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Schuldenschnitt Griechenland

Es sind markige Worte, mit denen sich Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zurück in das politische Geschehen meldet:

„Ein Schuldenerlass, der nur dazu führt, dass wir in fünf Jahren wieder vor der gleichen Situation stehen, wäre kontraproduktiv“ – so zitiert ihn das „Handelsblatt“. Angesichts der vagen Ankündigung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dass Griechenland im nächsten Jahr ein drittes Rettungspaket benötige, macht Weidmann einmal mehr seine Grenzen deutlich.

Für den Bundesbank-Chef können nur neuerliche Reformanstrengungen in Griechenland selbst das Land voran bringen, aber kein Schuldenschnitt. Es sind wie so oft ökonomische Glaubensfragen, die in Sachen Griechenland-Rettung diskutiert werden:

Schuldenschnitt Griechenland: Glaubensfragen

Während die einen die Sparbemühungen in Athen für zu klein erachten und weitere Reformen anmahnen, geht es für anderen viel zu weit. Stattdessen müsste die EU aus deren Sicht die Schatulle noch weitaus mehr öffnen. Doch Erfolge sind so oder nicht sicher.

Einzig das Beispiel Portugal zeigt, dass hartes Sparen der Wirtschaft des spanischen Nachbarstaats wieder etwas Wachstum bringen konnte. Ob das allerdings die jeweilige Bevölkerung immer mitmacht, wie in Portugal, steht auf einem anderen Blatt.

Schuldenschnitt Griechenland: ja, nein, vielleicht

So positiv derzeit die Entwicklung der portugiesischen Wirtschaft auch ist, so wenig vergleichbar sind die Probleme Portugals mit denen Griechenlands. Bei einer Staatsverschuldung von aktuell 175 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung bleiben die Spielräume der Athener Regierung äußerst gering.

Ein einfacher Schuldenschnitt, wie er derzeit diskutiert wird, brächte Griechenland lediglich erneut Zeit, die aber aus der Erfahrung der letzten Jahre, wohl erneut nicht genutzt würde. Insofern ist die Kritik von Weidmann sehr gut nachvollziehbar. Die Warnungen kommen zudem nicht von ungefähr:

Risiko: Staatsanleihen

Sollte es zu einem Schuldenschnitt in Athen kommen, würde dies unmittelbar die EZB belasten, die griechischen Staatsanleihen en Masse in ihren Büchern hat. Da die Bundesbank durch die EZB-Konstruktion wiederum mit rund 27 Prozent hieran beteiligt wäre, kann man die Sorgen des Bundesbank-Präsidenten leicht nach empfinden.

Weil Investoren verschiedener Couleur bereits jetzt unter den Niedrigzinsen leiden und auf die Zinswende hoffen, wäre ein Schuldenschnitt in Griechenland ein weiterer Belastungsfaktor für die Anleger auf dem Rentenmarkt. Besonders Bundesanleihen weisen bereits seit Längerem historisch niedrige Verzinsungen auf und bringen so Versicherer und Großinvestoren in eine Art Anlagenotstand. So oder so:

Staatsanleihen kaufen ist keine gute Wahl. Entweder ist ihre Rückzahlung durch potenzielle Schuldenschnitte gefährdet oder die Zinsen sind so niedrig, dass sie nicht einmal die Inflationsraten ausgleichen. Viel lukrativer sind Aktien-Investments, vor allem in die 100 besten Aktien der Welt!