Aktien Frankfurt: Schwach wegen anhaltender Sorge um Europas Schuldensünder
FRANKFURT (dpa-AFX) - Belastet von der anhaltenden Sorge um Europas Schuldensünder haben die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Donnerstag deutliche Verluste verzeichnet. Der Dax rutschte bis zum Mittag um 0,93 Prozent ab auf 6.095,36 Punkte. Für den MDax ging es um 1,39 Prozent auf 9.842,86 Punkte runter. Der TecDax verlor 1,40 Prozent auf 723,70 Punkte.
"Europäische Schuldenkrise und kein Ende", begründete Analyst Gregor Kuhn von IG Markets den anhaltenden Druck auf die Märkte. Spaniens enormer Schuldenstand, sein angeschlagener Bankensektor, die hohe Arbeitslosigkeit und eine Wirtschaft in der Rezession böten denkbar schlechte Aussichten. Das habe auch prompt Moody’s auf den Plan gerufen. Die Ratingagentur stufte Spaniens Bewertung gleich um drei Noten ab und liegt damit nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschniveau. Die Rendite für richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen stieg zuletzt um 22 Basispunkte auf 6,904 Prozent und erreichte bei rund 7 Prozent den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Neben italienischen Staatsanleihen, die sich im Krisenverlauf meist parallel zu den spanischen Pendants entwickeln, gerieten auch die deutschen Titel auf die Verkaufslisten. Zudem stehen am Wochenende die Neuwahlen in Griechenland an, so dass sich Kuhn zufolge die Marktteilnehmer weiter mit neuen Engagements zurückhalten. Hinzu kommt der große Verfall an den Terminmärkten (Hexensabbat) am morgigen Freitag, der seine Schatten im Handel weiter voraus werfen wird.
ADIDAS LEIDEN UNTER NIKE-AUSSAGEN
Am Dax-Ende standen Adidas-Aktien mit minus 3,27 Prozent auf 55,66 Euro am. Händler verwiesen auf ein enttäuschendes Auftragswachstum für Nike in China und auch eine Abschwächung in den USA. Auch die Autowerte rutschten mit einem Minus von 2,22 Prozent im europäischen Branchenindex Stoxx 600 Autos & Parts weiter ab. Am Vortag bereits hatte der weltgrößte Kugellager-Hersteller SKF vor einem schwachen zweiten Quartal gewarnt und damit den Sektor belastet. Nun machen sich am Markt laut Händlern Sorgen um die Gewinnentwicklung von Daimler breit. Die Citigroup hatte kritisch auf die bisherige Prognosen geblickt und die Frage gestellt, ob es nicht zu viele Hindernisse gebe. Das quittierte der Markt mit einem Minus von 3,37 Prozent auf 33,110 Euro.
An der Indexspitze standen Bayer-Aktien mit plus 0,62 Prozent auf 51,77 Euro. Händler konnten keine fundamental neuen Nachrichten ausmachen und verwiesen vor allem auf technische Gründe zur Erklärung des weiteren Kursanstiegs. Auch einige andere Favoriten der Vortage präsentierten sich im bisherigen Verlauf weiter stabil: Die Aktien von Deutsche Telekom und auch von Fresenius verteuerten sich um jeweils 0,21 Prozent und knüpften damit an ihre jüngste Aufwärtsbewegung an.
Die Papiere von Kabel Deutschland verloren nach Zahlen 1,34 Prozent auf 45,935 Euro. Der Kabelnetzbetreiber schloss das vergangene Geschäftsjahr erstmals mit einem Gewinn ab. Die Ergebnisse und auch der Umsatz haben einem Händler zufolge die Analystenprognosen getroffen. Auch der Ausblick entspreche im Wesentlichen den aktuellen Erwartungen, die Dividende entwickele sich aber wohl enttäuschend. Die Tags zuvor deutlich angesprungene Deutz-Papiere setzten am MDax-Ende um 7,31 Prozent auf 4,032 Euro zurück. Analyst Stefan Augustin von Kepler Equities rechnet nach der jüngsten Aufstockung des Anteils der schwedischen Volvo an dem Motorenbauer nicht mehr mit weiteren Käufen.
CENTROTHERM BRECHEN EIN
Einen Kurssturz von 26,08 Prozent auf 3,770 Euro mussten Centrotherm hinnehmen. Aufgrund der anhaltend schlechten Marktlage und der daraus resultierenden angespannten Finanzierungssituation würden Warenlieferungen an das Unternehmen zukünftig nicht weiter versichert, teilte der auf die Solarbranche spezialisierte Maschinenbauer mit. Der Vorstand erwarte einen negativen Liquiditätseffekt im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Centrotherm beauftragte indes eine Unternehmensberatung ein Sanierungsgutachten zu erstellen, das Grundlage für weitere Finanzierungsverhandlungen mit Banken werden soll. Hinzu kommen laut Händlern weitere negative Berichte aus der Branche. So fallen die Preise für Solar-Komponenten dem Branchendienst PV Insights zufolge weiter wegen der Überversorgung des Marktes.
Nach einer Abstufung von Berenberg verloren die Aktien von Dialog Semiconductor indes 7,47 Prozent. Außerhalb der großen Indizes gewannen Heidelberger Druckmaschinen nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2011/12 zuletzt 0,29 Prozent. Den Verlust für das abgelaufene Geschäftsjahr wertete ein Börsianer als leichte Enttäuschung. Anleger konzentrierten sich jedoch auf die freundlichere Auftragslage im ersten Quartal nach der Branchenmesse Drupa als Hoffnungsschimmer./fat/rum
--- Von Frederik Altmann, dpa-AFX ---
Quelle: dpa
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