Smart-Investor: „Double Whammy“

Smart-Investor: „Double Whammy“

Sicherer Hafen Gold?

Zwischenfazit Nr. 1

Seit einigen Tagen hat der Corona-Ausbruch nun auch Deutschland fest im Griff. Es gibt kein anderes Thema mehr. Zahlreiche Menschen verfallen aus einem weitestgehend geregelten und sorgenfreien Alltag in beängstigender Geschwindigkeit in Panik oder Hoffnungslosigkeit, während es einige immerhin noch schaffen, sich mit Galgenhumor mental zu stabilisieren: „Leere Regale, geschlossene Grenzen – Willkommen in der DDR!“

Wenn es ein erstes Zwischenfazit aus dieser Krise gibt, dann vielleicht, dass in der Zeit davor – man lasse nur einmal vor seinem geistigen Auge Revue passieren, welche Orchideenthemen bis Anfang Januar die Medien beherrschten – in der breiten Masse eine von der Realität weitestgehend abgelöste Risiko- und Gefahrenwahrnehmung herrschte. Auf gut deutsch: Gar keine. Interessanter Weise sind nun diejenigen, die sich schon früher praktisch und mental mit Krisen und Katastrophenschutz beschäftigt haben – und entsprechend mit Häme überschüttet wurden –, genau diejenigen, die nun das System stabilisieren, weil sie sich im Supermarkt eben nicht um Klopapier kloppen.

Wir sprachen einmal davon, dass Deutschland ein scheinstabiler Scheinriese sei. Wir können diese Einschätzung nun auf die gesamte (westliche) Welt erweitern. Weder die moderne Gesellschaft, noch die moderne, auf Kante genähte und mit maximalen Schuldenhebeln gefahrene Weltwirtschaft können beliebig großen Belastungen Stand halten. Die „Puffer“ wurden längst von Schönwetterkapitänen und Schönwetterpolitikern ausgebaut und verfrühstückt. Reserven? Fehlanzeige.

Zwischenfazit Nr. 2

Dass rund 40% der weltweiten Börsenmarktkapitalisierung innerhalb nur eines Monats buchstäblich pulverisiert wurden, mag als nachträglicher Beleg für diese Einschätzung dienen. Dieser Crash war bzw. ist (?) hinsichtlich Ausmaß und Geschwindigkeit allerdings so außergewöhnlich, dass auch wir ordentlich Federn gelassen haben. Dies, obwohl uns immer bewusst war, dass unsere Welt sehr viel verletzlicher ist, als es beispielsweise die hiesigen „Deutschland ist ein reiches Land“-Dummköpfe herausposaunt hatten, ohne dabei allerdings je gewusst zu haben, wie dieser Reichtum entstanden sein mag, wie man ihn bewahren könnte und ganz sicher auch ohne nennenswert etwas dazu beigetragen zu haben.

Es genügte, ihn zu besteuern und umzuverteilen. Zwischenfazit Nr. 2: Die Dynamik der sozialen(!) Ansteckung, wozu auch das Börsengeschehen gehört, steht der Dynamik der Corona-Pandemie nicht nur nicht nach, sie eilt ihr sogar voraus. Auch mit rationalen Überlegungen hat man inmitten einer Panik nicht zwangsläufig das bessere Ende für sich. Vielmehr galt auch dieses Mal: If you panic, panic first! Oder halten Sie die Füße jetzt erst einmal still, zumindest solange bis sich die Nebel gelichtet haben.

Zwischenfazit Nr. 3

Es gibt derzeit durchaus einige gut hörbare Minderheitsstimmen, die deutliche Fragezeichen hinter das Corona-Narrativ und die daraus abgeleiteten Maßnahmen setzen. Wir werden im nächsten Smart Investor noch ausführlicher darüber berichten. So viel aber ist schon jetzt klar, eine zutiefst verunsicherte und verängstigte Bevölkerung ist genau das „Menschenmaterial“, das in jedem feuchten Traum eines potenziellen Diktators die Hauptrolle spielt. Schon jetzt wird Bargeld massiv angegriffen (tz-Schlagzeile heute:„Angst vor Ansteckung: Läden lehnen Bargeld ab“) und wir bewegen uns aktuell haarscharf an echten Notstandsgesetzen entlang. Zwischenfazit Nr. 3: Bleiben Sie wachsam, oder wachen Sie endlich auf!

Wenn Deutschland Corona hat, hustet Volkswagen

Die Bänder stehen still. Seit gestern sind die meisten europäischen Werke von Volkswagen lahmgelegt. Maßnahmen, die noch vor wenigen Tagen unmöglich erschienen. Nach der Erkrankung erster Mitarbeiter und den immer größer werdenden Problemen in der Teileversorgung scheint es jedoch kaum Alternativen dazu zu geben. Da klingt es fast absurd, dass das Sorgenkind der letzten Wochen – die Werke in China – nun wieder hochgefahren werden.

Die hervorragenden Zahlen mit einem Rekordergebnis für 2019 auf der gestrigen per Videoschalte veranstalteten Jahrespressekonferenz interessieren angesichts dieser Dramatik kaum jemanden. Doch auch die Prognose gestaltet sich angesichts der völlig unklaren Entwicklung der nächsten Wochen als schwierig, wenn nicht gar unmöglich. VW-CEO Herbert Diess spricht von nie dagewesenen operativen und finanziellen Herausforderungen. Die Prognose für 2020 – kassiert, die Investitionspläne legt das Management dagegen (noch) nicht auf Eis. Hoffnung mache die Entwicklung in China, so die VW-Führungsmannschaft gestern.

Eine konzertierte Aktion von Regierung und Unternehmen habe dort dafür gesorgt, dass sich die Lage wieder normalisiere. Die Fabriken sind wieder im Betrieb, die Showrooms offen, sogar die Verkäufe würden zwischenzeitlich wieder zunehmen. Für Europa ist Herbert Diess daher vorsichtig optimistisch, dass dies ebenfalls gelingen würde. Aktuell zeigt Volkswagen also erste Symptome, um in der Sprache der Virologen zu sprechen. Ein intensivmedizinischer Fall von Corona ist der Konzern dagegen noch nicht.

Je nachdem wie lange der aktuelle „Quasi-Shutdown“ andauert, kann sich dies jedoch schnell ändern. Die Aktie nimmt diese Angst mit einem Absturz um knapp 50% bereits vorweg. Ob sie nun günstig ist? Wie soll man dies basierend auf der heutigen Ausgangslage seriös beantworten. Nach allen klassischen Bewertungskennziffern ist die Aktie nicht nur günstig, sondern spottbillig. Ein KGV von 3,4 für 2021, eine Free-Cashflow-Rendite von knapp 30% bezogen auf den Unternehmenswert. Wenn, ja wenn der Stillstand lediglich ein paar Wochen anhält und im Anschluss nicht die Nachfrage dramatisch einbricht. Auch Investoren sind in diesen Tagen Spekulanten…

Sensationell günstig und trotzdem riskant

Fragen wie bei VW stellen sich Anleger auch für den gesamten Aktienmarkt. Dessen fundamentale Bewertung zu greifen fällt jedoch noch schwerer als bei einzelnen Unternehmen. Denn wer kann heute schon sagen, wo die Ergebnisse der S&P 500-Unternehmen 2020 oder 2021 liegen werden. Mit einem Minus von mehr als 30% (!) in lediglich drei Wochen im US-Leitindex nehmen die Märkte eindeutig ein schlimmes Szenario vorweg. Niemand kann jedoch mit Gewissheit sagen, ob es ein schlimmeres Szenario als in Realität ist, denn eine Prognose bezüglich des Verlaufs des Virus oder der dadurch bedingten ökonomischen Konsequenzen ist schlicht nicht möglich.

Lag das KGV des S&P 500 für die nächsten zwölf Monate vor drei Wochen noch in etwa bei 19 – und damit leicht über seinem langfristigen historischen Durchschnittswert von 16 – liegt es nun bei 15. Ein KGV besteht jedoch aus einem Zähler (dem Kurs) und einem Nenner (dem Gewinn). In einer Rezession ist beides rückläufig – weswegen Börsianer stets mit einer schnell veralteten Momentaufnahme hantieren. 2008 schoss das KGV des S&P 500 zum Beispiel mitten in der Krise dramatisch nach oben, trotz der stark gefallenen Kurse. Genau dies droht auch jetzt, sollte der globale Shutdown länger als nur ein paar Wochen anhalten.



Zu den Märkten

Kommen wir zum irrationalen Verhalten: Zuletzt wurde Klopapier in solchen Mengen „gehamstert“, dass kaum noch ein biologisch plausibles Verhältnis zu den gekauften Nahrungsmitteln hergestellt werden kann. Wie auch immer. Glaubt man diversen Internet-Memes, dann könnte in dieser Krise Klopapier zu einer Art Ersatzwährung avancieren, ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg Zigaretten. Achtung Feinstaub. Hätte man aber uns gefragt, wir wären noch vor Wochen überzeugt gewesen, dass Fiat Money wie Euro & Co. letztlich zu Klopapier werden und nicht umgekehrt. So kann man sich täuschen.

Apropos täuschen: Gold und Goldminen galten nicht nur uns als ein nicht ganz perfekter Hedge für mögliche Krisen am Aktienmarkt. Doch zuletzt gab es auch hier derbe Nackenschläge. Im Englischen nennt man die schnelle Abfolge zweier extrem unerfreulicher Ereignisse einen „Double Whammy“, also etwas, das schon so klingt, als ob es ordentlich reinhaut. Hätte man es also so kommen sehen können?

Im Nachhinein sicher. Und obwohl auch wir den Allzeithochs – Corona war damals in China bereits in vollem Gang – skeptisch gegenüberstanden, obwohl wir sogar traditionell zu denen gehören, die lieber einmal zu viel zur Vorsicht mahnen als einmal zu wenig, vom Ausmaß des Börsenabsturzes waren wir dann doch überrascht. Denn solche Großkrisen kommen derart selten vor, dass es dazu praktisch kein statistisch aussagefähiges Anschauungsmaterial gibt. Jeder dieser Megacrashs ist ein echter Einzelfall mit sehr spezifischen Eigenschaften und Randbedingungen. Wir kennen nebenbei bemerkt niemanden, der glaubwürdig von sich behaupten könnte, vor wenigen Wochen den unmittelbar bevorstehenden größten und schnellsten Kursabsturz eines Jahrhunderts prognostiziert zu haben – außer natürlich jenen, die dies im Wochenrhythmus tun.

Was man also über den Ablauf solcher Großkrisen weiß, ist vor allem anekdotischer Natur. Das Entscheidende ist, dass man am Anfang eines solchen Absturzes nicht wissen kann, wie weit er letztlich nach unten führt. Denn viele potenzielle „Jahrhundert-Crashs“ wuchsen sich nie zu echten Krisen aus, weil die Anleger, oder aber auch die Notenbanken frühzeitig dagegen hielten. Deren Verhalten wäre eine weitere Untersuchung wert, die diesen Rahmen allerdings sprengen würde. Über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, eichten sie die Anleger darauf, dass sie im Fall der Fälle Gewehr bei Fuß stünden, nur um sie diesmal maximal ins Messer laufen zu lassen. Soll die marktwirtschaftliche Ordnung hier gar – Vorsicht Verschwörungstheorie – ganz bewusst geschleift werden? Die Staatsgläubigen stehen mit ihren Patentrezepten jedenfalls schon in den Startlöchern.

Zurück zum praktischen Ablauf: Der „Double Whammy“ in diesem Crash bestand in der zweiten Welle, die schließlich Edelmetalle und Edelmetallminen erfasste. Man kann sich das – wiederum im Nachhinein – durchaus erklären. In einer Crash-Situation wird die Suche nach Liquidität zum dominanten Anlagemotiv. Dabei ist es in der Anlegerpsychologie fest verankert, dass lieber das verkauft wird, wo die Verluste noch nicht ganz so schmerzhaft sind, während bei den anderen Positionen auf die überfällige Erholung gewartet wird.

Tatsächlich sind die besonders abgestürzten Aktien ja auch wirklich relativ attraktiver geworden. Ein letzter Punkt mag schließlich darin begründet liegen, dass nach dem Eintritt des Versicherungsfalls („Crash“) durchaus eine Neigung entstehen kann, die goldene Versicherung erst einmal aufzulösen. Gegen diese Hypothese spricht allerdings der Run des Publikums auf physisches Material – es gibt eben nicht nur Klopapier- sondern auch noch klassische Goldhamster.

Fazit

Bleiben Sie wenigstens gesund!

 

Ralph Malisch, Christoph Karl
smartinvestor.de



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