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10:03 14.06.12

Smart Investor Weekly: "Die Krise nutzen" - zum Beispiel mit Edelmetallen

Warum Edelmetalle die Korrektur zunächst abgeschlossen haben dürften

(Hoch-)verräterische Floskeln
Immer häufiger hört man in der jüngeren Vergangenheit die gleich im doppelten Wortsinn verräterische Floskel, dass man „die Krise nutzen“ wolle, um neue EU-Strukturen zu schaffen. Der ehemalige(?) Maoist José Manuel Barroso ist so einer, der seine Vorstellung einer „Bankenunion“ notfalls auch durch die Hintertür durchsetzen will. Das aber dürfte gar nicht nötig sein, denn in Fragen einer EU-Bankenaufsicht ist die vorgeblich Widerstand leistende Regierung Merkel erneut wie ein Streichholz eingeknickt und hat die Vordertür weit geöffnet. Während also die „Viererbande“ (Barroso, Juncker, van Rompuy, Draghi) unverdrossen ihren Putsch vorantreibt, brechen in EU-Europa ökonomisch nun auch noch die letzten Dämme. Erwartungsgemäß schlüpfte zuletzt Spanien mit einem Fuß unter den „Rettungsschirm“. Die Konditionen für Spaniens marode Banken – als Ergebnis des typischen politischen Geschachers – wurden offenbar als so vorteilhaft wahrgenommen (obwohl sie noch gar nicht fixiert waren), dass schon nach wenigen Stunden Forderungen nach einem Nachschlag aus Griechenland und Portugal laut wurden. Wer „Moral Hazard“ bisher für ein akademisches Problem hielt, der kann das Phänomen in der EU mittlerweile im Tagesrhythmus studieren. Mit (Markt-)Wirtschaft hat das alles jedenfalls nichts mehr zu tun – Polit- und Bankenklüngel stützen sich gegenseitig und bedienen sich nach Lust und Laune an Einkommen und Vermögen der schrumpfenden Schicht echter Leistungsträger.

Neue, alte Begehrlichkeiten
Wo so viel zu verteilen ist, da ist womöglich noch mehr: Konsequenterweise pocht auch Italien auf milde Gaben – freilich verklausulierter, in Form von Eurobonds. Die Machart ist immer die Gleiche: Während wir die Wahrheit über die vom Euro zugrunde gerichteten Volkswirtschaften allenfalls wohldosiert und scheibchenweise erfahren, wird das Umverteilungskarussell durch markige Reden, wüste Drohungen und weinerliche Appelle am Laufen gehalten: Entweder – wir übersetzen frei – die Knute der EU oder Krieg und Chaos. Dabei zeigt doch schon die schlichte Tatsache, dass eine Währung etwas so Lächerliches wie einen „Währungskommissar“ (Olli Rehn) oder einen „Euro-Gruppenchef“ (Jean-Claude Juncker) benötigt, dass sie nicht funktioniert. Daran wird auch ein mit geradezu krimineller Energie geschaffenes neues Monster, wie der ESM nichts ändern. Der Vertrag ist nicht nur verfassungsfeindlich und kommt ökonomisch einer Insolvenzverschleppung der EU gleich, sondern muss auch noch von immer weniger Ländern geschultert werden – Spanien kann man als Kapitalgeber jedenfalls inzwischen getrost vergessen. Man sehnt sich nach den Zeiten, als EU-Funktionäre mit dem verwaltungstechnischen Geradebiegen von Bananen beschäftigt waren – das war zwar auch völlig sinnlos, aber wenigstens hielt sich der angerichtete Schaden in Grenzen.

Zu den Märkten
„Die Krise nutzen“ ist allerdings ein Motto, das sich auch die Bürger als Anleger zu Eigen machen sollten. Es bedeutet zumindest, freiwillig nicht noch mehr zu bluten, als es ohnehin passieren wird. Vor dem Hintergrund der beschleunigt zerbröselnden Papiergeldsysteme sind Edelmetalle immer eine Überlegung wert. Denn jeder, der in nennenswertem Ausmaß US-Dollar- oder Euro-„Reserven“ hat, hat vor allem eines – ein Problem. Am besten sieht man das an den Notenbanken, die noch frei agieren können und nicht durch vertragliche Bindungen oder Verrechnungssysteme wie Target2 gefesselt sind. Notenbanken, die noch Eigeninteressen verfolgen dürfen, sind jüngst wieder verstärkt als Käufer am Goldmarkt zu sehen. Diese äußerst potenten Marktteilnehmer nutzen Schwächephasen offenbar konsequent zum Aufbau ihrer Goldpositionen. Freilich haben weder die Handelnden selbst, noch die Mainstreammedien Interesse, solche Ereignisse an die große Glocke zu hängen. Man muss also genau hinsehen, denn auf die Titelseiten werden es derartige Geschichten nicht schaffen.
Nach dem mehrfachen und per Saldo erfolgreichen Test der Unterstützung im Bereich von 1.530 USD machte der Goldpreis am 1.6.2012 einen enormen Satz über die Marke von 1.600 USD. Danach kam es zu einer Korrekturbewegung, die aber bereits schon wieder beendet ist. Interessant ist vor allem die relative Entwicklung gegenüber Aktien: Auch hier konnte Gold deutlicher zulegen. Es spricht einiges dafür, dass die seit einem dreiviertel Jahr währende Korrektur des Goldpreises nun ihr Ende gefunden hat. Für die stark unterbewerteten Edelmetallaktien würde das auf jene Traumkonstellation aus Value und Momentum hinauslaufen, die selten zu finden ist. Zwar kann es in einer verschärften Rezession zu nochmaligen Rücksetzern beim Gold kommen, allerdings kann das Edelmetall gerade in einer solchen Phase auch eine seiner großen Stärken gegenüber den zu Unrecht als sicher apostrophierten Staatsanleihen ausspielen: Physisches Gold hat kein Gegenparteirisiko. Das Risiko, dass eine Forderung mit dem Schuldner untergeht, existiert hier nicht.


Fazit
Mit Spanien ist nun erstmals auch eines der Kernländer der Euro-Zone sichtbar angezählt. Die Antwort der Politik lautet wieder einmal „mehr desselben“, also „Rettung“ in Form von Schirmen. Damit erfüllen unsere politischen Akteure in Reinform eine Albert Einstein zugeschriebene Definition des Irrsinns: „Immer wieder das Gleiche zu tun, aber dabei andere Ergebnisse zu erwarten.“

Ralf Flierl, Ralph Malisch



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