BNP Paribas-Zertifikate auf EUR/AUD: Die guten Zeiten sind vorbei - Zertifikateanalyse

Donnerstag, 08.06.17 11:20
BNP Paribas-Zertifikate auf EUR/AUD: Die guten Zeiten sind vorbei - Zertifikateanalyse
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Paris (www.zertifikatecheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" ein Unlimited Long-Zertifikat (ISIN DE000PS8M7Z4 / WKN PS8M7Z) und ein Unlimited Short-Zertifikat (ISIN DE000PS8NA42 / WKN PS8NA4) auf das Währungspaar EUR/AUD (Australischer Dollar) (ISIN EU0009654748 / WKN EURAUD) vor.

Viele Jahre lang habe Australien massiv vom Industrialisierungsboom in Ostasien profitiert. Der an Rohstoffen reiche Kontinent habe seine Bodenschätze nach China und in die anderen Länder der Region exportiert und dabei hervorragend verdient. Davon hätten nicht nur die Minenkonzerne profitiert, sondern die gesamte Wirtschaft. Und obwohl der große Boom vorbei scheine, seien auch 2016 noch 27,5 Prozent der Ausfuhren Australiens nach China gegangen. Nehme man Hongkong, Taiwan und Südkorea hinzu, steige der Exportanteil auf rund 40 Prozent. Das wichtigste Exportprodukt sei dabei Eisenerz, mit dem Australien auch 2016 noch 15,3 Prozent seiner Export erlöse erwirtschaftet habe, gefolgt von Kohle mit einem Anteil von 11,1 Prozent.

Eisenerz und Kohle würden zwar weiterhin benötigt, aber China habe seine Industriepolitik geändert. Die massiven Überkapazitäten in der Schwerindustrie sollten abgebaut werden. Dadurch sinke der Bedarf an Eisenerz und Kohle, die zur Stahlerzeugung benötigt würden. Nachdem der chinesische Premierminister Li Keqiang im März 2017 konkrete Pläne zur Reduktion der Produktionskapazitäten für Stahl verkündet habe, sei der Preis für Eisenerz prompt eingebrochen, und zwar um etwa 35 Prozent in wenigen Wochen. In kurzer Zeit sei damit die Preiserholung, die Eisenerz seit Oktober 2016 erlebt habe, vernichtet worden.

Der Australische Dollar habe darauf mit Abwertungsdruck reagiert und damit seine zeitweise enge Korrelation mit dem Eisenerzpreis unter Beweis gestellt. Auch in der langfristigen Betrachtung würden sich Zusammenhänge erkennen lassen: Von 2009 bis 2011 habe die Nachfrage nach Eisenerz einen Boom erlebt und der Preis je Tonne habe sich verdreifacht. Bis 2013 sei der Eisenerzpreis auf hohem Niveau geblieben, bevor es zu einem Einbruch auf das Niveau des Jahres 2008 gekommen sei. Der Australische Dollar habe eine ähnliche Entwicklung erlebt: Bis 2012 habe die Währung unter Aufwertungsdruck gestanden und der Wechselkurs etwa zum Euro (AUD/EUR) sei sogar auf ein Allzeithoch gestiegen. Anschließend sei die Währung unter Abwertungsdruck gekommen - parallel zum Preisrückgang bei Eisenerz.

Die in Australien tätigen Minenkonzerne würden sich bereits seit einigen Jahren auf die veränderten Marktbedingungen einstellen, zum Beispiel durch Zurückstellung von Investitionen und die Reduzierung von Kapazitäten. Einige Regionen in Australien würden das massiv spüren, denn gerade in der Rohstoffindustrie würden hohe Löhne gezahlt. Die Politik versuche darauf zu reagieren und sei bemüht, die Wirtschaft umzubauen - weg vom übermächtigen Rohstoffsektor hin zu einer stärkeren Orientierung auf Industrieprodukte und Dienstleistungen. Ein schwieriger Weg, der zwar erste Erfolge zeige, aber noch am Anfang stehe.

Die Notenbank unterstütze diesen Umbau der Wirtschaft, indem sie mit ihrer Politik Abwertungsdruck auf die über viele Jahre hin überbewertete Währung ausübe. Denn der Australische Dollar sei lange Zeit wegen des im Vergleich zu anderen Industrieländern hohen Zinsniveaus als Anlagewährung sehr beliebt gewesen. Das habe sich geändert, zum einen wegen der Wirtschaftsschwäche, zum anderen wegen der Zinssenkungen der Reserve Bank of Australia (RBA). Seit 2011 habe sie den Leitzins von 4,50 auf 1,50 Prozent verringert.

Die Notenbank könne den Leitzins auf diesem für Australien rekordniedrigen Niveau halten, weil die Konjunktur trotz aller Bemühungen schwach bleibe und der Inflationsdruck ebenfalls niedrig sei. 2017 dürfte die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts nach den Prognosen der DekaBank mit 2,2 Prozent unter der des Vorjahres (2,5 Prozent) liegen. Und der neue Einbruch beim Eisenerzpreis könnte die Wirtschaft weiter schwächen. Notenbank-Chef Glenn Stevens sei daher bemüht, die seiner Ansicht nach zu starke Währung weiter zu schwächen. Zumal auch viele unabhängige Experten den Australischen Dollar fundamental als überbewertet ansehen würden. Eine weitere Senkung des Leitzinses erscheine daher möglich, würde allerdings - wenn überhaupt - frühestens im September erfolgen.

Nach dem Kursanstieg im Jahr 2015 habe sich EUR/AUD von Anfang 2016 bis April 2017 in einem charttechnischen Abwärtstrend befunden. Hauptgrund für die neue Stärke des Australischen Dollar sei die Erholung am Rohstoffmarkt gewesen. Daneben habe sich im Rückgang von EUR/AUD aber auch die Schwäche des Euro bemerkbar gemacht, der 2016 ebenfalls gegenüber US-Dollar, Japanischem Yen und anderen Währungen nachgegeben habe. Beide Tendenzen scheinen am Ende, so die Analysten der BNP Paribas. So seien die Preise vieler Rohstoffe, vor allem der für Eisenerz, wieder gefallen beziehungsweise hätten ihren Erholungskurs nicht fortgesetzt. Zudem habe sich der Euro nicht nur stabilisiert, sondern seit Jahresbeginn auch gegenüber dem US-Dollar wieder zugelegt. Das habe auch EUR/AUD Auftrieb gegeben, nachdem Ende März 2017 kurzzeitig der tiefste Stand seit Mitte 2013 markiert worden sei.

Charttechnisch habe EUR/AUD Ende April nicht nur die seit Anfang 2016 gültige Abwärtstrendlinie, sondern auch den Widerstand bei 1,45 AUD überwunden. Damit stünden die Zeichen gut für eine Fortsetzung der Kurserholung. Fundamental gesehen würden die anhaltende konjunkturelle Schwäche in Australien und die Spekulationen über eine mögliche weitere Zinssenkung auf den Australischen Dollar drücken. (Ausgabe Juni 2017) (08.06.2017/zc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.




Quelle: ac


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