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GESAMT-ROUNDUP: Brexit-Angst drückt Rendite 10-jähriger Bundesanleihe ins Minus

(Neu: Rekordtiefe Renditen in zahlreichen europäischen Ländern. Kursentwicklung am Devisen- und Aktienmarkt.)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Furcht vor dem drohenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union treibt Investoren zunehmend in als sichere Häfen geltende Staatsanleihen. Die Folge: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen in den negativen Bereich gerutscht. Anleger sind mittlerweile bereit, bei deutschen Staatsanleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren quasi eine Gebühr zu bezahlen, statt Zinsen zu kassieren. Die angespannte Lage für Sparer verschärft sich damit weiter.

Am Dienstag waren zehnjährige Bundesanleihen am Markt so stark gefragt, dass der Zinssatz auf minus 0,03 Prozent fiel. Damit werden mittlerweile alle Bundesanleihen bis zu einer Laufzeit von zehn Jahren am Markt mit einer negativen Rendite gehandelt.

BREXIT-FURCHT TREIBT ANLEGER IN SICHERE HÄFEN

Experten erklärten die starke Nachfrage nach Bundesanleihen vor allem mit einer nervösen Stimmung an den Finanzmärkten vor der Abstimmung über einen EU-Austritt Großbritanniens in der kommenden Woche. "Zur jetzigen Bewegung massiv beigetragen haben die sich verstärkten Unsicherheiten um einen möglichen Brexit, die die Investoren in den sicheren Hafen der Bundesanleihen treibt", kommentierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank.

Außer Bundesanleihen sind auch Schweizer Staatsanleihen bei Anlegern als sicherer Hafen gefragt. Hier sank die Rendite bei Papieren mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf ein Rekordtief bei minus 0,54 Prozent. In der Eurozone ist Deutschland bisher das einzige Land mit einer negativen Rendite in der zehnjährigen Laufzeit. Allerdings fielen die Renditen von zahlreichen weiteren europäischen Ländern auf neue Rekordtiefs, darunter die zehnjährigen Papiere aus Österreich und den Niederlanden, die nur knapp über der Nullmarke rentierten.

WEITERE SICHERE HÄFEN AM DEVISENMARKT

Auch in den USA sind die Renditen stark unter Druck. Weitere sichere Häfen sind am Devisenmarkt zu finden, wo der Schweizer Franken, der japanische Yen und auch der US-Dollar zulegte. Zuletzt war auch der Goldpreis deutlich gestiegen. "Risikoaversion und Knappheit sind nach wie vor die zentralen Treiber für die Märkte", sagt Rainer Guntermann, Experte bei der Commerzbank.

Zuletzt hatten Umfrageergebnisse gezeigt, dass die Befürworter eines Brexit mittlerweile in Führung liegen. Außerdem hatte mit der britischen Boulevardzeitung "The Sun" das auflagenstärkste Blatt des Landes zum Austritt aus der Europäischen Union aufgerufen.

EZB-KÄUFE DRÜCKEN EBENFALLS DIE RENDITEN

Neben der Brexit-Furcht sieht Dekabank-Experte Kater auch die ultralockere Geldpolitik führender Notenbanken als Ursache für die große Nachfrage nach den Staatsanleihen. Im Kampf gegen die ungewöhnlich niedrige Inflation versucht die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer immer aggressiveren Geldpolitik entgegenzuwirken.

So pumpt die EZB Monat für Monat Milliarden in den Finanzmarkt, unter anderem über den Kauf von Staatsanleihen. Diese Nachfrage wirkt ebenfalls als Kurstreiber und drückt entsprechend auf die Renditen. "Mit der EZB ist aktuell ein sehr großer Investor mit stetiger Nachfrage im Markt tätig", kommentierte die Deutsche Finanzagentur, die für die Ausgabe von Bundesanleihen zuständig ist.

FISKUS PROFITIERT

Während viele Staatsanleihen ganz oben auf den Kaufzetteln der Anleger stehen, wird das Geld aus eher riskanten Anlagen wie zum Beispiel Aktien abgezogen. An der Frankfurter Börse fiel der Dax am Dienstag um 0,97 Prozent auf 9564,20 Punkte und lag auf dem tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Er baute damit seine Verlustserie im Verlauf einer Woche auf rund sieben Prozent aus. Am Dienstagmorgen hatte es bereits an den asiatischen Börsen Kursverluste gegeben. Zu den großen Verlierern zählte auch das britische Pfund, das im Handel mit dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten rutschte.

Während sich die Lage für Sparer immer weiter verschärft, profitiert der deutsche Fiskus von der Entwicklung am Rentenmarkt. "Aus Sicht des Steuerzahlers sind die niedrigen Renditen sicher erfreulich, da sie die Zinsausgaben im Bundeshaushalt reduzieren", hieß es in der Mitteilung der Deutschen Finanzagentur./jkr/jsl/fbr



Quelle: dpa


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