Die Japan-Krise (1990)

Die Seifenblase zerplatze - allerdings nicht auf einmal sondern langsam und in kleinen Schritten. Kurz nach dem Ende der Hausse kamen erste Gerüchte über Probleme im Finanzsektor an die Öffentlichkeit. So war es bis dato oft an der Tagesordnung bevorzugten Kunden Kredite ohne große Überprüfungen zu gewähren. Ungedeckte Kredite waren dabei durch fantasievolle Buchführungen verschleiert worden. Als diese Machenschaften in der Öffentlichkeit bekannt wurden, sackte der Nikkei, von 37.400 Punkten (Ende Februar) bis Anfang April um fast 10.000 Punkte auf einen Stand von 28.002. Doch das war erst der Anfang der Baisse. Banken sperrten die Kreditvergabe und verweigerten den Firmen damit dringend benötigte finanzielle Mittel. Immer mehr Firmen mussten dadurch Insolvenz anmelden und verursachten damit einen erneuten Kreditausfall bei den Banken. Zudem belasteten weitere Zinserhöhungen Ende März 1990 (auf 5,25%) und Ende August 1990 auf 6 Prozent die Anleger.

Die fallende Börse schlug auch auf den Immobilienmarkt durch. Zum einen wurde das Transaktionsvolumen durch die schwindenden finanziellen Geldmittel immer geringer und zum anderen kamen die Unternehmen, die vorher ihre Grundstücke als Kreditsicherheit verpfändet hatten, in Schwierigkeiten und mussten dadurch Grundstücke veräußern. Im Gegensatz zu den Aktienkursen ging der Verfall zunächst aber noch wesentlich langsamer als an der Börse vonstatten. Japan schlitterte unaufhaltsam in eine Rezession. Am Jahresende notierte der Nikkei-225 nur noch bei 23.849 und ein Ende der Baisse war nicht abzusehen. Immer mehr Horrormeldungen schockten die Börse und so konnte auch die Bank of Japan mit einer Senkung der Leitzinsen ab Mitte 1991 keine Wirkung erzielen. Die Grundstückspreise fielen dramatisch und lagen 1996 in den Städten über 50 Prozent unter den Höchstmarken.

Auch zehn Jahre nach dem Crash hat sich die japanische Wirtschaft noch nicht erholt und steckt weiter tief in der Rezession. Der Nikkei notiert mit einem Stand von rund 9700 Punkten ca. 75 Prozent unter dem Stand vom Dezember 1989. Nach Schätzungen belasten immer noch faule Kredite in Höhe von 550 Milliarden US-Dollar das japanische Finanzsystem. Zudem mussten die japanischen Banken durch die jüngsten Abschläge an den europäischen und amerikanischen Börsen weitere Verluste verkraften, die ihnen in den Portfolios aus ausländischen Vermögenswerten entstanden. Versuche der japanischen Zentralbank durch weitere Zinssenkungen die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen scheiterten. Seit 1995 lag der Diskontsatz bei lediglich 0,5% und mit den jüngsten Senkungen vom Februar 2001, März 2001 und September 2001 ist der Diskontsatz bei 0,1% am unteren Ende angelangt, immer noch ohne nennenswerten Erfolg in der Wirtschaft auszulösen. Wie lange die Rezession in Japan noch anhält, vermag heute niemand genau zu sagen. Doch auch der Rest der Welt durchlebte 1990 eine schwere Krise als der Irak mit Gewalt Kuwait besetzte und damit den Golfkrieg auslöste.

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