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15:07 08.08.12

Börse Frankfurt-News: Endlich Nägel mit Köpfen (Währungen)

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 8. August 2012. Die Hoffnung auf eine Rettung des Patienten Euro sind gestiegen. Dazu beigetragen hat vor allem die Ankündigung der EZB, gegebenenfalls den Notarzt zu spielen.

Die Aussagen von EZB-Chef Draghi, alles Erforderliche für den Fortbestand des Euro tun zu wollen, hat nicht nur die Aktienmärkte beflügelt: Auch der Euro zeigt seitdem wieder vermehrt Lebenszeichen, die Zeit der Rekordstände vieler Währungen gegenüber dem Euro scheint beendet. Nach dem Fall auf ein Zweijahrestief bei 1,2089 US-Dollar am 24. Juli stabilisierte sich die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei 1,2350 US-Dollar. Vor gut einem Jahr wechselte der Euro allerdings noch zu 1,48 US-Dollar den Besitzer.

Ob der Euro nun über den Berg ist oder weiteres Ungemach droht - darüber sind sich Devisenexperten uneins. Doch ist die Zuversicht in den vergangenen Wochen gestiegen. Etwa geht Kathrin Clasen von der HSH Nordbank davon aus, dass es zu einer weiteren Beruhigung in der Schuldenkrise kommen und der Eurokurs weiter steigen wird. "Die Äußerungen Draghis, die auch von politischer Seite Unterstützung fanden, haben die Märkte besänftigt. Auch kamen zuletzt bessere Nachrichten aus Griechenland", argumentiert die Analystin. Die Chancen auf eine Auszahlung der nächsten Hilfstranche für Athen seien gewachsen. "Das Augenmerkt wird dann wieder mehr in Richtung USA und der Schwächen dort gehen." Ende des Jahres sieht die Bank den Euro bei 1,30 US-Dollar.

Auch die USA kränkeln

"Sollten dank EZB und Rettungsfonds die Risikoaufschläge zurückgehen, dürfte sich der Euro erholen", meint auch Christian Apelt von der Helaba. Die US-Wirtschaft laufe ebenfalls nicht rund, so dass die Wahrscheinlichkeit eines neuen Wertpapierkaufprogramms seitens der US-Notenbank gewachsen sei. "Im Gegensatz zur EZB sollten Fed-Käufe die eigene Währung im derzeitigen Umfeld schwächen." Per Ende 2012 prognostiziert die Bank einen Eurokurs von 1,35, Mitte 2013 von 1,40 US-Dollar.

Für Antje Praefke von der Commerzbank mutiert die Währungsunion allerdings immer mehr zu einer Haftungsunion - für sie kein gutes Zeichen. "Damit verliert der Euro zunehmend an Attraktivität." Einen Absturz erwartet die Analystin aber nicht. "Dagegen spricht erstens, dass die Aktionen der EZB und des EFSF/ESM die Märkte etwas beruhigen dürften und dass zweitens eine weitere Lockerung der Geldpolitik in den USA noch nicht vom Tisch ist." Nichts desto trotz hat die Bank ihre Wechselkursprognose für das Währungspaar nach unten angepasst und rechnet für Ende dieses Jahres mit 1,20 US-Dollar je Euro, für Ende 2013 sogar nur noch mit 1,13 US-Dollar.

Pfund überteuert

Zwar lassen die Briten zumindest bei der Olympiade andere europäische Länder weit hinter sich, die Inselwährung hat aber in den vergangenen Wochen an Wert verloren. Seit dem Fall auf 0,7765 Pfund zum Euro im Juli, dem tiefsten Stand seit fast vier Jahren, konnte sich der Euro berappeln, heute müssen wieder 0,7937 Pfund gezahlt werden. Bei Währungsexperten hatte die Stärke des Pfunds ohnehin schon eine Weile für Kopfschütteln gesorgt: "Weder das geldpolitische Umfeld noch die wirtschaftliche Entwicklung haben das gerechtfertigt", kommentiert Clasen.

"Die britische Wirtschaft befindet sich in einer Rezession und dürfte auch im Gesamtjahr 2012 schrumpfen", bemerkt Apelt. Die Frühindikatoren fielen weiter, zudem werde die Bank of England ihr Kaufprogramm im Herbst wohl noch einmal ausweiten. Sein Fazit: "Mit nachlassenden Euro-Sorgen sollten sich die Probleme der britischen Wirtschaft auf das Pfund auswirken und der Euro-Pfund-Kurs spürbar über 0,80 steigen." Die HSH Nordbank sieht das ähnlich: Ihre Prognose liegt bei 0,81 Pfund zum Jahresende.

Franken: Es bleibt, wie es ist

Dass aufgrund des teuren Franken Touristen der Schweiz fern bleiben und ihr Geld lieber auf Mallorca, Sylt oder Djerba lassen, haben die Eidgenossen in den vergangenen Wochen deutlich zu spüren bekommen. Ohne Währungsgrenze wären die Verluste für den Schweizer Fremdenverkehr aber wohl noch schmerzlicher ausgefallen. Aussichten auf Wegfall oder Änderung der Schwelle gibt es derzeit nicht. "Die Schweizer Notenbank SNB dürfte auch im Juli kräftig interveniert haben, um die Marke von 1,20 zu halten", mutmaßt Apelt, die Devisenreserven befänden sich aber noch nicht auf kritisch hohen Niveaus. Für die SNB gebe es keinen akuten Grund für einen Kurswechsel, zumal sie weiter von der Politik gestützt werde.

Euro auch gegenüber Yen im Aufwind

Während das Währungspaar US-Dollar/Yen seit einigen Wochen um 78 Yen zum Greenback pendelt, hat sich der Euro zum Yen fangen können. Heute geht die Gemeinschaftswährung zu 96,98 Yen über den Tisch, im Juli waren zwischenzeitlich nur noch 94,12 Yen zu zahlen. "Mit nachlassender Risikoaversion sollte der Euro wieder stärker werden", meint Clasen auch hier. Die Bank erwartet für Ende des Jahres einen Kurs von 107 Yen zum Euro sowie 82 zum US-Dollar.

Schwedische Krone Liebling der Anleger

Es gibt viele Währungen, die von der Eurokrise profitieren, als Höhenflieger am Devisenmarkt gilt aber derzeit die schwedische Krone, wie Apelt erklärt. Im Moment werden für einen Euro 8,26 Kronen hingelegt, im Mai waren es noch über 9, Ende 2009 über 10 Kronen. "Das sehr kräftige Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal lässt Schweden als Hort der Glückseligkeit erscheinen", erläutert der Analyst. Auch sei die Inflation moderat, die Staatsfinanzen seien solide. Apelt warnt aber: "Die konjunkturellen Probleme der Eurozone dürften noch Folgen in Schweden haben, eine weitere Zinssenkung der schwedischen Notenbank ist möglich." Als recht illiquide Währung habe sich die Krone in der Vergangenheit nicht als sicherer Anlagehafen bewährt. "Daher dürften sich die Kursgewinne wieder verringern."

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© 8. August 2012/Anna-Maria Borse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



Quelle: dpa