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12:30 15.02.17

Geändertes Morningstar-Rating: Endlich wird fair gemessen - Fondsnews

Wien (www.fondscheck.de) - "FONDS professionell"-Chefredakteur, Bernd Mikosch, berichtet über die neue Logik des Sterne-Ratings, das aktiv gemanagte Fonds nun nicht mehr benachteiligt.

Am 1. Oktober vergangenen Jahres habe in der Fondswelt eine Ära geendet: Seither lasse das Analysehaus Morningstar für die Berechnung seines Sterne-Ratings den maximalen Ausgabeaufschlag eines Fonds außen vor. Das klinge zunächst nach einer eher unbedeutenden technischen Umstellung, habe aber einen großen Effekt. Denn nun würden aktiv gemanagte Fonds im Vergleich zu Indexfonds nicht mehr systematisch benachteiligt, wie sich im jüngst veröffentlichten Ranking der besten europäischen Asset Manager zeige.

Die ursprüngliche Idee von Morningstar sei richtig gewesen: Das Analysehaus habe möglichst alle Kosten berücksichtigen wollen, die mit der Fondsanlage zusammenhängen würden. Früher hätten Privatanleger einen Fonds nur mit Ausgabeaufschlag zeichnen können, daher sei es gerechtfertigt gewesen, dieses Agio bei der Berechnung des Sterne-Ratings einzubeziehen. Ein Fonds, der maximal 3 Prozent Agio erhebe, habe daher zurecht einen Vorteil im Vergleich zu einem Produkt gehabt, für das vorab bis zu 5 Prozent fällig würden. Selbst wenn sich beide Portfolios völlig identisch entwickelt hätten, habe der günstigere Fonds wegen der niedrigen Einstiegsgebühren aus Sicht des Anlegers besser abgeschnitten - und mitunter einen Stern mehr als der Fonds mit dem höheren Agio erhalten.

Doch die Zeiten, in denen der Ausgabeaufschlag eine so dominierende Rolle im Fondsvertrieb gespielt habe, seien längst vorbei. Viele unabhängige Finanzberater würden komplett auf das Agio verzichten und ihren Anlegern stattdessen eine laufende Servicegebühr in Rechnung stellen. Auch Bankkunden hätten inzwischen Verhandlungsspielraum: Ein aufgeklärter Anleger, der mehr als nur ein paar Hundert Euro investieren möchte, müsse heute nirgendwo mehr 5 Prozent vorab bezahlen. Der jüngste Vorstoß der Commerzbank, bei neuen Depotmodellen auf das Agio zu verzichten, zeige, wohin die Reise gehe. Morningstar habe das zum Glück erkannt - und seine Methodik entsprechend angepasst.

Besonders verzerrend gewirkt habe die alte Morningstar-Logik beim Vergleich von aktiv gemanagten Portfolios mit Indexfonds, die bekanntlich keinen Ausgabeaufschlag verlangen würden. Für ETFs habe Morningstar pauschal 0,2 Prozent Handelskosten veranschlagt. Ein Aktienfonds, für den auf dem Papier 5 Prozent Ausgabeaufschlag anfallen würden, sei also von vornherein mit einem Malus von 4,8 Prozent ins Rennen um die meisten Sterne gestartet.

Welche Auswirkungen das habe haben können, habe im vergangenen Sommer eine Auswertung der Produktpaletten von Europas 20 größten Asset Managern gezeigt. Der Sieger habe Vanguard geheißen. 83 Prozent des Geldes, das dieser Indexfondsanbieter verwaltet habe, seien in Produkten mit vier oder fünf Sternen investiert gewesen. Da habe kein anderes Investmenthaus mithalten können.

Spätestens mit dieser Auswertung hätten sich die denklogischen Schwächen der alten Methodik gezeigt. Ein Indexfonds wolle den Markt abdecken, nicht mehr und nicht weniger. In einer perfekten Welt sollte er deshalb zum Durchschnitt gehören, was bei Morningstar drei Sternen entspreche. Nun sei die Welt bekanntlich nicht perfekt: Es gebe deutlich mehr aktiv gemanagte Fonds, die dem Vergleichsindex hinterherhinken würden, als solche, die ihre Benchmark schlagen würden. Darum könne es schon sein, dass ein Indexfonds mal vier oder fünf Sterne bekomme und damit zu den besten 32,5 Prozent seiner Vergleichsgruppe gehöre. Eine Top-Fonds-Quote von 83 Prozent sei für einen Indexfondsanbieter aber schlicht unrealistisch.

Der jüngsten Morningstar-Auswertung für das letzte Quartal 2016 zufolge lägen nur noch 68 Prozent des Vanguard-Geldes in Vier- oder Fünf-Sterne-Fonds. Das sei ein immer noch überdurchschnittlich gutes Resultat, das kein schmeichelhaftes Licht auf die Anbieter aktiv verwalteter Fonds werfe. Aber es sei ein Ergebnis, das der Realität deutlich näher komme - und das nicht durch die Anrechnung eines fiktiven Agios verzerrt worden sei. (News vom 14.02.2017) (15.02.2017/fc/n/s)



Quelle: ac


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