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WOCHENAUSBLICK: Spannende Frankreich-Wahl hält die Börsianer in Atem

FRANKFURT (dpa-AFX) - In der neuen Woche dürfte der Ausgang der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl das zunächst alles beherrschende Thema an den Börsen sein. Ein Erfolg der Europakritiker könnte den Anlegern sauer aufstoßen. "Die Politik macht das Spiel - die Anleger an den europäischen Börsen warten an der Seitenlinie", heißt es von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Vor der ersten Runde der französischen Wahlen werde kein Investor das Risiko eingehen wollen, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

EXPERTE: RISIKO DES WAHLAUSGANGS NICHT EINGEPREIST

Am europäischen Aktienmarkt sei das Risiko des engen Rennens um den Elysee-Palast nicht eingepreist, glaubt dabei Analyst Sebastian Raedler von der Deutschen Bank. Im Gegenteil: Die Bewertung zeige gestützt auf die weltweite Konjunkturbelebung einen gewissen Vertrauensvorschuss, schrieb der Experte in einer Studie.

Die Wahl in Frankreich am Sonntag gilt denn auch als Schicksalswahl für Europa. Mit der Vertreterin des rechtsradikalen Front National, Marine Le Pen, und dem linksradikalen Jean-Luc Melenchon stellen zwei der Kandidaten den Verbleib des Landes in der Eurozone in Frage. Andererseits will der laut Umfragen aussichtsreichste Kandidat Emmanuel Macron das Land mit Reformen voranbringen.

"Doch wie viel Umfragen wert sind, wissen die Börsen spätestens seit dem Brexit-Votum und dem US-Wahlsieg von Donald Trump", mahnte Analyst Jochen Stanzl vom Wertpapierhändler CMC Markets. Die zwei Kandidaten, die bei der Abstimmung am Sonntag die meisten Stimmen erhalten, kommen in die entscheidende Stichwahl am 7. Mai.

Ein Einzug von Macron und Le Pen in die zweite Runde wäre für die Märkte eher neutral, meint Analyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. Entscheidend wäre bei diesem Ausgang der Abstand der beiden Kontrahenten zueinander. Sollte Macron deutlich vor Le Pen liegen, dürften europäische Aktien sowie der Euro steigen. Überrasche Le Pen jedoch mit einem besseren Resultat, könne mit dem Gegenteil gerechnet werden.

'RENNEN ZWISCHEN MACRON UND FILLON OPTIMAL FÜR DIE BÖRSEN'

Cutkovic zufolge wäre für die Märkte eine zweite Runde mit den beiden extremen Kandidaten Le Pen und Melenchon der schlechteste Fall, wenn auch weniger wahrscheinlich. Der Euro könnte in diesem Fall ziemlich schnell in Richtung 1,04 US-Dollar fallen, glaubt er. Auch die Aktienmärkte kämen stark unter Druck. Laut der Landesbank Helaba dürfte es dann ungemütlich werden: "Eine Kapitalflucht aus Frankreich und Probleme der Banken wären nicht auszuschließen."

Ein Rennen zwischen den moderaten Kandidaten Macron und Fillon hält Cutkovic für das optimale Ergebnis für die Börsen, stuft die Chance für diesen Ausgang aber auch als eher gering ein.

MIT VOLLDAMPF IN DIE BERICHTSSAISON

Neben dem Ausgang der Frankreich-Wahl blicken die Anleger in der neuen Woche auch auf die Berichtssaison der Unternehmen, die beiderseits des Atlantiks in die Vollen geht. Hierzulande ist dabei der Donnerstag der Höhepunkt, wenn allein 15 Unternehmen aus Dax , MDax , TecDax und SDax Quartalsbilanzen vorlegen. Davon kommt mit BASF , der Lufthansa , Bayer , Beiersdorf und der Deutschen Bank ein Drittel aus dem deutschen Leitindex.

Aus dem Dax veröffentlichen zudem am Dienstag der Softwarehersteller SAP und am Mittwoch der Autobauer Daimler sowie die Deutsche Börse Geschäftszahlen. Am Freitag stehen die Zahlen des Industriegase- und Anlagenherstellers Linde auf der Agenda. Hinzu kommen im Wochenverlauf zahlreiche Bilanzen großer US-Konzerne.

EZB-ZINSENTSCHEID AM DONNERSTAG

Der Donnerstag steht zudem im Zeichen des Zinsentscheids der Europäischen Zentralbank (EZB). "Dabei werden die Währungshüter in ihrer Sitzung die französischen Präsidentschaftswahlen kritisch hinterfragen", vermutet die Helaba. Eine geldpolitische Kursänderung sei vor dem Hintergrund der anhaltenden politischen Unsicherheit nicht zu erwarten.

Zum Wochenbeginn stehen zunächst aber mit dem ifo-Geschäftsklimaindex wichtige Daten zur Stimmung in den deutschen Unternehmen in den Fokus. Laut der Postbank dürfte der Index im April von seinem mit 112,3 Punkten höchsten Niveau seit Mitte 2011 auf 112,0 Punkte gesunken sein. Interessieren dürften zum Wochenausklang dann auch noch Zahlen zum Wirtschaftswachstum in den USA für das erste Quartal. "Sie dürften keinen Anlass zur Euphorie bieten", fürchtet die Helaba. Zugleich werde wohl offenbar, dass der Spielraum der US-Regierung in der Finanzpolitik eingeschränkt sei./ajx/mis/he

Von Achim Jüngling, dpa-AFX



Quelle: dpa


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