Aktien Frankfurt: Dax-Gewinne schmelzen bis zum Mittag zusammen
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag dank freundlicher Vorgaben aus Übersee zugelegt. Im Handelsverlauf schmolzen die Gewinne im Dax wegen negativer Nachrichten aus Spanien und einer pessimistischen Einschätzung zur Gewinnentwicklung im Bankensektor allerdings wieder etwas zusammen. Gegen Mittag stand der Leitindex noch 0,45 Prozent höher bei 6.351,53 Punkten. Am Vortag hatte das Börsenbarometer leicht nachgegeben, da Sorgen um das angeschlagene spanische Bankensystem hoffnungsvolle Signale aus Griechenland in den Hintergrund gedrängt hatten. Der MDax behauptete am Dienstag ein Plus von 0,82 Prozent auf 10.346,18 Punkte und der TecDax gewann 0,72 Prozent auf 761,42 Punkte.
Börsenbrief-Autor Hans Bernecker sprach von einer "beeindruckenden relativen Stabilität" der Aktienmärkte. "Die Nachrichten über Griechenland, Spanien und andere Schuldner wechseln im Stunden- oder Tagestakt. Sich daran zu orientieren, macht keinen Sinn", gab er zu bedenken. Bis zu den Neuwahlen in Griechenland Mitte Juni sehe er aber "keinen seriösen Ansatz, neu zu investieren". Ähnlich äußerte sich Analyst Analyst Cameron Peacock von IG Markets, der bis dahin mit weiter schwankenden Aktienkursen rechnet. Die Experten der Commerzbank sprachen von einer weiteren Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise. Sie bezweifeln insbesondere, dass Spanien dem eigenen Anspruch gerecht werden kann, seine Probleme ohne fremde Hilfe zu meistern.
Aussagen der spanischen Notenbank, wonach die Wirtschaftskraft des Landes auch auch im zweiten Quartal sinken werde, waren Börsianern zufolge "wirklich keine Überraschung". Konjunkturseitig stehen die deutschen Verbraucherpreise sowie am Nachmittag Daten zum US-Immobilienmarkt auf der Agenda, wobei die Märkte weiter vor allem von Nachrichten zu Griechenland und Spanien bestimmt werden dürften.
AUTOBAUER PROFITIEREN VON ABWRACKPRÄMIEN IN CHINA
Die Aktien der Autobauer waren Nutznießer positiver Nachrichten aus China. Händler verwiesen auf einen Medienbericht, dem zufolge die chinesische Regierung zumindest im ländlichen Raum wieder Abwrackprämien für Autos zahlen will, um die Nachfrage im weltweit größten Automarkt anzukurbeln. "Davon profitieren heute auch die deutschen Autobauer, wenngleich es schon gestern Nachmittag entsprechende Nachrichten gegeben hat", kommentierte ein Börsianer. Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) verteuerten sich um 2,06 Prozent auf 131,60 Euro. Ihnen half zudem eine Kurszielanhebung der britischen Bank Barclays. Für die Papiere der Konkurrenten BMW und Daimler ging um 1,41 respektive 1,43 Prozent hoch. Die Aktien des Lkw-Herstellers MAN gewannen dank einer Hochstufung durch die Berenberg Bank 2,06 Prozent auf 80,40 Euro und waren damit Spitzenreiter im Dax.
Die Halbleiterwerte waren Nutznießer einer positiven Studie der Deutschen Bank. Analyst Ross Seymoure empfiehlt weiter eine Übergewichtung des Sektors und traut ihm zum Start ins zweite Halbjahr abermals eine überdurchschnittliche Kursentwicklung zu. Die Titel von Infineon gehörten mit plus 1,64 Prozent zu den besten Werten im Dax. Ähnliches galt im TecDax für die Aktien von Dialog Semiconductor : Sie verteuerten sich um 1,56 Prozent. Uneinheitlich war die Entwicklung im Bankensektor: Die Papiere der Deutschen Bank blieben mit minus 0,41 Prozent deutlich hinter dem Markt zurück, was Börsianer mit den Nachrichten aus Spanien, aber mehr noch mit einer skeptischen Studie der US-Bank Merrill Lynch zur Investmentbanken-Branche begründeten. Dagegen legten die Commerzbank-Titel um marktkonforme 0,30 Prozent zu.
OPTIMISMUS TREIBT DÜRR AN
Bei den Titeln von Dürr sorgten optimistische Unternehmensaussagen für Kursgewinne von 3,97 Prozent auf 43,960 Euro,was den Spitzenplatz im MDax bedeutete. Der Vorstandsvorsitzende des Lackieranlagenspezialisten, Ralf Dieter, erkennt "keinen Rückgang der Investitionstätigkeit" in der Branche und hält die Perspektiven für die nächsten Jahre für "sehr positiv". "Wir wachsen stärker als der Markt und gewinnen Marktanteile", sagte Dieter der "Börsen-Zeitung". Eine Korrektur der bisher vorsichtigen Jahresprognose will Dieter jedoch erst nach dem zweiten Quartal vornehmen. Die Titel des Verkehrstechnikkonzerns Vossloh stiegen um 2,17 Prozent, nachdem die US-Bank Merrill Lynch sie hochgestuft hatte und nun eine neutrale Gewichtung empfiehlt. Dagegen büßten die Papiere des Immobilienunternehmens Gagfah 1,56 Prozent ein - hier belastete eine Abstufung der britischen Bank HSBC./gl
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
Quelle: dpa
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