Bricht die Eurozone auseinander? Das ist eine der drastischsten Fragen, die sich die Börsianer nach den Ergebnissen der Wahlen in Frankreich und Griechenland stellen. Denn die Anhänger der großen Spar- und Stabilitätsprogramme sind sowohl in Frankreich als auch in Griechenland abgewählt worden.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Absicht des neuen französischen Staatspräsidenten Francois Hollande, den europäischen Stabilitätspakt neu verhandeln zu wollen, tatsächlich realisierbar ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte dieser Idee bereits eine klare Absage. Gleichwohl kündigte sie an, auch mit dem Nachfolger von Nicolas Sarkozy im Interesse einer starken Europäischen Union vertrauensvoll zusammenarbeiten zu wollen.
Besonders schwierig gestaltet sich die Lage in Griechenland. Die bisherigen Regierungsparteien haben ihre absolute Mehrheit verloren. Dies ist ein Ergebnis der massiven und emotionalen Proteste gegen die harten Sparmaßnahmen und das Konzept zur Sanierung des Staatshaushaltes. Allerdings erwarten die Gläubiger des hoch verschuldeten Landes, dass sich bis Ende Mai eine stabile Regierung gebildet hat. Andernfalls wären weitere Hilfszahlungen stark gefährdet.
Die Lage ist äußerst kritisch. Und auch wenn eine alte Börsenweisheit sagt: “Politische Börsen haben kurze Beine”, so ist es zumindest psychologisch nachvollziehbar, dass sich Anleger heute stark verunsichert zeigten.
Der DAX rutschte im Tief bis auf 6.410 Punkte und lag damit 2,3 Prozent im Minus. Bis zum Mittag konnten die Verluste etwas aufgeholt werden. Das deutsche Börsenbarometer lag jetzt bei 6.530 Zählern mit 0,5 Prozent im roten Bereich.
Der Euro fiel am Morgen zunächst um mehr als zwei US-Cent bis auf ein Tief von 1,2957 US-Dollar. Privatanleger halten sich aus Währungsspekulationen weiterhin größtenteils heraus.
Derivateanleger, die Put-Optionsscheine und Short-Zertifikate auf den DAX in ihren Depots hielten, nahmen am Vormittag schnell ihre Gewinne mit. Gleichzeitig waren sofort wieder Call-Optionsscheine und Long-Zertifikate gesucht. Der Euwax Sentiment Index kletterte entsprechend auf plus 56 Punkte. Im Zuge der leichten Erholungstendenz wurden aber auch diese Scheine bis zum Mittag wieder verkauft. Danach war vorerst kaum noch ein Trend erkennbar. Die Marktteilnehmer warten offenbar auf neue Impulse.
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