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14:20 03.02.12

Schweizer Wettbewerbshüter ermitteln gegen Deutsche Bank

BERN (dpa-AFX) - Die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) ermittelt wegen Manipulationsverdachts gegen die Deutsche Bank und zahlreiche weitere internationale Großbanken. Grund ist eine Selbstanzeige, wonach es zu Kartellabsprachen bei Referenzzinssätzen gekommen ist, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Ähnliche Ermittlungen laufen seit Längerem in der EU, den USA und Großbritannien.

Es geht um den Libor und den Tibor. Diese werden in London beziehungsweise Tokio ermittelt und dienen als Referenzzins im sogenannten Interbankenhandel. An ihnen orientieren sich etwa Zinssätze für Autokredite oder Firmenanleihen. Werden sie manipuliert, hat das weltweite Auswirkungen. Zur Berechnung des Libor melden die Banken jeden Morgen jene Zinssätze nach London, die sie selbst berappen müssen, um sich Geld zu leihen. Daraus wird dann ein Schnitt gebildet.

Hier sollen die Banken manipuliert haben: Die Ermittler hegen den Verdacht, dass einige Institute sich abgesprochen haben. Nach Angaben eines Sprechers der Schweizer Behörde geht es in deren Ermittlungen um einen Zeitraum von 2006 bis 2010. Mit den Absprachen konnten die Derivatehändler möglicherweise die Referenzzinssätze zu ihren Gunsten verfälschen, wie die Weko schreibt. Daneben sollen sich die Derivatehändler ebenfalls über die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskursen (Spreads) von Derivaten abgesprochen und dadurch Kunden diese Finanzinstrumente zu "marktunüblichen Konditionen" verkauft haben.

Die Ermittler müssen nun klären, welche Auswirkungen die möglichen Absprachen auf den Wettbewerb in der Schweiz hatten. Die Behörde steht nach eigenen Angaben in Kontakt mit der EU-Wettbewerbskommission und dem US-Justizministerium.

Betroffen von den Ermittlungen der Schweizer Behörde sind neben der Deutschen Bank und den Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse auch die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ , Citigroup , HSBC , JPMorgan , Mizuho Financial , Rabobank, Royal Bank of Scotland (RBS) , Societe Generale , Sumitomo Mitsui Banking Corporation sowie weitere Finanzintermediäre betroffen.

Die UBS hatte in ihrem Geschäftsbericht 2010 bereits eingeräumt, dass sie von Behörden wegen des Verdachts der Libor-Manipulation kontaktiert wurde. Sie kündigte nun an, die Untersuchung "sehr ernst" zu nehmen und "voll" mit den Behörden zu kooperieren. Credit Suisse und Deutsche Bank wollten die Untersuchungen nicht kommentieren./enl/zb/tw



Quelle: dpa

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