BNP Paribas-Zertifikate auf EUR/USD: Das Umfeld ändert sich - Zertifikateanalyse

Freitag, 07.06.19 11:00
BNP Paribas-Zertifikate auf EUR/USD: Das Umfeld ändert sich - Zertifikateanalyse
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Paris (www.zertifikatecheck.de) - Die Analysten der BNP Paribas stellen in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate" ein Mini Long-Zertifikat (ISIN DE000PZ8EMP9 / WKN PZ8EMP) und ein Mini Short-Zertifikat (ISIN DE000PR9D321 / WKN PR9D32) auf das Währungspaar EUR/USD (ISIN EU0009652759 / WKN 965275) vor.

Fast unaufhaltsam, wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen, habe der Euro in den zurückliegenden Monaten gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Die Volatilität, also die Schwankungsbreite, sei dabei sehr gering gewesen. Eine Entwicklung, die aber mehr vom US-Dollar ausgegangen sein dürfte als vom Euro. Denn auch gegenüber anderen Währungen habe die amerikanische Währung sukzessive aufgewertet. Gut zu sehen sei das etwa am US-Dollar-Index, der die Wertentwicklung des Greenbacks gegenüber sechs anderen wichtigen Handelswährungen messe. Das seien neben dem Euro das Britische Pfund, der Japanische Yen, der Kanadische Dollar, der Schweizer Franken und die Schwedische Krone. Habe der Index Anfang 2018 bei 90 Punkten notiert, so seien es aktuell 97. Und auch diese Entwicklung sei sehr ruhig und ohne größere Ausschläge vonstatten gegangen.

Über die Gründe der steten Aufwärtsbewegung der US-Währung werde viel spekuliert. Es scheine, dass der US-Dollar unter Präsident Donald Trump allen Unkenrufen zum Trotz an Attraktivität gewonnen habe. Das wundere erst einmal, würden die täglichen Nachrichten doch ein anderes Bild verbreiten. Allein der Handelsstreit mit China, der von US-Seite immer wieder mit verbalen Attacken angeheizt werde, könnte Anleger verunsichern und ihre Positionen in US-Dollar reduzieren lassen. Doch dazu sei es bislang nicht gekommen.

Das habe vor allem zwei Gründe. Erstens wachse die US-Wirtschaft sehr robust, robuster als viele andere Ökonomien. So würden die aktuellen Wirtschaftszahlen in den USA auf ein starkes zweites Quartal hindeuten. Zugleich sei der für das erste Quartal erwartete Einbruch ausgeblieben. Das habe den Aktienindices an der Wall Street Auftrieb gegeben, sie würden auf Jahreshöchstständen notieren. Das habe die Nachfrage nach US-Dollar gestützt. Gleichzeitig seien die Wirtschaftszahlen außerhalb der USA zum Teil schlechter als befürchtet ausgefallen. "Die Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums scheint hauptsächlich ein US-Phänomen zu sein", fasse Daniel Katzive, Währungsexperte bei BNP Paribas, die Lage zusammen.

Was den US-Dollar in den zurückliegenden Monaten ebenfalls gestützt habe, seien so genannte Carry Trades. Bei Carry Trades würden sich Investoren in einer Niedrigzinswährung verschulden und das Geld in einem Währungsraum anlegen, in dem höhere Zinsen gezahlt würden. Das klappe vor allem dann gut, wenn sich die am Carry Trade beteiligten Währungen sehr ruhig, also unter geringer Volatilität, entwickeln würden. Genau das sei aber in den zurückliegenden Monaten beim US-Dollar und den Verschuldungswährungen der Fall gewesen. Investoren hätten sich zum Beispiel in Euro verschuldet und das Geld in US-Dollar angelegt. Dabei seien Euro verkauft, US-Dollar gekauft worden. Entsprechend habe der Euro gegenüber dem US-Dollar abgewertet beziehungsweise der US-Dollar gegenüber dem Euro aufgewertet. Im Grunde genommen sei das ein relativ risikoloser und lukrativer Trade gewesen, da sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank FED über längere Zeit erklärt hätten, an ihrer Zinspolitik festzuhalten. Mit plötzlichen Veränderungen am Zinsmarkt, die die Carry-Trader zur schnellen Rückabwicklung gezwungen hätten, sei deshalb nicht zu rechnen gewesen.

Doch jeder noch so schöne Carry Trade gehe mal zu Ende. Die Risiken für den US-Dollar hätten trotz eines bislang insgesamt guten fundamentalen Umfelds unter dem Strich deutlich zugenommen. Die Währungsexperten von BNP Paribas hätten vier potenzielle Gefahrenquellen für die amerikanische Währung in den kommenden Monaten ausgemacht:

Erstens könnte die erwartete wirtschaftliche Erholung in den USA im zweiten Quartal geringer als erhofft ausfallen. Der US-Dollar habe von der guten Erwartung profitiert, sei jetzt aber extrem anfällig für Enttäuschungen. Zweitens bestehe die Gefahr, dass die Volatilität an die Märkte allgemein und insbesondere an die Währungsmärkte zurückkehre. Darunter würden die US-Dollar-Carry-Trades leiden. Sie würden unter Umständen rückabgewickelt, das heiße, US-Dollar würden verkauft, Verschuldungswährungen wie der Euro gekauft werden. Drittens könnten sich die Wirtschaftsdaten in den G10-Ländern besser als erwartet entwickeln. Das würde in den G10-Ländern Potenzial für eine straffere Geldpolitik eröffnen, was die Attraktivität der betreffenden Währungen gegenüber dem US-Dollar erhöhen sollte. Und viertens könnte sich vor allem die US-Politik als Damoklesschwert für den US-Dollar herausstellen. Denn der starke US-Dollar sei eine Bedrohung für die US-Exporte und damit für die Bemühung der Regierung, die Handelsbilanz zu verbessern. Washington könnte sich entscheiden, aggressiv dagegenzuhalten.

Vor allem der vierte Punkt könnte sich als große Gefahr für den US-Dollar erweisen. Präsident Donald Trump strebe eine Wiederwahl im kommenden Jahr an. Um Erfolg zu haben, wäre ein stabiles wirtschaftliches Umfeld extrem wichtig. Einige Experten würden sogar darauf spekulieren, dass Trump eine Neuauflage des so genannten Plaza-Abkommens anstreben könnte.

1985 hätten die USA unter ihrem Präsidenten Ronald Reagan mit den Regierungen Frankreichs, Deutschlands, Japans und Großbritanniens im Plaza-Hotel in New York einen Vertrag geschlossen, der eine Abwertung des US-Dollar vor allem gegenüber der Deutschen Mark (DM) und dem Japanischen Yen vorgesehen habe. Dazu hätten die beteiligten Staaten gezielt am Währungsmarkt intervenieren sollen. Ein Abkommen, das Erfolg gezeigt habe. Habe man 1985 im Schnitt noch für einen US-Dollar rund 2,94 DM bekommen, so seien es ein Jahr später nur noch 2,17 DM gewesen, ein Jahr darauf nur noch 1,80 DM. Das heiße im Gegenzug, wenn US-Waren nach Deutschland ausgeführt worden seien, hätten sie dort nun günstiger angeboten werden können. Damit habe man eine Stützung der Ausfuhren aus den USA versucht; die Welt sollte mehr US-Waren konsumieren. Zudem sei es damals auch gelungen, das Defizit in der US-Handelsbilanz zu reduzieren. Es sei von rund 300 Milliarden US-Dollar Mitte der 1980er Jahre auf weniger als 100 Milliarden US-Dollar zu Beginn der 1990er Jahre gefallen. Eine Entwicklung, die zwar nicht nachhaltig gewesen sei - heute belaufe sich das Defizit auf rund 600 Milliarden US-Dollar - doch Trump dürfte trotzdem Gefallen an ihr finden.

Für Anleger sei es unterdessen nicht leicht, mit der Situation am Währungsmarkt umzugehen. Eine Spekulation auf einen schwächeren US-Dollar schneie derzeit verfrüht. Rein charttechnisch gesehen könnte der US-Dollar noch einmal kräftig anziehen. So könnte der Euro auf 1,05 US-Dollar fallen. Ein solcher letzter Aufwärtsimpuls sei nicht extrem wahrscheinlich, könne derzeit aber auch nicht ausgeschlossen werden. Anleger, die in einer solchen Situation short im US-Dollar seien, müssten kurzfristig große Verluste hinnehmen. Vernünftiger scheine es da schon zu sein, prozyklisch zu agieren und etwa bei Euro/US-Dollar (EUR/USD) auf einen Ausbruch nach oben zu warten. Dazu biete sich unter anderem der Bereich um 1,15 US-Dollar an. (Ausgabe Juni 2019) (07.06.2019/zc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.




Quelle: ac


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