Hamburg (www.aktiencheck.de) - Leif Buscher und Hendrik Emrich, Analysten der Montega AG, stufen die CinemaxX-Aktie (ISIN DE0005085708/ WKN 508570) von "kaufen" auf "verkaufen" zurück.
Der englische Kinobetreiber Vue Entertainment International Ltd. habe heute angekündigt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die CinemaxX AG zu einem Preis von 6,45 Euro je Aktie abzugeben. Vue sei einer der größten Kinobetreiber Großbritanniens mit einem Umsatz in 2011 von etwa 300 Mio. GBP. Durch die Übernahme der CinemaxX AG entstünde somit eine der größten europäischen Kinogruppen mit 119 Multiplexkinos, 1.100 Kinosälen und über 55 Mio. Besuchern jährlich in Großbritannien, Irland, Deutschland, Dänemark und Portugal.
Da Vue im deutschen Kinomarkt bisher nicht aktiv sei und der Fall wettbewerbstechnisch auf Deutschland begrenzt betrachtet werde, würden die Analysten nicht mit kartellrechtlichen Problemen rechnen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der CinemaxX AG, Dr. Kloiber, der seine Anteile zuletzt auf 84,6% aufgestockt habe, habe sich bereits verpflichtet, seine Anteile zum Angebotspreis anzudienen, somit scheine eine erfolgreiche Übernahme sehr wahrscheinlich.
Der Angebotspreis sei sehr attraktiv. Mit 6,45 Euro liege das Angebot nicht nur 45% über dem Schlusskurs des Vortages, sondern auch rund 37% über dem von den Analysten ermittelten Kursziel. Folglich würden sie den Aktionären empfehlen, das Angebot anzunehmen. Auch bezogen auf den künftigen Newsflow würden die Analysten derzeit keine Trigger für die Aktie sehen, die das Sentiment verbessern bzw. eine höhere Bewertung rechtfertigen würden.
Zwar könne die Kinobranche in Deutschland auf ein insgesamt positives erstes Halbjahr mit steigenden Besucherzahlen zurückblicken und auch bei CinemaxX habe die Top Line-Entwicklung laut Aussagen des Managements zuletzt leicht über den Erwartungen gelegen. Die Ergebnisentwicklung dürfte jedoch in 2012 durch Sondereffekte belastet sein.
Durch die geplante Abschaffung der Tätigkeit des Filmvorführers in den Kinosälen des Unternehmens (werde durch eine komplette Digitalisierung künftig substituiert) seien ca. 180 Angestellte betroffen, von denen ein Großteil abgefunden werden müsse und das Unternehmen verlassen dürfte. Die Analysten würden mit Sonderaufwendungen in 2012 von etwa 1,5 Mio. Euro rechnen, die sie in ihren aktualisierten Prognosen berücksichtigen würden.
Zudem könnte es durch die Übernahme zum Wegfall von (Teilen der) Verlustvorträge und somit der ergebnisbelastenden Auflösung aktiver latenter Steuern kommen. Da deren Höhe jedoch aufgrund möglicher Ausnahmetatbestände aktuell noch unklar sei, würden sie in dem Modell der Analysten zunächst unberücksichtigt bleiben. Auf Basis der aktualisierten Prognosen indiziere das DCF-Modell einen fairen Wert von 4,70 Euro je Aktie (zuvor: 4,80 Euro).
Die Analysten der Montega AG stufen die CinemaxX-Aktie von "kaufen" auf "verkaufen" herunter. Der Angebotspreis liegt über ihrem Kursziel von 4,70 Euro (zuvor: 4,80 Euro). (Analyse vom 10.07.2012) (10.07.2012/ac/a/nw)