Die US-Notenbank Federal Reserve hat sich festgelegt: Bis Ende 2014 wird sie die Leitzinsen auf dem aktuell niedrigen Niveau halten. Das ist das wichtigste Ergebnis der gestern abend beendeten Sitzung des Offenmarktausschusses der FED. Damit wagt sich Notenbankchef Ben Bernanke weit aus dem Fenster. Denn in dem aktuell unsicheren Umfeld ist bereits eine Prognose auf Sicht von drei Wochen oder drei Monaten schwierig. Eine Prognose auf Sicht von fast drei Jahren ist sehr mutig. Vieles in dieser Entscheidung spricht für eine gewisse Verzweiflung auf Seiten der FED. Natürlich möchte man mit einer solchen Aussage den Marktteilnehmern eine mittelfristige Kalkulationsgrundlage nehmen, damit diese angebotene Kredite auch wirklich aufnehmen, ohne mit Zinssteigerungen rechnen zu müssen. Aber quasi ein Versprechen abzugeben, auf Sicht von drei Jahren die Zinsen nicht zu erhöhen, das ist ein Novum für eine Notenbank. Und es spricht für tiefe Besorgnis um die wirtschaftliche Entwicklung und dafür, dass die FED eher Angst vor Deflation denn vor Inflation hat.
Bleiben die Zinsen tatsächlich bis Ende 2014 auf dem aktuell niedrigen Niveau, dann hätten wir es mit einer Periode von sechs Jahren zu tun, in der die Zinsen bei Null stehen. Und es scheint fraglich, ob die FED damit die Wirtschaft nachhaltig ankurbeln kann. Denn in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass ein Mehr an Krediten für ein immer Weniger an zusätzlichem Wirtschaftswachstum sorgt.
Der Deutsche Aktienindex schiebt solche Bedenken heute beiseite. Er legt ein richtige Rally hin und durchbricht das bisherige Jahreshoch als auch den hartnäckigen Widerstand bei 6430 Punkten nachhaltig. Gegen 11:30 Uhr steht er bei 6512 Punkten, ein Plus von 1,4 Prozent.
Die Aktie der Deutschen Börse ist mit einem Plus von 4 Prozent der größte Gewinner, obwohl die Fusion mit der NYSE immer unwahrscheinlicher wird. Eine Entscheidung der EU-Kommission wird nun für den 1. Februar erwartet. Aber es scheint fast so, als seien die Märkte mittlerweile erleichtert, wenn das Gezerre um den Zusammenschluss endlich vorbei ist.
Die heutige Rally hat erneut etliche Anleger an der Euwax auf dem falschen Fuß erwischt. Der Sentiment Index liegt deutlich im negativen Bereich. Viele Put-Knock-Outs, die zuvor noch rege gehandelt wurden, sind innerhalb der vergangenen Handelsstunde verfallen. Gefragt bleibt ein Call-Knock-Out auf den Goldpreis.