ROUNDUP/Aktien Frankfurt Eröffnung: Fester dank guter Vorgaben aus Übersee
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutschen Börsen sind am Mittwoch mit moderaten Gewinnen in den Handel gestartet. Der Dax legte am Morgen 0,53 Prozent zu auf 6.169,08 Punkte. Nach seinem kräftigen Minus zum Wochenauftakt wegen schwindender Hoffnung vor dem EU-Gipfel hatte sich der Leitindex am Vortag bereits bei anhaltend nervösem Handel stabilisiert. Für den MDax ging es zuletzt um 0,39 Prozent auf 10.002,08 Punkte nach oben, der TecDax gewann 0,28 Prozent auf 720,90 Punkte.
Analyst Cameron Peacock von IG Markets sieht die positive Vorgabe aus Übersee als wesentliche Stütze für den Markt. Peacock hält sich dennoch weiter zurück: "Es ist zwar schön, auf dem Kursticker etwas Grün zu sehen, die Anleger bleiben aber extrem vorsichtig." Die Gewinne der US-Börsen seien angesichts geringer Handelsvolumina und favorisierter Defensivtitel trügerisch. Konjunktursensitive Rohstoffwerte seien indes weiter gefallen, was die angeschlagene Stimmung verdeutliche. Bevor am Donnerstag der mit Spannung erwartete EU-Gipfel zur Schuldenkrise beginnt, stehen zunächst die Auftragseingänge langlebige Güter und weitere Daten vom Immobilienmarkt aus den USA auf der Agenda. Aus Italien kommen am Vormittag Daten zum Geschäftsklima, in Deutschland werden die vorläufigen Verbraucherpreise für Juni erwartet.
K+S SPRINGEN NACH HOCHSTUFUNG AN
Einige Werte reagierten im frühen Handel besonders stark auf Umstufungen: K+S wurden von Merrill Lynch von "Underperform" auf "Buy" um zwei Stufen hochgehoben und auf die "Europe 1 List" gesetzt. Die Aktie des Dünger- und Salzherstellers sprang mit plus 5,20 Prozent auf 34,365 Euro an die Dax-Spitze. Eon verteuerten sich nach einer Hochstufung durch HSBC um weitere 1,80 Prozent auf 16,160 Euro. Dagegen reagierten bei Infineon zahlreiche Analysten mit Abstufungen auf die Gewinnwarnung vom Vortag : HSBC und JPMorgan stuften die Aktien des Chipherstellern jeweils von "Overweight" auf "Neutral" ab. Barclays senkt das Kursziel für die Papiere von 8,25 auf 7,75 Euro, bleibt aber auf "Overweight". Die Papiere rutschten als schlechtester Dax-Wert um weitere 4,15 Prozent auf ein Achtmonats-Tief bei 5,131 Euro ab.
Commerzbank-Aktien legten dagegen 0,90 Prozent zu. Die Großbank verschärft angesichts der anhaltenden Schuldenkrise und der sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten ihren Konzernumbau. Das Institut kündigte am Vorabend an, das Geschäft der Krisentochter Eurohypo ebenso wie die Schiffsfinanzierung komplett abzubauen. Zudem überprüft die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank sämtliche Geschäftsbereiche. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. Davon betroffen ist auch der Vorstand, in dem die Zuständigkeiten neu sortiert werden. Ein Händler sagte: "Das dürfte die Gewinne kurzfristig belasten. Auf den zweiten Blick könnten die Maßnahmen aber positiver aufgenommen werden, weil sie in die strategisch richtige Richtung gehen."
SALZGITTER LEIDEN UNTER GEWINNWARNUNG
Salzgitter rutschten im MDax um 2,97 Prozent ab. Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller rechnet für den Unternehmensbereich Stahl im laufenden Jahr nun mit einem Verlust, nachdem zuvor noch ein ausgeglichenes Ergebnis im Stahlgeschäft in Aussicht gestellt worden war. In den übrigen Sparten hält das Unternehmen an seinen Jahreszielen fest. Im Bereich Röhren, Handel und Dienstleistungen peilen die Niedersachsen weiter Gewinne an. Im Bereich Technologie werde - wie im Mai angekündigt - mit einem ausgeglichenen Ergebnis gerechnet. Ein Börsianer sagte: "Die Gewinnwarnung für den Stahlbereich sollte nicht wirklich überraschen. Die Aktien dürften aber trotzdem leiden, denn die neue Prognose für die Gruppe liegt deutlich unter den aktuellen Analystenprognosen bei rund 190 Millionen Euro."
Aktien von Adidas stehen bei Börsianern angesichts eingeleiteter Ermittlungen des Kartellamts auch auf der Beobachtungsliste. Wie die Behörde der "Financial Times Deutschland" bestätigte, läuft derzeit ein Verfahren gegen Asics, einen japanischen Anbieter von Laufschuhen. Gegen den deutschen Branchenriesen Adidas lägen Beschwerden vor. Auch gegen die US-Firma Nike könnte bald ermittelt werden. Grund ist ein Lieferstopp verschiedener Hersteller an Händler, die über Amazon oder Ebay verkaufen. Größere Kursimpulse sieht ein Händler allerdings zunächst nicht. Die Papiere des Sportartikelherstellers legten unterdurchschnittliche 0,27 Prozent zu./fat/rum