Die internationale Wirtschaftskrise
(1836-1838)

Die englischen Importe in die Vereinigten Staaten hatten seit Anfang der Dreißiger rapide zugenommen. Lag der Überschuss der Wareneinfuhr gegenüber den Warenausfuhren im Jahr 1834 noch bei 6 Millionen Dollar, so stieg diese Zahl bis zum Jahr 1836 auf 52 Millionen Dollar. Auch nach dem Zusammenbruch in England war der amerikanische Markt zunächst noch mit englischen Waren überschwemmt worden, jedoch fehlte nun immer häufiger das Geld zum Bezahlen. Die finanziellen Mittel stammten, wie der Warenstrom auch, hauptsächlich aus England. Der plötzliche Wegfall dieses Geldstroms aufgrund der britischen Krise, verursachte nun auch in Amerika eine Pleitewelle bei Banken und Unternehmen. Zunächst waren zwar vor allem Unternehmen mit engen Geschäftsbeziehungen ins britische Empire betroffen, doch schon bald griff die Krise auch auf andere Bereiche über. Laut Zeitzeugen kam es schließlich im September 1837 zu einem "den zerstörerischten Ausbrüche von Panik, die diese Nation (=USA) je erlebt hat".

Ein deutscher Emigrant beschrieb den Verlauf der amerikanischen Krise in zwei Briefen an seine Verwandten in Deutschland folgendermaßen: Am 7. Mai 1837: "übrigens hört man heute, dass es für einen Arbeiter hier erst wohl nicht besser sondern etwas schlechter wird. Denn es sind hier schon einige Fabriken gestoppt ... große Kaufleute haben Bankrott gemacht"; und am 21. Februar 1840: "die Zeiten sind hier jetzt ganz schlecht so wie man es hier noch nicht erlebt hat ... der Verdienst ist hier jetzt ganz wenig ...".

Die Krise weitet sich aus
Auch andere europäische Länder wurden in die Krise hineingezogen. Über die USA griff die Panik durch die resultierende Minderung des Importvolumens, durch Preisverfälle und eine Reihe von engen finanziellen Verbindungen unmittelbar auf Frankreich und Deutschland über. So bekam die französische Stadt Lyon sofort den Wegfall der Absatzmärkte für Seide zu spüren. Maklerfirmen in Paris, die ihre Käufe zu einem großen Prozentsatz in London tätigten, waren ebenso vom Konkurs bedroht, wie alle anderen Unternehmen, die in engen finanziellen Verbindungen zu Amerika oder England standen. Auf den schon damals bekannten Messen in Frankfurt und Leipzig blieben die amerikanischen und britischen Aufträge aus, die in den Vorjahren immer eine bedeutende Rolle gespielt hatten.. In Belgien oder Italien waren Auswirkungen der Krise ebenfalls zu spüren.

Allerorts versuchten Politiker und Bankiers der drohenden Krise entgegenzuwirken. Obwohl manch eine Maßnahme gut gemeint war, verschlimmerten die meisten doch nur das Problem. So kauften beispielsweise die französische Bank Maison Hottinguer zusammen mit dem Bankier Nicholas Biddle von der Bank of the United States ab Frühjahr 1838 in großem Umfang Baumwolle, um den Baumwollpreis zu stützen. Der steigende Baumwollpreis hatte aber Auswirkungen auf die gesamte Baumwollindustrie. So konnten sich Baumwollspinnereien in Manchester, Rouen oder im Elsass die immer teurer werdende Baumwolle nicht mehr leisten. Eine neue Pleitewelle - diesmal im Baumwollsektor - drohte. Erst ein Boykott der betroffenen Städte, der im November 1838 einen Einbruch der Baumwollpreise auslöste, entspannte die Lage wieder etwas.

Die Jahre ab 1836 waren hauptsächlich durch Stagnation und Armut geprägt. Zwar gab es Ende 1838/1838 eine kurze Wiederbelebung der Wirtschaft, doch zeigte sich die Konjunktur bis weit in die Vierziger Jahre sehr labil. Immer wieder gab es kleinere Zusammenbrüche mit entsprechenden Folgen für die betroffene Region. Erst ab 1843 besserte sich die Lage zunehmend - allerdings wiederum nur für eine kurze Phase. Bereits 1847/1848 kam es erneut zu einer schlimmen Krise in weiten Teilen Europas.

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