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ROUNDUP/Kengeter: Börsenfusion hat wohl erst Anfang 2017 alle Hürden genommen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Börse rechnet frühestens Anfang 2017 mit dem Abschluss ihres Fusionsvorhabens mit der Londoner LSE. Für diesen Juli wird zunächst das Votum der Aktionäre beider Konzerne erwartet, dann müssen noch mehr als 20 Behörden das Vorhaben bewerten. Daher könne man "vor dem ersten Quartal 2017 nicht mit einem Abschluss dieses Fusionsvorschlages rechnen", sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter am Montagabend in Frankfurt. Zuletzt hatten die beiden Börsenbetreiber es für möglich gehalten, das geplante Gemeinschaftsunternehmen schon Ende 2016 aus der Taufe heben zu können, spätestens jedoch Anfang 2017.

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) wollen eine europäische Superbörse schmieden - auch um im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus den USA und Asien Boden gutzumachen. Ein solcher Schritt sei "absolut zwingend", betonte Kengeter. "Wenn wir auf Augenhöhe den globalen Finanzmarkt mitgestalten wollen, müssen wir den Börsenstandort Europa stärken." Es gehe darum, die Vorzüge beider Finanzzentren zu nutzen, um eine "Liquiditätsbrücke" zu bauen. "Wenn wir diese Brücke nicht bauen, werden wir abgehängt", warnte der Investmentbanker, der die Deutsche Börse seit einem Jahr führt.

Zwar sollen die Aktionäre des Dax -Konzerns mit 54,4 Prozent die Mehrheit an dem geplanten Unternehmen halten, doch in Frankfurt gibt es Vorbehalte, weil London als rechtlicher Sitz der Dachgesellschaft des Gemeinschaftsunternehmens vorgesehen ist. "Ich nehme diese Befürchtungen sehr ernst, aber ich sage eines: Sie sind unbegründet", sagte Kengeter. "Die zwei Hauptsitze bleiben in ihrer rechtlichen, organisatorischen und regulatorischen Integrität erhalten."

Der Deutsche-Börse-Chef sieht Vorteile auf beiden Seiten. "Es gibt keinen Finanzstandort, der London als Umschlagplatz für Kapital oder Investitionen auch nur das Wasser reichen kann", befand Kengeter. Zugleich gelte: "Frankfurt ist der Umschlagplatz im Euroraum. London will und braucht den direkten Zugang zum Euroraum."

Ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) würde den Fusionsplan nach Kengeters Überzeugung nicht durchkreuzen. "Rein inhaltlich und rational ändert sich an den Vorteilen für beide Unternehmen und das Folgeunternehmen nichts." Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU ab.

"Es ist unsere Aufgabe und als Vorstandsvorsitzender insbesondere meine Aufgabe, die Deutsche Börse zurückzuführen an die Weltspitze - und das geht nur über Wachstum", betonte Kengeter. "Der Fusionsvorschlag ist ein Teil unserer Wachstumsstrategie." Das Unternehmen mit seinem umfassenden Angebot von Aktienhandel über den Terminmarkt Eurex bis zur Verwahrung von Wertpapieren habe zum Teil bis heute das Problem, "dass wir nicht genug Saft auf unsere wunderbar entwickelten Systeme bekommen", sagte Kengeter. "Einfach organisch zu wachsen, ist extrem schwierig bis unmöglich."/ben/DP/jha



Quelle: dpa


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