Stuttgart (aktiencheck.de AG) - Die Daimler AG (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) will gegen die ausufernde Masse von Vorschriften für ihre Mitarbeiter vorgehen.
Wir haben uns im vergangenen Jahr auf den Weg gemacht, die Regelwerke zu entschlacken", sagte Christine Hohmann-Dennhardt, Vorstand für Integrität und Recht, der "Financial Times Deutschland" (Dienstag). Zu ihrem Amtsantritt habe sie insgesamt 1.800 bestehende Regeln vorgefunden. "Wir haben die Zahl mittlerweile auf knapp 1.000 verringert. Und wir sind noch längst nicht am Ende."
Regelungswut ist ein ernstes Problem deutscher Konzerne, weil sie Entscheidungen häufig kompliziert und langwierig macht. Zuletzt haben Korruptionsaffären die Situation weiter verschärft: Unternehmen erlassen immer neue Vorschriften aus Angst vor Strafverfolgung - und die Mitarbeiter halten sie penibel ein, um juristisch abgesichert zu sein. In der Folge lähmen sich Konzerne. So entgingen Daimler laut dem Bericht Fahrzeugverkäufe, weil Mitarbeiter vor ihrer Unterschrift Rücksprache mit der Compliance-Abteilung hielten. Bis sie fertig waren, hatten Rivalen den Auftrag erhalten.
Als Ex-Verfassungsrichterin Hohmann-Dennhardt vor einem Jahr bei Daimler begann, fand sie einen Richtliniendschungel vor. So gab es für die Fahrzeugnutzung einander überlappende Vorschriften. Vereinfachen ließ Hohmann-Dennhardt auch ein Sammelsurium an unterschiedlichen Richtlinien für die IT-Sicherheit. "Sicherheitsdenken führt dazu, alles in Regeln gießen zu wollen", sagte sie.
Nach den Vorstellungen der Managerin sollen Beschäftigte eigenverantwortlicher handeln. "Es ist der innere Kompass, den wir stärken wollen." Sie räumte ein, dass ein langer Weg vor ihr liegt: "Das kriegt man nicht auf Knopfdruck hin."
Die Aktie von Daimler notiert aktuell mit einem Minus von 1,50 Prozent bei 44,79 Euro. (07.02.2012/ac/n/d)