Europäische Stahlindustrie fürchtet Importe aus Russland
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - In der ohnehin mit niedrigen Preisen kämpfenden europäischen Stahlindustrie wächst die Sorge vor Belastungen durch neue Konkurrenz. Die Branche fürchtet zusätzlichen Druck, wenn sich im September mit dem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO die Schranken für russischen Stahl öffnen. "Insgesamt sind langfristig 60 bis 70 Prozent der europäischen Stahlkapazitäten bedroht", sagte der Präsident des europäischen Stahlverbandes Eurofer, Wolfgang Eder, dem "Handelsblatt" (Montag).
Die Europäer müssten ihre Kapazitäten von 210 Millionen Tonnen im Jahr um bis zu ein Viertel reduzieren, sagte Eder. "Soll der Abbau sozialverträglich gestaltet werden, dann muss er bald angepackt werden." Der Chef des österreichischen Konzerns Voestalpine sieht vor allem die Unternehmen in der Pflicht, die auf Masse setzen. Damit meint der Manager Hersteller einfacher Stahlgüten, die etwa auf dem Bau eingesetzt werden. Vor allem Branchenprimus ArcelorMittal setzt noch stark auf diesen Bereich, während sich Voestalpine ebenso wie ThyssenKrupp auf Qualitätsstahl konzentriert.
Einen dauerhaften Abbau von Kapazitäten scheut die Branche aber noch. Deshalb werde das Geschäft immer volatiler. "Die Zyklen in der Branche sind erheblich kürzer geworden", sagte Eder. Zogen sich diese früher über Jahre hin, so sind es jetzt Monate. "Nach einer besseren Nachfrage im ersten Quartal hat sich diese seit April verschlechtert." Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter hatte erst in der vergangenen Woche seine Prognose für das Stahlgeschäft gesenkt./enl/men/kja