzin stark anzieht. Die Benzinhändler kennen dieses Nachfrageplus natürlich seit langem und so wundert es nicht, dass dieser regelmäßig ansteigende Benzinhunger am Terminmarkt seinen Niederschlag findet. Aber nicht nur dort: Auch der normale Autofahrer kann den Beginn der Driving Season regelmäßig am eigenen Leib erleben, denn regelmäßig zu Ferienbeginn werden die Preise an den Zapfsäulen mit schöner Regelmäßigkeit nach oben angepasst.

 

Bei Erdgas zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Hier kommt es aufgrund des erhöhten Gasbedarfs in der kalten Jahreszeit für alle Winterfälligkeiten zu starken Preissprüngen nach oben, die regelmäßig nach Ende der Heizperiode wieder nach unten korrigiert werden. Dabei werden jedoch nicht mehr die niedrigeren Vorwinterniveaus erreicht, der Markt befindet sich insgesamt ebenfalls in einer Contangosituation.

 

Dieses als »Saisonalität« bekannte Kursverlaufsmuster mit seinen regelmäßig wiederkehrenden Preisspitzen und Preistälern sollte jedem Akteur auf den entsprechenden Rohstoffmärkten geläufig sein, denn ansonsten kann er die auf den ersten Blick unlogischen und willkürlichen Bewegungen der Preise nur schwer nachvollziehen und wird gegebenenfalls mit seinen Investments auf dem falschen Fuß erwischt werden. Im Internet gibt es eine Reihe von Anbietern, bei denen Sie sich die aktuellen Terminkurven kostenlos besorgen können.

 

Die Saisonalität am Spotmarkt

 

Doch nicht nur am Futuresmarkt ist es interessant und wichtig zu wissen , wie die saisonalen Besonderheiten eines Rohstoffes aussehen, auch die im Jahresverlauf zu beobachtenden Bewegungen am Spotmarkt sagen eine Menge über die mögliche zukünftige Preisentwicklung aufgrund zeitlicher Effekte aus.

 

In Kombination mit den Beobachtungen der Preissaisonalität am Terminmarkt können die Spot-Daten für ein besseres Timing bei Investmententscheidungen sorgen. Die Saisonalität stellt somit quasi einen technischen Timing-Signalgeber dar, der meist einen gut erklärbaren und fundamentalen Hintergrund hat.

 

Ein Allheilmittel für einfachen Erfolg am Rohstoffmarkt sind die Spotmärkte jedoch keineswegs, denn neben den bereits im »normalen« jährlichen Verlaufsmuster eines Rohstoffpreises vom Markt eingepreisten kurstreibenden Faktoren gibt es noch eine Vielzahl weiter Ereignisse, die zu starken Abweichungen vom durchschnittlichen Verlauf eines Commodity-Preises führen können.

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