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16:13 01.06.16

Julius Bär traut Dax & Co wegen 'Brexit'-Angst und Trump kaum weitere Gewinne zu

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die schweizerische Privatbank Julius Bär traut den globalen Aktienmärkten in den kommenden Monaten keine großen Sprünge zu. Nach dem jüngsten Anstieg dürften die Kurse im Sommer eher auf der Stelle treten, sagte Lutz Welge, Leiter Portfolio Management in Deutschland, am Mittwoch in Frankfurt. Als Gründe für die verhaltenen Erwartungen führte der Chefvolkswirt für Deutschland, David Kohl, den möglichen Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union ("Brexit"), steigende Chancen von Donald Trump auf die US-Präsidentschaft und mögliche weitere US-Zinserhöhungen an.

Diese Risiken dürften auch die von Welge bevorzugten europäischen Börsen bremsen, die der Wall Street seit Jahresbeginn hinterher hinken. Für den Dax etwa prognostiziert der Experte eine Entwicklung innerhalb der Handelsspanne seit Jahresbeginn: "Bei 9500/9600 Punkten zeigt sich immer wieder großes Kaufinteresse, aber über 10 700/10 800 Punkten wird es schwierig."

Dennoch rät Welge Anlegern, weiter investiert zu bleiben. Dabei gewinne die Aktienauswahl an Bedeutung. Er empfiehlt "Unternehmen mit überdurchschnittlich starkem strukturellem Wachstum" vor allem aus der Internetbranche. Dazu gehörten Spezialisten für die Verarbeitung großer Datenmengen ("Big Data") und Anbieter internetbasierter Software (Cloud) sowie mobiler Zahlungssysteme. Auch Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich wie der Medizinkonzern Fresenius und der Insulinhersteller Novo Nordisk hätten dank des Trends zur Digitalisierung gute Wachstumsaussichten.

Die Finger lassen sollte man dagegen von Stahl- und Bergbautiteln, die unter Überkapazitäten litten, warnte Welge. Von Aktien aus der Finanz- und Versorgerbranche riet der Experte wegen Belastungen durch staatliche Interventionen und Regulierungsbestimmungen ebenfalls ab.

Die Risiken für die Börsen durch einen "Brexit", einen möglichen US-Präsidenten Trump und steigende Zinsen in den USA überschatteten die verbesserten Wirtschaftsaussichten, betonte Volkswirt Kohl. Dies sei aber nicht das Basisszenario von Julius Bär.

Anders als der Markt, der überwiegend von mindestens einer weiteren US-Zinsanhebung im laufenden Jahr ausgeht, rechnet Kohl eher nicht mit einem einen solchen Schritt. "Eine Erhöhung wird wahrscheinlicher, aber nicht notwendiger", betonte er. Zudem werde die Europäische Zentralbank (EZB) "mit hoher Wahrscheinlichkeit die Märkte weiterhin mit Liquidität versorgen". Eine lockere Geldpolitik von Europas Währungshütern kommt sowohl der Anlageklasse Aktie als auch - über einen schwachen Eurokurs - der hiesigen Exportindustrie zugute.

Das am schwierigsten einzuschätzende Risiko ist laut Kohl ein "Brexit" - er würde aber vor allem vor allem das Britische Pfund belasten. Die Wahrscheinlichkeit eines EU-Austritts Großbritanniens bezifferte er aber - ebenso wie die, dass der nächste US-Präsident Donald Trump heißt - auf lediglich 30 Prozent./gl/edh/he



Quelle: dpa


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