15:08 27.06.12 ROUNDUP: Neuer RWE-Chef stimmt Mitarbeiter auf harten Sparkurs ein
ESSEN/DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der neue RWE
-Chef Peter Terium bereitet die rund 72.000 Mitarbeiter des Essener Strom- und Gaskonzerns auf auf einen rigorosen Sparkurs vor. "Durch den Kernenergieausstieg kommt weniger Geld in die Kasse, außerdem belasten uns ungünstige Gasverträge und die Brennelementesteuer", sagte Terium den Zeitungen der Essener "WAZ"-Gruppe (Mittwoch). Hinzu kämen die Eurokrise und die niedrigen Großhandelspreise für Strom. RWE müsse zudem Schulden tilgen, weil der Konzern in den vergangenen Jahren Milliarden in neue Kraftwerke investiert habe. "Deshalb müssen wir sparen und effizienter werden." Terium übernimmt an diesem Sonntag von Jürgen Großmann den Vorstandsvorsitz beim Essener Energieriesen.
RWE hatte bereits im August vergangenen Jahres als Folge der Energiewende in Deutschland mit dem Ende der Kernenergie ein striktes Effizienzprogramm aufgelegt. Medienberichten zufolge planen die Essener angeblich den Abbau von bis zu 8000 Arbeitsplätzen, einschließlich der Stellen, die durch den Verkauf von Beteiligungen künftig nicht mehr bei dem Unternehmen sein werden. RWE hat diese Zahl allerdings nie bestätigt. "Wir sind in einem Prüfprozess, es gibt keine Zahlen", sagte eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Weitere Details zu den Plänen will Terium erst bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im August dieses Jahres vorstellen.
Das gesamte Volumen der Beteiligungsverkäufe hatte RWE bei der Bilanzvorlage im März auf maximal sieben Milliarden Euro beziffert. Getrennt haben sich die Essener ganz oder in Teilen bereits von Thyssengas und dem Höchstspannungsnetzbetreiber Amprion sowie von einem Rostocker Kraftwerk. Auf der Verkaufsliste standen zuletzt unter anderem Teile der Tochterfirma RWE Dea, der tschechische Ferngas-Netzbetreiber sowie Anteile an Regionalversorgern. Bis Ende 2013 soll das Programm umgesetzt werden.
"Das Sparprogramm verheißt für uns nichts Gutes", sagte der Energieexperte von Verdi, Sven Bergelin, der dpa. Es gehe bei RWE ähnlich wie beim Konkurrenten Eon um eine Verschlankung von Entscheidungsstrukturen in der Verwaltung. Insgesamt rechnet der Gewerkschafter durch die Neuordnung europaweit mit bis zu 8500 weniger Jobs.
Beim bevorstehenden Umbau des Konzerns könnten auch Teile der Verwaltung ins Ausland verlegt werden, deutete Terium in dem Interview an. "Andere große Konzerne haben Bereiche wie die Lohnbuchhaltung und Rechnungswesen längst nach Osteuropa verlagert", sagte er. Der 48-jährige Manager aus den Niederlanden, der zuletzt die RWE-Tochter Essent führte, schloss betriebsbedingte Kündigungen beim geplanten Personalabbau nicht aus. "Grundsätzlich kann ich leider überhaupt nichts ausschließen", sagte er. Auf Dauer werde RWE mit weniger Mitarbeitern auskommen müssen. Terium soll dem Konzern ein neues Image verpassen und bei RWE die Energiewende einleiten.
Der "Rheinischen Post" (Mittwoch) sagte Terium, dass allein durch den Ausstieg aus der Kernkraft fast 3000 Arbeitsplätze entfielen. Ein weiteres Problem sei das Tarifgefüge im Konzern. "Dadurch sind wir in einigen Bereichen teurer, als wir es uns heute noch leisten können." RWE schaue sich gerade verschiedene Projekte zur Effizienzsteigerung an. "Mitarbeiter müssen geografisch und funktional flexibler werden", forderte Terium. "Wer seinen Arbeitsplatz in Biblis verliert, könnte doch zum Beispiel in Niederaußem anfangen."/ls/DP/he
Quelle: dpa
Hier geht's zur Aktien-Startseite