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17:09 20.07.12

dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 20.07.2012 - 17.00 Uhr

Europa rettet Spanien im Eilverfahren - 100 Milliarden für Banken

BRÜSSEL - Rettung im Eilverfahren: Die krisengeschüttelten Banken Spaniens bekommen europäische Finanzspritzen von bis zu 100 Milliarden Euro. Das beschlossen die obersten Kassenhüter der Eurozone am Freitag einstimmig in einer Telefonkonferenz. Der Deutsche Bundestag hatte das Hilfsprogramm bereits am Donnerstag gebilligt.

Spanien-Hilfe: Unruhe nach Warnung Schäubles vor Ansteckungsgefahr

BERLIN - Nach der nervösen Reaktion der Finanzmärkte auf die Äußerungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble zur Spanien-Hilfe hat die Bundesregierung versucht, Irritationen auszuräumen. Regierungssprecher Steffen Seibert versicherte am Freitag, Schäubles Warnung vor den Ansteckungsgefahren der spanischen Bankenkrise habe sich nicht auf andere europäische Länder, sondern allein auf die Risiken für den spanischen Staat bezogen. "Wir spekulieren nicht und sprechen nicht schlecht über andere europäische Staaten."

Monti treibt Parlament zu zügigen Reformen gegen die Krise an

ROM - Italiens Regierungschef Mario Monti treibt das Parlament des unter dem Druck der Finanzmärkte stehenden Landes zur zügigen Verabschiedung von Reformen an. Es sei wichtig, dass sich die politischen Kräfte bei den notwendigen Reformgesetzen verständigten, damit sich in Italien und im Ausland Vertrauen aufbaue, sagte Monti am Freitag in Rom. Er verwies nachdrücklich darauf, dass seine nicht gewählte, sondern eingesetzte Technokratenregierung nur bis zum Frühjahr 2013 im Amt sei. Damit bleibt dem früheren EU-Kommissar nicht mehr viel Zeit, das hoch verschuldete Land zu reformieren.

Wirtschaftsweise Buch Spitzenkandidatin für IWH-Spitze

HALLE/FRANKFURT - Die Wirtschaftsweise Claudia Buch ist Spitzenkandidatin für das Präsidentenamt des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Darauf haben sich die Berufungskommissionen des IWH und der Universität Magdeburg geeinigt. "Das ist richtig", sagte eine Sprecherin des Instituts am Freitag und bestätigte entsprechende Informationen vom "Handelsblatt" (Montagausgabe). Buch, 1966 geboren, gehört seit März dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, den sogenannten Wirtschaftsweisen, an. Die Volkswirtin und Finanzexpertin ist Professorin an der Universität Tübingen.

Bundesregierung erwartet moderaten Konjunkturverlauf

BERLIN - Die Bundesregierung geht im laufenden Jahr weiterhin von einer moderaten Entwicklung des Wirtschaftswachstums aus. Die teilte das Finanzministerium am Freitag in seinem Monatsbericht mit. Allerdings erschwerten die Unsicherheiten der Schuldenkrise im Euroraum "eine verlässliche Einschätzung der konjunkturellen Grunddynamik in der deutschen Volkswirtschaft". Die Erwartungen von Bundesregierung und Experten liegt bei einem Prozent Wachstum.

Spanien: Risikoaufschlag für Staatsanleihen auf Rekordhoch

MADRID/ROM/FRANKFURT - An den Anleihemärkten Spaniens und Italiens hat sich die Lage vor dem Wochenende wieder zugespitzt. In Spanien stieg der Risikoaufschlag für heimische Staatsanleihen zu deutschen Papieren mit zehnjähriger Laufzeit auf einen neuen Rekordwert. Auch in Italien legte der Aufschlag zu, er liegt jedoch deutlich unter dem Höchststand vom Herbst 2011. In beiden Ländern kletterten die Renditen für Schuldtitel: In Spanien liegt die Zehnjahresrendite wieder über der kritischen Schwelle von sieben Prozent, in Italien über sechs Prozent.

Citi-Europa-Chefvolkswirt erwartet Verschärfung der Euro-Schuldenkrise

FRANKFURT - Die Citigroup erwartet eine weitere Verschärfung der Schuldenkrise in der Eurozone. "Griechenland wird wahrscheinlich schon in den nächsten Monaten aus dem Währungsraum ausscheiden", sagte Europa-Chefvolkswirt Jürgen Michels am Freitag in Frankfurt. Auch die beiden großen Krisenländer der Eurozone dürften Hilfe aus den Euro-Rettungsmechanismen EFSF oder ESM in Anspruch nehmen. Die durch diese Entwicklung verursachte Verunsicherung dürfte zu zwei Jahren Rezession in in der Eurozone führen.

Finnisches Parlament stimmt Spanien-Hilfe zu

HELSINKI - Einen Tag nach dem Bundestag hat auch Finnlands Parlament der geplanten EU-Hilfe für Spaniens angeschlagene Banken zugestimmt. Im Reichstag in Helsinki stimmten am Freitag 109 Abgeordnete für und 73 gegen die von Ministerpräsident Jyrki Katainen empfohlene Vorlage. Vorausgegangen war eine heftige Debatte des eigens aus den Sommerferien zurückgeholten Parlamentes bis in die Nacht.

Französische Abgeordnete stimmen Nachtragshaushalt zu

PARIS - Die französische Nationalversammlung hat in der Nacht zum Freitag dem Nachtragshaushalt der neuen sozialistischen Regierung zugestimmt. Das Reformpaket soll unter anderem über Steuererhöhungen für Spitzenverdiener und Großunternehmen 7,2 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen spülen. Allein von einer Sonderabgabe zur Vermögenssteuer ISF erhofft sich die Regierung bis Jahresende 2,3 Milliarden Euro. Auf Mineralölunternehmen und Finanzinstitute warten Zusatzbelastungen in Höhe von jeweils 550 Millionen Euro.

Wirtschaftsweiser warnt vor weiteren Sparprogrammen in Europa

BERLIN - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat vor zu starken Sparvorgaben in der Euro-Schuldenkrise gewarnt, weil das der Konjunktur schade. "Das Gebot der Stunde lautet: Keine weiteren Sparprogramme im Euro-Raum", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Freitag). "Es dürfen keine zusätzlichen Sparprogramme aufgelegt werden, bis die Konjunktur wieder Tritt gefasst hat und positive Wachstumsraten erzielt werden. Die Defizitreduktion dauert dann länger. Das ist in Kauf zu nehmen", meinte Bofinger, der Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung ist. /rob/jsl



Quelle: dpa

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