ANALYSE: Morgan Stanley senkt Daumen bei Deutsche Wohnen wegen Mietpreisdeckel

Freitag, 07.06.19 12:36
ANALYSE: Morgan Stanley senkt Daumen bei Deutsche Wohnen wegen Mietpreisdeckel
Bildquelle: iStock by Getty Images
NEW YORK (dpa-AFX) - Die US-Bank Morgan Stanley sieht einige Probleme auf die Deutsche Wohnen zurollen. Der vor allem in Berlin aktive Immobilienkonzern könnte angesichts eines möglichen Mietendeckels deutlich an Wert verlieren, so die Schätzung von Analyst Bart Gysens. "Die Situation ist äußerst ungewiss", schrieb er in einer am Freitag vorliegenden Studie. Er stufte das Unternehmen daher von "Overweight" auf "Equal-weight" ab und senkte das Kursziel von 50 auf 39 Euro.

Die Hauptstadt zählt zu den deutschen Städten mit den größten Mietsteigerungen der vergangenen Jahre. Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) will die Mieten für frei finanzierte Wohnungen in der Hauptstadt daher im kommenden Jahr für fünf Jahre einfrieren. Eckpunkte für ein entsprechendes Landesgesetz sollen am 18. Juni im Senat beraten und voraussichtlich beschlossen werden. Danach ist auch vorgesehen, überhöhte Mieten auf Antrag zu senken.

Auch wenn das Mietrecht bislang als Sache des Bundes galt, sieht Gysens das Risiko, dass sich der Senat mit seinem Vorschlag durchsetzen könnte. "Dann müssten sich die Immobilien-Besitzer damit herumschlagen", schreibt der Analyst weiter. "Das könnte ein langwieriger Prozess werden." Sollte all das geschehen, sähe das Ertragsprofil der Deutsche Wohnen völlig anders aus. Die Aktie wäre dann anfällig für eine deutliche Kurskorrektur. Der Experte senkte angesichts dieser Unsicherheit seine Schätzungen für den Substanzwert für 2019 und 2020 um zehn beziehungsweise zwölf Prozent.

Aktuell läuft es für die Deutsche Wohnen aber noch rund. Der operative Gewinn des MDax -Unternehmens stieg in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um rund 17 Prozent auf 144 Millionen Euro. Der Grund waren höhere Mieten - vor allem in Berlin. Der Konzern kritisierte den Mietspiegel in der Hauptstadt dennoch als zu niedrig. Demnach stieg die durchschnittliche Nettokaltmiete in den vergangenen beiden Jahren unerwartet langsamer als in den Vorjahren: um 2,5 Prozent pro Jahr. Laut Finanzchef Philip Grosse müssten es rund zehn Prozent sein.

Trotz der guten Zahlen bringen die politischen Risiken im Geschäft mit Mietwohnungen die Aktie der Deutschen Wohnen seit geraumer Zeit wiederholt zum Schwanken. Nach Bekanntwerden der Pläne am Donnerstag war das Papier bereits um fast acht Prozent eingebrochen, die Abstufung durch Morgan Stanley belastete die Aktie am Freitag-Vormittag nochmal um mehr als sechs Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp acht Prozent an Wert eingebüßt./kro/knd/eas/jha

Analysierendes Institut Morgan Stanley.

Veröffentlichung der Original-Studie: 07.06.2019 / 03:00 / GMT Erstmalige Weitergabe der Original-Studie: Datum in Studie nicht angegeben / Uhrzeit in Studie nicht angegeben / Zeitzone in Studie nicht angegeben



Quelle: dpa-AFX


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