Angesichts der Tatsache, dass der DAX im Zuge der Hoffnungen auf neue Notenbankspritzen in den vergangenen vier Wochen rund elf Prozent zulegen konnte, kommt es heute erst einmal zu Gewinnmitnahmen am Aktienmarkt. Das deutsche Börsenbarometer notierte am Nachmittag bei 7.027 Punkten mit 62 Zählern bzw. 0,9 Prozent im Minus.
Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte sich Ende Juli ausdrücklich zur Währungsunion bekannt und damit Spekulationen über mögliche Anleihenkäufe der Notenbank ausgelöst, weil damit die Zinslast kriselnder Euroländer wie Italien und Spanien eingedämmt werden könnte. Allerdings knüpfte Draghi die grundsätzliche Bereitschaft solcher Maßnahmen auf der EZB-Ratssitzung Anfang August an die Bedingung, dass die Krisenstaaten zunächst unter den Rettungsschirm schlüpfen. Händlern zufolge warten die Marktteilnehmer nun ab, was genau passieren wird.
Außerdem wird natürlich weiterhin über die Zukunft Griechenlands diskutiert. Regierungschef Antonis Samaras wünscht sich “etwas mehr Luft zum atmen, um die Wirtschaft in Gang zu bringen.” Bei seinen Besuchen in Berlin und Paris muss der Ministerpräsident den von den Geldgebern eingeforderten Sparplan liefern. Im Gegenzug will er um mehr Zeit zur Umsetzung der Reformen bitten. Oberste Priorität habe dabei, dass die Glaubwürdigkeit durch entschiedenes Handeln wiedergewonnen werden könne. Heute wollte sich Samaras erst einmal mit Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker treffen. Einem hochrangigen Vertreter des griechischen Finanzministers zufolge müsse Griechenland in den kommenden zwei Jahren mehr Geld auftreiben als bisher gedacht. Demnach müssten wohl weitere zwei Milliarden Euro eingespart bzw. beschafft werden.
Nach dem Rückgang des DAX waren am Vormittag zunächst mehr Call-Optionsscheine und Long-Zertifikate gesucht. Der Euwax Sentiment Index lag im Hoch bei plus 37,5 Punkten. Die Mehrheit der aktiven Derivateanleger glaubte offenbar daran, dass der deutsche Leitindex kurzfristig wieder zulegen werde. Da sich die Kurse aber bis zum Nachmittag nicht erholen konnten, ließ die Entschlossenheit unter den Marktteilnehmern vorerst etwas nach.
Die Lufthansa hat der Flugbegleitergewerkschaft UFO heute ein neues Tarifangebot vorgelegt. Nach den Worten von Prsonalchef Lauer sei dieses so angelegt, dass es auf positive Resonanz stoßen sollte. Der bisher letzte Streik hatte die Lufthansa rund 40 Millionen Euro gekostet. So etwas soll nun verhindert werden. Die Lufthansa-Aktie hielt sich im Vergleich zum allgemeinen Markttrend recht wacker und notierte am Nachmittag bei 9,94 Euro nur mit 0,5 Prozent im Minus.
Die Analysten der Citigroup haben das Kursziel für die Allianz-Aktie von 101 auf 105 Euro angehoben und empfehlen das Papier zum Kauf. Der Kurs lag am Nachmittag bei 88,11 Euro mit 0,2 Prozent im Minus. An der Euwax waren heute vor allem Calls mit einer Laufzeit bis zum Juni 2013 gesucht.
Die Ölpreise sind zuletzt deutlich gestiegen. Ein Fass der Sorte WTI zur Auslieferung im Oktober kostete am heutigen Nachmittag 96,99 US-Dollar. Der entsprechende Future der Nordseesorte Brent notierte unterdessen bei 114,55 US-Dollar. Seit Monaten belastet hier der Konflikt des Westens mit dem Iran das Geschehen. Dazu kommt die angespannte Lage in Syrien. US-Präsident Barack Obama hatte vorgestern Syriens Präsident Baschar al-Assad mit einem Militäreinsatz gedroht, falls dieser im Kampf gegen die Rebellen chemische oder biologische Waffen einsetzen würde. Daraufhin warnte Syrien wiederum vor eimem militärischen Eingreifen des Auslands in seine inneren Auseinandersetzungen. Dies würde den Konflikt über die Grenzen des Landes hinaustragen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Kadri Dschalil gestern in Moskau. Darüber hinaus droht derzeit ein Versorgungsengpass in der Nordsee. Das größte britische Ölfeld “Buzzard” soll von September bis Mitte Oktober wegen Wartungsarbeiten geschlossen bleiben. Derivateanleger kauften zuletzt überwiegend Long-Zertifikate auf die Nordseesorte Brent. Möglicherweise wollen sich einige von ihnen damit auch gegen weiter steigende Spritpreise absichern.
Der Goldpreis notierte heute nur knapp unter seinem gestern erreichten Dreieinhalbmonatshoch. Eine Feinunze kostete am Nachmittag in London 1.640,90 US-Dollar. An der Euwax wird derzeit mit Hebelprodukten auf weiter steigende Edelmetallpreise gesetzt.
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