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21:37 20.03.17

OTS: Weser-Kurier / Weser-Kurier: Über den HRE-Prozess schreibt Philipp Jaklin:

Weser-Kurier: Über den HRE-Prozess schreibt Philipp Jaklin: Bremen (ots) - Dramatische Wochen waren es, vor knapp zehn Jahren - als die Finanzkrise weltweit Banken beben ließ und viele Staaten zu milliardenschweren Rettungsaktionen zwang. Prominentestes Opfer in Deutschland war der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) mit seinem als "Gier-Banker" beschimpften Vorstandschef Georg Funke, gegen den jetzt in München der Strafprozess eröffnet wurde. Dass so viel Zeit vergangen ist seit der Zwangsverstaatlichung des Instituts, zeigt, wie verzwickt der Fall ist; und um wie viel es geht. Mit Garantien über mehr als 100 Milliarden Euro haftete der Steuerzahler damals für die Misere der Bank, die Beseitigung der Altlasten könnte Jahrzehnte dauern. Für Funkes Anwalt war am Montag vor Gericht alles ziemlich einfach: Peer Steinbrück sei Schuld gewesen, weil er als Finanzminister im Herbst 2007 vorschnell von einer "geordneten Abwicklung" der HRE gesprochen habe. Funke sieht sich als Opfer eines Komplotts, bei dem auch der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine Rolle gespielt haben soll. Man mag solche Verschwörungstheorien finden, wie man will; im Prozess gegen Funke und den mitangeklagten ehemaligen Finanzchef Markus Fell geht es darum eigentlich gar nicht. Sondern um die Frage, ob die beiden die Bilanzen gefälscht haben. Das aufzuarbeiten stellt die Richter vor eine knifflige Aufgabe. Völlig unklar ist, was dem früheren Management nachzuweisen sein wird. Aber dieser Prozess sollte auch nicht Anlass sein für Häme gegen einen, der als Symbolfigur stellvertretend hinhalten musste für das Versagen einer ganzen Branche. Stattdessen sollte er in Erinnerung rufen, welch enormen volkswirtschaftlichen Schaden waghalsige Geschäfte und die Jagd nach Fantasierenditen damals verursacht haben. Und dass es bedenklich ist, wenn der neue US-Präsident die Institute nun wieder von der Leine lässt und die Bankenregulierung zurückdreht. Gier-Banker wird es immer geben. Dagegen helfen nur klare Verkehrsregeln für die internationale Finanzbranche.

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Quelle: dpa


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