ROUNDUP: Siemens spürt Konjunkturdelle - Gewinnziel mit Fragezeichen
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Elektrokonzern Siemens ist im dritten Geschäftsquartal unerwartet deutlich von der zunehmenden Kaufzurückhaltung seiner Kunden erfasst worden und hat das Gewinnziel mit einem Fragezeichen versehen. Siemens spüre einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind, sagte Vorstandschef Peter Löscher am Donnerstag in München. "Angesichts des verschlechterten Umfelds ist es schwieriger geworden, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erreichen." Die Gewinnprognose für das fortgeführte Geschäft hatte Siemens im April wegen teurer Probleme bei der Anbindung von Windparks in der Nordsee deutlich auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro gekappt.
Der Auftragseingang im Konzern sank zwischen April und Juni um 23 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahr hatte ein Zugauftrag über 3,7 Milliarden Euro den Auftragseingang aufgebläht. Für den Bestelleingang im laufenden Geschäftsjahr (Ende September) wird der Konzern zudem pessimistischer und rechnet nun nicht mehr unbedingt mit einem Auftragseingang über den Umsätzen.
Siemens spürt die Abschwächung der Weltwirtschaft auch bei den wichtigen großen Bestellungen. "Gerade bei den großen Aufträgen sehen wir einen Rückgang", sagte Vorstandschef Peter Löscher am Donnerstagmorgen in einem Interview mit Bloomberg-TV. "Wir müssen die Ärmel für das vierte Quartal hochkrempeln. Dazu kommt, dass der wichtige Markt in China nicht mehr mit der hohen Geschwindigkeit der Vergangenheit wächst. "Das Wachstum in China ist schlechter, als wir zuerst gedacht hatten", sagte der Manager und glaubt dort nicht vor dem Beginn des nächsten Kalenderjahres an eine Besserung.
Der Umsatz legte im abgelaufenen Quartal wegen des immer noch dicken Auftragspolsters um zehn Prozent auf 19,5 Milliarden Euro zu. Für das Gesamtjahr hat sich Siemens weiterhin ein Umsatzplus zwischen drei und fünf Prozent vorgenommen. Das Ergebnis der mittlerweile vier Kerngeschäftsfelder Industrie, Energie, Gesundheit, sowie Infrastruktur und Städte, das Siemens als Sektorenergebnis ausweist, schnellte von 1,144 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,8 Milliarden Euro nach oben. Ebenso wie beim Gewinn unter dem Strich, der um 70 Prozent auf 850 Millionen Euro stieg, hatten allerdings im Vorjahr Sondereffekte in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro den Gewinn kräftig nach unten gedrückt. Nun belasten Abschreibungen von 443 Millionen Euro bei Osram den Gewinn. Analysten hatten hier mit einem kräftigerem Plus gerechnet.
Ein Börsianer sprach von einem schwachem Bericht, der heute auf den Aktien lasten dürfte. Die Aktie lag vorbörslich rund 1,6 Prozent im Minus./stb/stk