John Law und
das Mississippi-Projekt (1720)

Mit dem Tod Ludwig XIV. wurde sein Urenkel Ludwig XV. dessen Nachfolger. Da Ludwig XV. zu dieser Zeit noch ein Kind von sieben Jahren war, übernahm Herzog Philipp II. von Orleans bis zu seiner Mündigkeit 1723 die Regentschaft des Landes. Das oberste Ziel des Herzogs war die Verringerung der Staatsschulden, ohne Rücksicht auf den Zustand der Volkwirtschaft oder der Bevölkerung. Da seine Maßnahmen aber nicht den gewünschten Erfolg brachten, stieß Law mit seiner "Landbank" bei ihm auf offenen Ohren. Law wollte eine Bank gründen, die sowohl die Verwaltung der königlichen Einnahmen übernehmen, als auch eigene Banknoten herausgeben sollte. Diese Banknoten sollten durch die Steuereinnahmen und in Besitz der Bank befindlichen Ländereien abgesichert werden. Schon bald galt Law am Hof als Finanzexperte und erhielt von den Adligen die nötige Unterstützung für sein Projekt.

Law startet Mississippi-Projekt
Am 5. Mai 1716 wurde John Law per königlichem Edikt bevollmächtigt, die Banque Generale zu gründen. Die Bank hatte außerdem das Recht verliehen bekommen, eigene Geldscheine herauszugeben, die auch zur Bezahlung von Steuern zugelassen waren. Das Kapital betrug zum Gründungszeitpunkt 6 Millionen Livres, eingeteilt in 1.200 Aktien im Nennwert von je 5..000 Livre pro Aktie. Um einen Anreiz zur Zeichnung zu schaffen, wurden damals zu einem Teil auch sogenannte billets d'etat als Bezahlung zugelassen. Diese von der Regierung zur Absicherung der Schulden herausgegebenen Staatspapiere notierten damals nur noch zu 50 Prozent ihres Nennwertes. Trotzdem wurde beim Kauf von Aktien der Banque Generale der komplette Nennwert verrechnet. Während die Privatbanknoten bald im Wert verloren, konnten die Bankaktien aufgrund des florienenden Handels innerhalb eines Jahres um 15 Prozent steigen. Gleichzeitig schüttete die Bank eine Halbjahresdividende von 7,5 Prozent aus.

Diese Anfangserfolge trübte die Sicht der Regierung für die Gefahr und veranlasste gleichzeitig Law das Vorhaben in Angriff zu nehmen, mit dem sein Name bis heute verbunden ist: das Mississippi-Projekt. Zu dieser Zeit wurde gerade der Westen der USA erschlossen. In den Regionen um den Mississippi und Louisiana wurden damals große Edelmetallvorkommen vermutet, was reiche Gewinne für den versprach, der das Handelsmonopol für diese Region besaß. Bis dato oblag das Monopol für die nordamerikanischen Kronkolonien dem angesehenen Kaufmann Crozat. Aufgrund der bislang mangelnden Rentabilität konnte Law aber im September 1717 die Rechte von Crozat erwerben. Zur Ausnützung der erworbenen Konzession gründete Law kurz darauf die Comapgnie des Indes occidentales (auch als westindische oder Mississippi-Kompanie bezeichnet) in Form einer Aktiengesellschaft. Aufgrund der zu erwartenden Reichtümer aus Amerika lag das Grundkapital mit 100 Millionen Livre deutlich über dem der Banque Generale. Um weite Bevölkerungsschichten in die Spekulation einbeziehen zu können, setzte Law den Nennwert der Aktien auf 500 Livre fest. Allerdings konnten diese 200.000 Aktien nur mit den Privatnoten von Laws Bank erworben werden.

Doch trotz großen Werbeaktionen war es zunächst schwer alle Aktien der Gesellschaft unters Volk zu bringen. Viele Anleger misstrauten dem Projekt, da der als tüchtig bekannte Kaufmann Crozat sein Privileg so schnell verkauft hatte. Im Spätsommer 1718 stand die Aktie mit 530 Livre noch immer nur geringfügig über dem Zeichnungspreis. Die Gründung weiterer Aktiengesellschaften, darunter auch die der Brüder Paris, die die Generalsteuerpacht erworben hatten, drückte zudem auf den Kurs der Mississippi-Aktien.



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